Trotz rechtlicher Bedenken - Wird die Impf-Frage bald Standard bei der Bewerbung?
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Trotz rechtlicher BedenkenWird die Impf-Frage bald Standard bei der Bewerbung?

Obwohl es juristisch heikel ist, fragen Firmen in der Schweiz beim Bewerbungsgespräch nach dem Impfstatus der Stellensuchenden. Gewerkschaften befürchten, dass das Schule machen könnte.

von
Noah Knüsel
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Je mehr Leute geimpft sind, desto relevanter wird die Frage nach dem Impfstatus im Job. Auch bei der Bewerbung kann sie eine Rolle spielen. (Symbolbild)

Je mehr Leute geimpft sind, desto relevanter wird die Frage nach dem Impfstatus im Job. Auch bei der Bewerbung kann sie eine Rolle spielen. (Symbolbild)

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In den Kantonen Zürich und Thurgau sind den Behörden mehrere Fälle bekannt, in denen Arbeitgeber Stellensuchende nach dem Impfstatus gefragt haben. Es dürfte «klar der Fall sein», dass solche Fragen in Zukunft öfter vorkommen, sagt Arbeitsrechtler Nicolas Facincani.

In den Kantonen Zürich und Thurgau sind den Behörden mehrere Fälle bekannt, in denen Arbeitgeber Stellensuchende nach dem Impfstatus gefragt haben. Es dürfte «klar der Fall sein», dass solche Fragen in Zukunft öfter vorkommen, sagt Arbeitsrechtler Nicolas Facincani.

20min/Michael Scherrer
Der Arbeitnehmer-Dachverband Travailsuisse befürchtet steigenden Druck auf Stellensuchende: «Gegen Herbst findet das Arbeitsleben wieder mehr in Innenräumen statt. Dann steigt auch das Interesse der Unternehmen, den Impfstatus von Bewerberinnen und Bewerbern zu erfahren», sagt Sprecherin Linda Rosenkranz.

Der Arbeitnehmer-Dachverband Travailsuisse befürchtet steigenden Druck auf Stellensuchende: «Gegen Herbst findet das Arbeitsleben wieder mehr in Innenräumen statt. Dann steigt auch das Interesse der Unternehmen, den Impfstatus von Bewerberinnen und Bewerbern zu erfahren», sagt Sprecherin Linda Rosenkranz.

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

  • Die Frage nach dem Impfstatus könnte bei Bewerbungen immer häufiger gestellt werden, befürchten Gewerkschaften.

  • Schon heute ist er ein Thema, etwa im Gastrobereich des Zürcher Hallenstadions.

  • Dort heisst es aber, Ungeimpfte würden genau gleich behandelt wie Geimpfte.

Mit der fortschreitenden Impfkampagne wird die Frage nach dem Corona-Impfstatus auch am Arbeitsplatz relevant: Chefinnen und Chefs wollen wissen, ob ihre Angestellten sich gegen Covid impfen lassen, obwohl das in den meisten Fällen unzulässig ist. Und auch bei der Bewerbung ist die Impf-Frage ein Thema: So sind den Behörden in Zürich und Thurgau mehrere Fälle bekannt, in denen Arbeitgeber Stellensuchende nach dem Impfstatus gefragt haben.

Es dürfte «klar der Fall sein», dass solche Fragen in Zukunft öfter vorkommen, sagt Arbeitsrechtler Nicolas Facincani. Der Arbeitnehmer-Dachverband Travailsuisse befürchtet, dass der Druck auf Stellensuchende steigen könnte, ihren Impfstatus preiszugeben: «Gegen Herbst findet das Arbeitsleben von Berufen ohne Homeoffice-Möglichkeit wieder mehr in Innenräumen statt. Dann steigt auch das Interesse der Unternehmen, den Impfstatus von Bewerberinnen und Bewerbern zu erfahren», sagt Sprecherin Linda Rosenkranz. Sie hält aber fest: «Stellensuchende müssen diesen grundsätzlich nicht angeben.»

«Das ist nicht in Ordnung»

Schon heute davon betroffen ist G.T. (Name bekannt). Sie hat vor der Pandemie in der Gastronomie des Hallenstadions gearbeitet. Da das Hallenstadion damit rechnet, bald wieder Events durchführen zu können, werden nun potenzielle Gastro-Mitarbeitende für die Anlässe nach ihrem Impfstatus gefragt. «Ich sehe das als eine Art Corona-Bewerbung an», sagt T.

Sie selbst möchte sich nicht impfen lassen: «Das ist aber meine persönliche Entscheidung und geht keinen Arbeitgeber etwas an.» T. befürchtet, nicht mehr für Events eingeteilt zu werden, wenn sie ihren Impfentscheid dem Hallenstadion mitteilt: «Ich rutsche dann wohl auf der Liste nach unten und werde nicht mehr berücksichtigt. Das fände ich nicht in Ordnung.» Für sie käme das einer Diskriminierung von Ungeimpften gleich.

Arbeitgeberverband winkt ab

Beim Hallenstadion heisst es, Ungeimpfte würden bei der Einsatzplanung genau gleich behandelt wie Geimpfte: «Wir grenzen niemanden aus, weil er oder sie sich nicht impfen lassen möchte», sagt Stefan Buri, Vizedirektor der Hallenstadion-Gastronomie. Es gehe vor allem um die Vorbereitung der Einsätze an kommenden Grossveranstaltungen: «Wenn wir die Hälfte der Mitarbeitenden testen müssen, müssen wir auch die entsprechende Infrastruktur aufbauen.» Denn für die Gastro-Angestellten gelte das Gleiche wie für Besucherinnen und Besucher, so Buri: «Voraussichtlich haben nur Geimpfte, Getestete und Genesene Zutritt.»

Und auch der Arbeitgeberverband glaubt nicht, dass Schweizer Unternehmen in Zukunft Bewerberinnen und Bewerber flächendeckend nach der Corona-Impfung fragen werden: «Jede Person kann frei entscheiden, ob sie sich impfen lassen will. Dessen sind sich auch die Arbeitgeber bewusst», sagt Sprecher Fredy Greuter. «Ich gehe nicht davon aus, dass sich der Bewerbungsprozess grundlegend ändert.»

Das gilt bei der Bewerbung

«Es dürfen nur Fragen gestellt werden, die in Zusammenhang mit der zu besetzenden Stelle stehen», sagt Arbeitsrechts-Experte Nicolas Facincani. «Man muss immer prüfen, ob die Impfung konkret für eine Stelle benötigt wird.» Fragen nach Krankheiten seien grundsätzlich unzulässig. Wie man auf eine unzulässige Frage reagieren soll, und wann man lügen darf, erläutert der Jurist im Interview.

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