Fragen und Antworten: Wird die Stromrechnung tiefer?
Aktualisiert

Fragen und AntwortenWird die Stromrechnung tiefer?

Der Strommarkt soll vollständig liberalisiert werden. Was ändert sich für die Kunden und weshalb wird der Markt überhaupt geöffnet? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

von
Fabian Lindegger
Energiepreise 2014 in Rappen pro Kilowattstunde. Die Berechnungen basieren auf dem Verbraucherprofil für einen Haushalt in einer 4-Zimmerwohnung mit Elektroherd und Elektroboiler (Quelle: Elcom).

Energiepreise 2014 in Rappen pro Kilowattstunde. Die Berechnungen basieren auf dem Verbraucherprofil für einen Haushalt in einer 4-Zimmerwohnung mit Elektroherd und Elektroboiler (Quelle: Elcom).

Was heute bereits für Grosskunden mit mehr als 100 Megawattstunden (MWh) Stromverbrauch möglich ist, soll künftig allen Konsumenten offenstehen: die freie Wahl des Anbieters, so will es der Bundesrat. 20 Minuten erklärt die wichtigsten Punkte zur Strommarktliberalisierung.

Was bedeutet die Liberalisierung für Privatkunden?

Ab 2018 gilt für alle die Wahlfreiheit. Wer in Basel wohnt, aber seinen Strom gern von einem Elektrizitätswerk im Wallis beziehen möchte, kann dies dann tun. Der Wechsel wird, wie bei der Krankenkasse, einmal pro Jahr möglich sein. Die Stromanbieter dürfen dabei die Wechselkosten nicht auf die Konsumenten überwälzen. Ein Wechsel ist aber nicht obligatorisch. Wer nicht wechselt, bleibt in einer abgesicherten Grundversorgung.

Wird der Strom mit der Öffnung des Markts billiger?

Das ist unklar. Heute gibt es teils grosse Unterschiede zwischen den verschiedenen lokalen Anbietern. Es wird aber erwartet, dass sich die Preise zwischen den Kantonen angleichen werden. Wie sich die Preise in einem liberalisierten Markt konkret entwickeln werden, ist laut Hannes Weigt, Assistenzprofessor für Energieökonomie an der Universität Basel, allerdings schwierig abzuschätzen. Denn: «Nur ein Teil des Preises, die Produktionskosten, wird tatsächlich liberalisiert.» Diese machen aber nur etwas mehr als einen Drittel des Strompreises für die Haushalte aus. Steuern, Abgaben und Netzkosten sind für den Rest der Elektrizitätskosten verantwortlich.

Wie viel können Konsumenten sparen?

Peter Lehmann, Präsident des Dachverbands Schweizer Verteilnetzbetreiber, schätzt das Sparpotential für die Haushalte als gering ein, da die Stromversorger heute schon gesetzlich verpflichtet seien, Vergünstigungen bei der Strombeschaffung an ihre festen Kunden weiterzugeben. Lehmann bezweifelt denn auch, dass nach der Liberalisierung die Kunden tatsächlich von ihrer Wahlfreiheit Gebrauch machen.

Was bedeutet die Liberalisierung für die Produzenten?

Die Produzenten werden künftig einem stärkeren Wettbewerb ausgesetzt sein. Denn auch wenn die Kunden nicht in grossen Zahlen ihre Anbieter wechseln werden, könne bereits die Wahlfreiheit einen Preisdruck verursachen, ist Hannes Weigt von der Uni Basel überzeugt. Gut möglich, dass auch der eine oder andere Stromversorger die Liberalisierung nicht überstehen wird: «Die Cleveren werden im Markt überleben», so Weigt. Die Grösse des Unternehmens dürfte dabei nicht entscheidend sein. Darin sind sich Weigt und Lehmann einig.

Warum wird der Strommarkt liberalisiert?

Bereits 2007 hat das Parlament entschieden, dass der Strommarkt geöffnet werden soll. Zuerst für Unternehmen mit einem Verbrauch von über 100'000 Kilowattstunden pro Jahr, in einem zweiten Schritt nun auch für alle übrigen Konsumenten. Die vollständige Liberalisierung ist Voraussetzung, um mit der EU künftig ein Stromabkommen abschliessen zu können. «Das ist der einzige Grund, warum der Bundesrat den Markt vollständig liberalisieren will», ist Lehmann überzeugt.

Ist der Entscheid definitiv?

Noch nicht. Bis zum 22. Januar 2015 läuft die Vernehmlassung. Anschliessend muss das Parlament über die Marktöffnung abstimmen. Stimmt das Parlament der Strommarktliberalisierung zu, kann gegen den Entscheid das Referendum ergriffen werden. SP, Grüne und Umweltverbände haben ein solches bereits angedroht.

Deine Meinung