Herdenschutz: Wird der Wolf zur Gefahr im Kanton Zürich?

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HerdenschutzWird der Wolf zur Gefahr im Kanton Zürich?

Die Gefahr von Wölfen war bisher eher auf der Alp bekannt. Der Herdenschutzbeauftragte Bruno Zähner sagt, dass die Raubtiere auch im Mittelland zum Problem werden könnten.

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jen
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Herdenschutzhunde der Rasse Maremmano Abruzzese beschützen ziegen und Schafe.

Herdenschutzhunde der Rasse Maremmano Abruzzese beschützen ziegen und Schafe.

Keystone/Sigi Tischler
«Die Herdenschutzhunde werden dazu ausgebildet , sich als Teil der Schafherde zu fühlen, sehr wachsam zu sein und die Herde um jeden Preis zu beschützen», sagt Bruno Zähner, Herdenschutzbeauftragter des Kanton Zürich.

«Die Herdenschutzhunde werden dazu ausgebildet , sich als Teil der Schafherde zu fühlen, sehr wachsam zu sein und die Herde um jeden Preis zu beschützen», sagt Bruno Zähner, Herdenschutzbeauftragter des Kanton Zürich.

Keystone/Jean-christophe Bott
Bei Gossau im Zürcher Oberland ist am 26. August 2015 ein Wolf in die Fotofalle eines Jägers getappt.

Bei Gossau im Zürcher Oberland ist am 26. August 2015 ein Wolf in die Fotofalle eines Jägers getappt.

Rund 30 bis 50 Wölfe treiben sich in der Schweiz herum. Bruno Zähner, Herdenschutzbeauftragter des Kantons Zürich, ist überzeugt: «Der Wolf wird sich in der Schweiz weiter ausbreiten.» Er warnt, dass die Raubtiere bald auch in Zürich zur Gefahr werden könnten, wie der «Zürcher Oberländer» berichtet. Bisher wurden hier lediglich zwei Wölfe gesichtet. 2014 überfuhr ein Zug ein Jungtier. Ein Jahr später lief ein Wolf in Gossau ZH in die Fotofalle eines Jägers. «Das klingt nach wenig, ist es aber nicht», sagt Zähner.

Er bedaure, dass die Zürcher Bauern bisher die Gefahr nicht erkannt hätten. «Es erstaunt mich aber nicht. Der Mensch befasst sich erst mit einem Thema, wenn es zum akuten Problem wird.»

Massnahme gegen Angriffe

Zähner hat selber bisher viele Massnahmen ergriffen, um sich gegen die potenzielle Gefahr eines Wolfangriffs auf seine Herde, die aus 200 Schafen und 22 Ziegen besteht, zu schützen. Vier Hunde sind im Einsatz, bewachen die Tiere und bellen laut, wenn sich eine Gefahr nähert. Zudem kümmern sich drei Angestellte um die Tiere und spezielle Zäune aus Netzen und Elektrodrähten schützen vor einem Angriff.

Als Herdenschutzbeauftragter bietet Zähner Kurse und Seminarveranstaltungen an, um Hirte für das Problem zu sensibilisieren. Die Beratungsdienste werden aber zurzeit wenig in Anspruch genommen. Zähners letzter Kurs fiel wegen zu wenig Teilnehmern aus.

Hunde als Gefahrenabwehr

Trotz der geringen Nachfrage der Bauern nach Kursen setzten die meisten Hirte Herdenschutzhunde zur Abwehr von Wolfsangriffen auf ihre Tiere ein. In der Schweiz gibt es zwei Rassen, die als Herdenschutzhunde anerkannt sind: der Maremmano Abruzzese und der Montagne des Pyrénées.

Diese Hunderassen werden nach speziellen Regeln gezüchtet und ausgebildet. Die Registration als Herdenschutzhunde ist Pflicht. Zurzeit sind 200 Hunde erfasst.

Probleme mit Menschen

«Die Herdenschutzhunde werden dazu ausgebildet, sich als Teil der Schafherde zu fühlen, sehr wachsam zu sein und die Herde um jeden Preis zu beschützen», sagt Zähner. Dieses ausgeprägte Schutzverhalten könne aber zu Problemen mit Menschen führen.

So komme es auf der Alp öfter vor, dass Hunde mit Wanderern, Bikern und anderen Bergsportlern zusammenstiessen. Zähner: «Es kann leider immer wieder zu Unfällen kommen.» Jeder sollte dementsprechend wissen, wie man sich im Kontakt mit den Tieren verhalten müsse. Die Fachstelle Herdenschutz empfiehlt, sich ruhig zu verhalten, Distanz zu wahren und wenn möglich Abstand zur Schafherde zu halten.

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