Kampf um Hotelpreise: «Wird die Booking-Klausel verboten, werden Schweizer Hotels günstiger»
Hotelpreise: Andreas Züllig, Präsident von Hotelleriesuisse, über «Lex Booking».

Hotelpreise: Andreas Züllig, Präsident von Hotelleriesuisse, über «Lex Booking».

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Kampf um Hotelpreise«Wird die Booking-Klausel verboten, werden Schweizer Hotels günstiger»

Schweizer Hotels dürfen keine günstigeren Tarife als auf Buchungsplattformen wie Booking.com anbieten. Das möchten sie seit Jahren ändern, doch die Politik lässt sich Zeit.

von
Martin Hoch

Seit über fünf Jahren kämpft Hotelleriesuisse gegen die Marktmacht von Buchungsplattformen, im Speziellen von Booking.com, dem grössten Player am Markt. Nun hat sich der Bundesrat der sogenannten «Lex Booking» angenommen und den Schweizer Hoteliers einen Vorschlag unterbreitet. Doch diese sind nicht zufrieden. Wir haben mit Andreas Züllig, dem Präsidenten von Hotelleriesuisse, gesprochen.

Was versteht man unter der Lex Booking?

Online-Buchungsplattformen wie Booking.com verfügen über einen hohen Marktanteil und schaffen dadurch Abhängigkeiten bei Hotels. So dürfen diese auf der eigenen Website keine günstigeren Preise anbieten, wodurch der Wettbewerb behindert wird. Mit der Motion von Pirmin Bischof – auch als «Lex Booking» bekannt – hat das Parlament den Bundesrat beauftragt, diesen Missstand zu beheben.

Als Gast möchte man nebst einem vergnügten Hotelaufenthalt vor allem auch den besten Preis.

Als Gast möchte man nebst einem vergnügten Hotelaufenthalt vor allem auch den besten Preis.

Unsplash, Toa Heftiba

Der Bundesrat hat seinen Umsetzungsvorschlag zur Lex Booking vorgelegt. Sie sagen, dieser verfehle sein Ziel. Was passt Ihnen nicht?

Unsere Forderung zum Verbot einer Preisparitätsklausel wurde entsprochen. Heisst, in Zukunft dürfen Hotels auf ihrer eigenen Webseite wieder günstigere Preise anbieten.

Was sind Paritätsklauseln?

Bei den Paritätsklauseln (von lateinisch paritas «Gleichheit») geht es den Buchungsplattformen wie Booking.com darum, dass Hotels auf den eigenen Onlinekanälen höchstens die gleichen, sicher aber keine besseren, Konditionen (Preise, Verfügbarkeiten, Stornierungsregelungen etc.) an ihre Gäste anbieten dürfen.

Aber es gibt noch weitere Paritätsklauseln, mit denen uns Buchungsportale knebeln. Mitunter müssen wir auf Buchungsplattformen wie Booking.com den Buchenden kostenlose Stornierungsmöglichkeiten bis am Abend um sechs Uhr des Anreisetags anbieten. Für uns Hoteliers ein schlechtes Geschäft. Die Buchungsplattformen wälzen mit solchem Vorgehen sämtliches Risiko auf uns ab.

Andreas Züllig, Präsident HotellerieSuisse

Andreas Züllig ist seit 1991 zusammen mit seiner Frau Claudia Gastgeber. Seit 1994 sind sie Eigentümer eines Hotels mit 75 Zimmer, 1'500 m2 Wellnessanlage und 400 Restraurantplätzen. Seit 2015 fungiert er als Präsident des Wirtschaft- und Arbeitgeberverbands HotellerieSuisse und ist im Vorstand von Economiesuisse und dem Schweizerischer Gewerbeverband tätig.

Kurzfristig canceln – dank Buchungsplattformen zum Leidwesen der Hoteliers möglich.

Kurzfristig canceln – dank Buchungsplattformen zum Leidwesen der Hoteliers möglich.

Unsplash, Markus Winkler

Stören Sie sich nicht eher an den hohen Kommissionen, als an den Paritätsklauseln?

Klar, die Kommissionen sind ein Thema. Ursprünglich arbeitete Booking.com mit sehr tiefen Kommissionen. Da stiegen viele Hoteliers ein, da sie die Vorteile des Buchungskanals erkannten. Heute liefert man als Hotel 15 - 20 Prozent Kommission bei Booking.com ab.

Der Quasi-Monopolist Booking.com

Über 70 Prozent Marktanteil verfügte Booking.com im Vorcoronajahr 2019. Laut der «Vertriebsstudie Schweizer Hotellerie» der Fachhochschule Wallis (HES-SO Valais-Wallis) liefert ein Schweizer Hotel im Durchschnitt jährlich 48’000 Franken Kommissionen an Buchungsplattformen ab.

Wieso verhandeln die Hotels nicht mit den Plattformen über die Bedingungen?

Diese Möglichkeit gibt es nicht. Umso höher das Buchungsvolumen eines Hotels bei einer Buchungsplattform ist, desto abhängiger wird es und desto mehr kann einem eine Buchungsplattform die Konditionen diktieren oder gar drohen, sie aus dem System rauszuwerfen.

Eine gefährliche Abhängigkeit

Laut der «Vertriebsstudie Schweizer Hotellerie» der Fachhochschule Wallis (HES-SO Valais-Wallis) generierten im Jahr 2019 (vor Corona) rund 43 Prozent der Hotels mehr als 30 Prozent aller Buchungen über Online-Buchungsplattformen. Bei jedem fünften Betrieb ist der Anteil sogar bei mehr als 50 Prozent.

Man stelle sich ein Stadthotel vor, das bis zu 50 Prozent der Buchungen über Buchungsplattformen generiert. Dieses Stadthotel befindet sich in einer hohen Abhängigkeit. Und da diktieren dann die Buchungsplattformen die Konditionen.

Gerade Stadthotels haben oft eine hohe Abhängigkeit von Buchungsplattformen.

Gerade Stadthotels haben oft eine hohe Abhängigkeit von Buchungsplattformen.

Basel.com

Hotels haben sich in eine zu grosse Abhängigkeit der Buchungsplattformen begeben?

Ja und genau das könnten wir teilweise ändern, indem wir auf den eigenen Webseiten tiefere Preise anbieten dürfen.

Als Kunde oder Kundin ist die Plattform Booking.com ein Gewinn. Man hat in kürzester Zeit einen Überblick über die Hotels einer Feriendestination und erhält jeweils den besten Preis. Die Lex Booking ist daher ein Rückschritt.

Nein, überhaupt nicht, denn aktuell fehlt der Wettbewerb. Es wäre doch wünschenswert für den Gast, wenn er direkt beim Hotel einen noch günstigeren Preis erhalten würde. Oder wenn man Zusatzdienstleistungen erhält, die via Booking.com nicht offeriert wird. Als Hotel müssen wir die hohe Kommission von Booking.com und anderen Buchungsplattformen auf den Zimmerpreis aufrechnen. Der Kunde würde also von besseren Konditionen profitieren, wenn der Wettbewerb wieder spielen würde.

Hotels möchten wieder die volle Souveränität, wenn es um ihre Konditionen geht.

Hotels möchten wieder die volle Souveränität, wenn es um ihre Konditionen geht.

Unsplash, Louis Hansel

Das sagt Booking.com auf Anfrage dazu:

«Für Unterkunftspartner, die sich dafür entscheiden, ihr Objekt auf Booking.com zu bewerben, übersetzt Booking.com den Inhalt des Objekts in 44 Sprachen weltweit, investiert Millionen, um im Namen des Objekts über verschiedene digitale und traditionelle Werbekanäle zu werben, und kümmert sich um den Kundenservice des Objekts in 44 Sprachen, neben anderen Dienstleistungen.

Als Gegenleistung für diese Dienstleistungen halten wir es für fair, dass Hotels auf Booking.com mindestens den gleichen Preis anbieten wie auf ihrer eigenen Website. Diese Preisgestaltung ist wichtig, damit wir unsere Dienstleistungen für Kunden und Partner weiterhin anbieten können.»

Finden Sie es denn richtig, dass ein Hotel von der Visibilität bei Booking profitiert, die Buchung danach aber direkt abwickelt? Das ist in etwa so, als würden Sie sich in einem Einkaufsladen beraten lassen, danach das Produkt aber günstiger anderswo kaufen.

Klar ist Booking.com ein wichtiger Kanal für die Hotellerie. Wir negieren das auch gar nicht. Buchungsplattformen bringen uns viele Gäste. Gerade solche, die eine Region und das dortige Hotelangebot schlecht kennen. Wenn ein Schweizer nach Asien reist, die Destinationen nicht kennt, profitiert er von dieser Übersicht, die Booking.com liefert. Aber ein Schweizer, der ein Hotel in der Schweiz bucht, benötigt das Angebot bereits weniger.

Das heisst, Sie zielen mit dem Verbot der Paritätsklauseln auf den heimischen Markt? Wir Schweizer sollen bei Hotelbuchungen in der Schweiz direkt beim Hotel buchen?

Richtig, der internationale Gast wird auch in Zukunft über Booking.com oder eine anderweitige Plattform buchen. Es ist aber inzwischen so, dass auch viele Schweizer Gäste, mitunter auch Stammgäste, über Booking.com buchen. Weil sie wissen, dass wenn sie online buchen, da jeweils den besten Preis erhalten. Dadurch fallen dann selbst bei einem wiederkehrenden Gast Kommissionen an, die wir an die Buchungsplattformen abliefern müssen. Deshalb wünschen wir uns, dass wir in Zukunft die Möglichkeit haben werden, online attraktivere Preise als die Buchungsplattformen anbieten zu können. So würden gerade Gäste, die uns bereits kennen, direkt bei uns buchen.

Speziell kleine Hotels profitieren von der Visibilität, die sie durch Buchungsplattformen erhalten.

Speziell kleine Hotels profitieren von der Visibilität, die sie durch Buchungsplattformen erhalten.

Unsplash, Patrick Robert Doyle

Sie bemängeln, dass Buchungsplattformen über Rankingherabstufungen Beherbergungsbetriebe bestrafen können. Buchungsplattformen sind jedoch gewinnorientierte Unternehmen, da machte es doch Sinn, dass sie die Partner bevorzugen möchten, die eng mit ihnen kooperieren.

Grundsätzlich kann Booking.com ihre besten Kunden bevorzugen. Das muss aber für den Konsumenten transparent sein. Wenn nun Booking.com ein Ranking macht, hat der Kunde das Gefühl, dass die Hotels, die weit oben stehen, die besten sind. Dabei stimmt das nicht. Zuoberst erscheint, wer die höchste Kommission bezahlt. Das ist dem Kunden gegenüber irreführend. Hier fordern wir mehr Transparenz.

Das heisst, alsbald die Preisparitätsklauseln verboten werden, sinken die Hotelpreise?

Für Kunden ist es immer ein Vorteil, wenn der Wettbewerb spielt. Ja, dann werden Hotels günstiger, denn sie können dadurch bessere Angebote machen, als die Buchungsplattformen.

Wer weniger Geld fürs Hotelzimmer ausgibt, kann es anderweitig ausgeben – hoffen wir, dass Hotels für uns Gäste bald günstiger werden.

Wer weniger Geld fürs Hotelzimmer ausgibt, kann es anderweitig ausgeben – hoffen wir, dass Hotels für uns Gäste bald günstiger werden.

Unsplash

Was erwarten Sie vom Bundesrat, wie soll es bei der Lex Booking weitergehen?

Er soll endlich vorwärts machen. Inzwischen sind Jahre ins Land gezogen, seit wir die Forderung stellten. Alle Länder um uns herum wie Deutschland, Österreich, Italien oder Frankreich haben diese Paritätsklauseln bereits verboten. Wir sind für Buchungsplattformen wie eine Insel.

Konkret: Ab wann werden Kunden davon profitieren?

Wir hoffen, dass das Geschäft in der Herbstsession beraten wird und auf den 1. Januar 2022 umgesetzt wird. Gerade auch wegen der aktuellen Situation, die wegen der Coronakrise schwierig ist. Denn die Buchungsplattformen werden diese knallhart ausnutzen. Die Notlage der Hotellerie, vor allem in den Städten, werden die Buchungsplattformen dazu nutzen, die Vertragskonditionen noch stärker zu verschärfen. Booking.com & Co. sind bereit und werden bestimmt auch wieder Gäste bringen, aber zu ihren Konditionen. Und durch die Krise gebeutelte Hotels werden da wenig Gegenwehr geben können.

Deine Meinung

61 Kommentare
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Hansiiii

27.02.2021, 20:40

Wenn man auf booking bucht und dann im Hotel merkt, dass die die Zimmer auch günstiger abgeben, würde ich sofort auch diesem Preis verlangen. Mit verschiedenen Preisen schaffen die Hotels nur unzufriedene Kunden, die sicher nicht mehr kommen....

Jurist007

27.02.2021, 16:38

Ich buche immer per Mail oder Telefon. Kriege ein Zimmer obwohl im Internet AUSGEBUCHT steht. Meisten ist das Frühstück gratis, mein Wunsch nach Balkon und Wanne gibt es zum Sonderpreis. Nie auf Booking gebucht. 50 bis 70 Buchungen im Jahr vor Corona

Man hat genug

27.02.2021, 14:53

wegen Impfzwang werde ich kein Hotel mehr buchen. Egal wie günstig es ist.