Aktualisiert 01.06.2011 06:10

NHL-Final

Wird der Stanley Cup entführt?

Vancouver versucht, den Stanley Cup nach Kanada zu holen. Doch von einer Heimkehr des Cups ins Mutterland des Eishockeys kann gerade bei einem Sieg der Canucks nicht die Rede sein.

von
Jürg Federer, USA

Ab Mittwoch spielen die Vancouver Canucks und die Boston Bruins um den Gewinn des Stanley Cup 2011. Zum fünften Mal seit 1993, als mit den Montreal Canadiens zuletzt ein kanadisches Team den Stanley Cup gewinnen konnte, versucht ein kanadisches NHL-Franchise, den Stanley Cup zurück nach Kanada zu holen. «Bring the Cup back home» – «Bringt den Stanley Cup nach Hause», lautet die Aufforderung an die Vancouver Canucks von British Columbia bis nach Neufundland in zehn kanadischen Provinzen.

Bruins kanadischer als die Canucks

Nach der NHL Saison wird der Stanley Cup traditionell einen ganzen Sommer lang auf eine aufregende Reise in die Geburtsstädte aller siegreichen Spieler geschickt. Legt Bostons Teamcaptain Zdeno Chara nach einer kurzen Ansprache von NHL-Commissioner Gary Bettman seine Hände an den Stanley Cup, wird der Cup zwischen British Columbia und Neufundland in 17 kanadischen Geburtsorten von Bruins-Spielern einen ganzen Sommer lang für Stanley Cup-Parties im Mutterland des Eishockeys sorgen. Boston vertraut auf die Dienste von 17 Kanadiern, nur fünf Söldner, die nicht im Mutterland des Eishockeys zur Welt kamen, beziehen ihren Lohn in Boston.

Vancouvers ausländische Power

Übergibt Gary Bettman aber in ungefähr zwei Wochen den Stanley Cup Henrik Sedin, dem Teamcaptain der Vancouver Canucks, entführt der Schwede den Stanley Cup für einen ganzen Sommer ins Ausland. Vier Schweden, fünf Amerikaner, ein Deutscher, ein Däne und ein Finne stehen im Dienst der Vancouver Canucks, zwölf Söldner, die nicht in Kanada das Licht der Welt erblickt haben. Die Vancouver Canucks sind mit einem schwedischen Teamcaptain, einem schwedischen Playmaker und einem schwedischen Topskorer, einem amerikanischen Top-Center und einem deutschen Marathonmann der Antipode eines kanadischen Eishockeyteams.

Ja sogar ihr Arbeitgeber, Francesco Aquilini, teilt seinen ausländischen Ursprung mit den Sedins, Samuelssons, Ehrhoffs und Keslers. Der Besitzer der Vancouver Canucks wuchs zwar in British Columbia auf aber im Herzen ist auch der Besitzer der Vancouver Canucks, ein Italo-Kanadier, der seine Milliarden mit Pizzas verdient hat, ein Europäer. Gewinnen Aquilinis Söldner mit den Vancouver Canucks den Stanley Cup, werden mehrere tausend Meilen von Kanada entfernt, in Schweden, Amerika, Deutschland, Finnland und Dänemark, an den Geburtsstädten von Vancouvers Eishockeyspielern, Stanley Cup-Parties steigen. Von einer Heimkehr des Stanley Cup in den Schoss Kanadas kann deshalb gerade bei einem Sieg der Vancouver Canucks auf keinen Fall die Rede sein.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.