Pädo-Väter vor Gericht: Wird das «Monster» verwahrt?

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Pädo-Väter vor GerichtWird das «Monster» verwahrt?

Im Thurgau läuft der Prozess gegen zwei Väter, die ihre Söhne missbraucht und verkauft haben. Der Haupttäter brach vor Gericht zusammen. Der Richter erwägt die Maximalstrafe.

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hal/upz

Sichtlich nervös erschienen ein Aargauer (41) und ein Deutscher (35) heute vor dem Bezirksgericht Münchwilen TG. Sie sind in einem der schrecklichsten Prozesse der letzten Jahre angeklagt: Die Männer sollen ihre damals 6- und 7-jährigen Söhne ab Mai 2007 monatelang sexuell missbraucht haben. Die Taten sollen sie ferner fotografiert und ihre Buben sich gegenseitig und anderen Pädophilen aus halb Europa gegen Geld für Sex überlassen haben.

Jetzt sind sie wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern, Nötigung und Förderung der Pornografie angeklagt. Zum Ende des Prozessauftakts kams zum Eklat: Der Hauptangeklagte, ein Ex-Callboy aus Deutschland, brach zusammen und musste unter Tränen aus dem Gerichtssaal geführt werden.

Am Morgen war bereits der angeklagte Aargauer in Tränen ausgebrochen. Über seine Taten wollte er nicht reden. «Das kann ich nicht. Es geht mir zu nahe.» Der Vater erzählte dafür ausführlich, wie er selbst mit 11 Jahren in einem Heim erste sexuelle Erfahrungen gemacht habe, als Erwachsener im Internet Pädophilen-Chats besuchte und sein Verlangen so immer grösser geworden sei, bis er sich nicht mehr habe wehren können.

Gericht erwägt Verwahrung

Auch der Deutsche schilderte seine Vorgeschichte und seine Neigungen. Beide gestanden die Taten schon kurz nach Prozessbeginn. «Meine Taten sind schrecklich», sagte der Deutsche, der zuletzt im Thurgau lebte. Es sei ihm schlecht geworden, als er die Anklageschrift las, die auf 18 Seiten detailliert die Taten auflistet. «Das war doch nicht ich.»

Der Gerichtspräsident liess sich von der Reue der Männer nicht beeindrucken: Er könne sich durchaus vorstellen, die Väter härter zu bestrafen, als es der Staatsanwalt fordert. «Ich erwäge, für Sie die Verwahrung auszusprechen», sagte er zum Hauptangeklagten. Dies, obwohl ein Gutachten zum Schluss kam, dass die Voraussetzungen dafür nicht gegeben sind.

Täter bezeichnete sich als Monster

Die Staatsanwaltschaft fordert für den Deutschen 10,5 und für den Aargauer 7,5 Jahre Gefängnis. Milieu-Anwalt Valentin Landmann, der den Haupttäter verteidigt, plädiert auf nur 8 Jahre Haft. Beide Männer sitzen seit 2008 im vorzeitigen Strafvollzug hinter Gittern.

Während die Angeklagten die sexuellen Handlungen mit ihren Söhnen gestanden, stritten sie ab, diese mit K.o.-Tropfen gefügig gemacht zu haben. Laut Anklageschrift haben sie ihre Kinder mehrfach mit so viel Drogen betäubt, dass diese sogar bewusstlos wurden. Das Urteil folgt am Mittwoch.

Psychologe Allan Guggenbühl bezeichnet die Taten als krank. Milieu-Anwalt Valentin Landmann sagt im Videointerview, sein Mandant habe sich selbst als Monster bezeichnet:

Psychologe Allan Guggenbühl bezeichnet die Taten als krank. Milieu-Anwalt Valentin Landmann sagt im Videointerview, sein Mandant habe sich selbst als Monster bezeichnet:

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