Aktualisiert 11.06.2015 06:42

Sarden wollen verkaufen

Wird die Schweiz zur Großmacht?

Bayern, Baden-Württemberg, Sardinien, die Lombardei: So könnte die Schweiz als Großmacht aussehen.

von
sas
So könnte die Großmacht Schweiz aussehen.

So könnte die Großmacht Schweiz aussehen.

Die Schweizer sind eigentlich ganz zufrieden: Wohlstand, politische Stabilität, schöne Landschaften. Was fehlt, ist das Meer. Das wollen die zwei Italiener Andrea Caruso und Enrico Napoleone ändern, berichtet die «Handelszeitung».

Der Schweizer SVP-Politiker Dominique Baettig hatte bereits vor einigen Jahren vorgeschlagen, Bayern und Baden-Württemberg an die Schweiz anzuschließen.

Die beiden 51 Jahre alten Sarden kämpfen seit zwei Jahren dafür, dass sich die wirtschaftlich schwache Mittelmeerinsel Sardinien mit ihren rund 1,5 Millionen Einwohnern der stärkeren Schweiz anschließt. Ihre Facebook-Gruppe mit dem Namen «Canton Marittimo» hat über 13.500 Mitglieder. In ihre Idee haben die beiden Schulfreunde bereits mehr als 20.000 Euro investiert, berichtete kürzlich das«Wall Street Journal». Investiert wurde das Geld in Online-Auftritte und Werbeartikel wie T-Shirts und Pins.

«Sardinien ist nicht Italien», sagte Caruso laut dem Bericht. Die Sarden wollten Schweizer sein. In seinem normalen Leben ist Caruso Zahnarzt, sein Kollege Napoleone ist Autohändler. Zusammen wollen sie der Schweiz endlich Zugang zum Meer verschaffen. Ihr Deal für den zusätzlichen Kanton sieht allerdings vor, dass die Schweiz Geld bezahlt für den 27. Kanton.

Nicht die ersten Anschlusspläne italienischer Regionen

Mit dem Geld aus der Schweiz würden auf der Mittelmeerinsel touristische Projekte realisiert, wodurch die Attraktivität steigen sollte. Die Schweiz und Sardinien passen laut Napoleone ideal zusammen: «Was dem einen fehlt, hat der andere.» Kritische Stimmen monieren, hinter der Initiative stecke vor allem die Absicht, medienwirksame Öffentlichkeitsarbeit für Sardinien zu machen. Über sich selbst schreibt die Bewegung allerdings, das Projekt sei eine Idee, um dem in einer politischen und administrativen Krise gefangenen Italien zu entkommen. «Wir glauben, dass es mit Italien keine Zukunft gibt, weder für uns noch für unser Kinder.»

Dass sich italienische Gebiete der Schweiz anschließen wollen, kommt immer wieder vor. Im Veneto votierte 2014 bei einer Online-Umfrage eine Mehrheit für eine Abspaltung. Und auch im Südtirol denkt man regelmäßig über einen Anschluss an die Schweiz nach. So fand in der Stadt Bozen anlässlich des Global Forum Südtirol 2014 eine Veranstaltung mit dem Titel «Kanton Südtirol – Utopie oder Modell?» statt.

Die Flagge der Befürworter eines 27. Kantons.

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