Fall David Goodall: Wird die Schweiz zum Sterbebett der Welt?
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Fall David GoodallWird die Schweiz zum Sterbebett der Welt?

David Goodalls Reise zum Sterben in die Schweiz sorgt international für Schlagzeilen. Ein Image-Experte schätzt die Wirkung der liberalen Freitodbegleitung ein.

von
Nikolai Thelitz

David Goodall erklärt, warum er in der Schweiz sterben will. (Video: Tamedia)

Herr Renner, David Goodall ist ein berühmter Wissenschaftler, weltweit berichten Medien über seinen Wunsch, in der Schweiz zu sterben. Gibt es nun eine Welle von Australiern oder anderen Ausländern, die in der Schweiz ihr Lebensende suchen?

Das ist durchaus denkbar, denn Herr Goodall und seine Unterstützer haben ja erfolgreich für die entsprechende internationale Aufmerksamkeit und Medienpräsenz gesorgt, eine gezielte Kampagne. Ich bin bereits von Kollegen und Freunden aus Deutschland, den USA, Asien und Südafrika auf das Thema angesprochen worden. Dass die Medien und sozialen Netzwerke das so intensiv aufgreifen und die Themen aktive «Sterbehilfe» oder «Sterben in Würde» national und international so starken Widerhall finden, zeigt, wie sehr es die Menschen elektrisiert.

Was bedeutet so ein bekannter Fall für das Image der Schweiz? Werden wir zum Sterbebett der Welt?

Sterbebett der Welt ist mir zu negativ formuliert. Auch vor diesem spektakulären Fall war die Schweiz meiner Erfahrung nach schon bekannt für die liberale Haltung zur Sterbehilfe, diese kann man auch als einen Akt der Menschenwürde sehen. Die Schweiz ist meiner Beobachtung nach in vielen Bereichen deutlich weniger paternalistisch als andere Staaten, wie zum Beispiel Deutschland. Die Frage sollte erlaubt sein und diskutiert werden: Warum darf ich meinem Leben unter bestimmten Voraussetzungen kein Ende setzen, wenn ich es als nicht mehr lebenswert empfinde und damit auch niemand anderem Schaden zufüge? Die vergleichsweise liberale Handhabung des Themas in der Schweiz basiert ja nicht auf einem gezielten Marketing-Gag, um damit Aufmerksamkeit zu erregen, sondern auf der kollektiven Einstellung seiner Bürger gegenüber diesem Thema. Das finde ich sehr positiv und beispielgebend.

Wird die Schweiz dadurch also positiv oder negativ wahrgenommen?

Das dürfte sich in liberalen Gegenden der Welt vorwiegend positiv auswirken — auch wenn es für Strenggläubige aufgrund ihrer jeweiligen Religion durchaus negativ wirken kann. Die eidgenössischen Offiziellen wären sicherlich gut beraten, wenn sie die Sterbehilfe nicht aktiv «vermarkten», meines Wissens tun sie dies auch nicht. Das wäre sicherlich makaber. Dass aber einige Skrupellose im Sterbe-Tourismus ein Geschäftsmodell wittern, lässt sich sicherlich nicht ausschliessen. Wünschenswerter wäre es, wenn die Schweiz diesbezüglich Vorreiter für andere Länder sein könnte – und somit mittelfristig die Notwendigkeit zum «würdevollen Sterben im Ausland» gar nicht mehr besteht. Dann müsste auch Herr Goodall nicht um den Globus fliegen und könnte in seiner gewohnten Umgebung friedvoll Abschied nehmen.

Markus Renner ist Image-Experte. (Bild: ZVG)

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