Aktualisiert 10.12.2017 12:25

Schweizer Armee

Wird das obligatorische Schiessen abgeschafft?

SP-Nationalrätin Chantal Galladé will die Pflicht für Armeeangehörige, jedes Jahr schiessen zu gehen, abschaffen. Der Bundesrat ist dagegen. Jetzt entscheidet das Parlament.

von
vro
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Jedes Jahr müssen Soldaten zum obligatorischen Schiessen. Das soll sich nun ändern, wenn es nach der SP-Nationalrätin Chantal Galladé geht.

Jedes Jahr müssen Soldaten zum obligatorischen Schiessen. Das soll sich nun ändern, wenn es nach der SP-Nationalrätin Chantal Galladé geht.

Keystone/Anthony Anex
Für sie ist die Schiesspflicht zur Subvention von Schützenvereinen verkommen.

Für sie ist die Schiesspflicht zur Subvention von Schützenvereinen verkommen.

Keystone/Anthony Anex
Sie sei deshalb aufzuheben.

Sie sei deshalb aufzuheben.

Keystone/Martin Ruetschi

Jedes Jahr müssen Schweizer Soldaten zum obligatorischen Schiessen. Wenn es nach der SP-Nationalrätin Chantal Galladé geht, soll damit Schluss sein: In einer im September eingereichten Motion fordert sie die Aufhebung der ausserdienstlichen Schiesspflicht. «Der Ausbildungsnutzen ist relativ klein, währenddessen der Aufwand doch relativ gross ist», schreibt sie in ihrer Begründung. Zudem sei das obligatorische Schiessen «zu einer Art Subventionierung der Schiessvereine verkommen, was nicht der Zweck sein kann».

Der Bundesrat nahm im November Stellung zur Motion. Würde die Schiesspflicht abgeschafft, müsste das Präzisionsschiessen im WK geübt werden, «womit weniger Zeit für andere Lerninhalte übrig bliebe», schreibt er. Die Soldaten trainierten dank der Schiesspflicht den Umgang mit der Waffe. Ausserdem sei «der finanzielle und zeitliche Aufwand für das ausserdienstliche Schiessen gemessen am Ausbildungsnutzen klein». Der Bundesrat hat deshalb beantragt, die Motion abzulehnen.

«Soldaten mit Gewehren verstärken Gefühl von Unsicherheit»

Der Nationalrat debattiert kommende Woche über das Geschäft. Galladé hält an ihrer Forderung fest. Für sie ist das obligatorische Schiessen ein «veraltetes Instrument aus einer anderen Zeit», wie sie in ihrer Begründung schrieb. «Man kann sich den Risiken der Zukunft nicht mit einer Sicherheit und einer Ideologie aus der Vergangenheit stellen», sagt sie zudem zu «Le Matin Dimanche». «Das obligatorische Schiessen verursacht Lärm, aber die Sicherheit erhöht es nicht.»

Soldaten, die mit geschulterten Sturmgewehren herum spazierten, würden wegen der Angst vor Terroranschlägen in der Schweiz sogar das Gefühl der Unsicherheit verstärken, so die Nationalrätin. Jährlich erhalten die Schützenvereine für die Organisation des obligatorischen Schiessens insgesamt 3 Millionen Franken. Die Munition, die die Soldaten dafür benötigen, kostet weitere 3,5 Millionen, schreibt die Zeitung.

«Angriff auf Milizarmee»

«Das ist keine grosse Summe im Verhältnis zu den Arbeitsstunden und der Infrastruktur, die man dafür zur Verfügung stellen muss», kontert jedoch Luca Filippini, Präsident des Schweizer Schiesssportverbandes. Es handle sich nicht um eine Subventionierung, sondern um eine Honorierung einer Leistung, sagt er zu «Le Matin Dimanche».

Auch Jean-Luc Addor, SVP-Nationalrat und Vizepräsident von Pro Tell, hält wenig von Galladés Idee: «Wenn man Massnahmen anficht, die zum Ziel haben, das Trainingsniveau zu erhalten, greift man eigentlich die Milizarmee an.» Soldaten, die im Umgang mit der Waffe korrekt ausgebildet sind, seien nach wie vor wichtig.

Unterstützung von links

Ähnlich klingt es bei FDP-Nationalrat Hugues Hiltpold: «Wenn man Soldaten eine Waffe in die Hände gibt, muss man dafür sorgen, dass sie sie korrekt benutzen. Das obligatorische Schiessen mag einem lästig vorkommen, aber es ist nicht nutzlos, jedes Jahr eine Auffrischung zu bekommen.»

Mehr Unterstützung erhält Galladé von den Linken. Die Grüne Lisa Mazzone etwa bezeichnet das obligatorische Schiessen als «veraltete Institution, so wie die Armee». Wirklich erhöht würde die Sicherheit ihrer Meinung nach dann, wenn die Armeewaffe nicht mehr zu Hause aufbewahrt würde. Eine ensprechende Forderung hat Galladé bereits eingereicht. Der Nationalrat hat sie im September jedoch abgelehnt.

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