Präsident Trump: Wird die US-Regierung zum Familienbetrieb?
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Präsident TrumpWird die US-Regierung zum Familienbetrieb?

Der neugewählte US-Präsident umgibt sich mit einem Team von Familienmitgliedern und Gleichgesinnten. Dennoch drohen Konflikte.

von
sut

Erste Ernennungen für Trumps Team vermögen viele Kritiker nicht zu beruhigen.

Donald Trump schätzt Loyalität über alles. Wie schon in seinem New Yorker Immobilienbusiness sucht sich der nächste US-Präsident eine Entourage aus Leuten aus, die ihn gut kennen und auf die er zählen kann. Dazu gehören seine Partner und Helfer im Wahlkampf, vor allem aber seine Familie.

In den 16-köpfigen Exekutivausschuss des vom künftigen Vizepräsidenten Mike Pence geleiteten Übergangsteams hat Trump drei seiner erwachsenen Kinder berufen: Sohn Donald junior (38), Tochter Ivanka (35) und Sohn Eric (32). Mit dabei ist auch Ivankas Mann Jared Kushner, den die «New York Times» als «stillen Fixer» im Umkreis Trumps bezeichnet.

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Die Familie umgibt und schützt Donald Trump in der Übergangsphase bis zum Amtsantritt als US-Präsident. Es posierten am 21. April 2016 von links: Tochter Tiffany, Sohn Donald Jr., Enkelin Kai, Gattin Melania, Trump, Enkel Donald III, Tochter Ivanka, Sohn Eric.

Die Familie umgibt und schützt Donald Trump in der Übergangsphase bis zum Amtsantritt als US-Präsident. Es posierten am 21. April 2016 von links: Tochter Tiffany, Sohn Donald Jr., Enkelin Kai, Gattin Melania, Trump, Enkel Donald III, Tochter Ivanka, Sohn Eric.

epa/Peter Foley
Die drei erwachsenen Kinder machen im Exekutivausschuss des Übergangsteams mit. Von links: Donald Jr., Donald J. Trump, Eric, Ivanka (26. Oktober 2016)

Die drei erwachsenen Kinder machen im Exekutivausschuss des Übergangsteams mit. Von links: Donald Jr., Donald J. Trump, Eric, Ivanka (26. Oktober 2016)

AP/Evan Vucci
Die Kinder können im Übergangsteam für Trump sprechen. Am 9. Oktober hörten sie Trump in einer TV-Debatte zu: (von links) Melania, Ivanka, Eric, Donald Jr.

Die Kinder können im Übergangsteam für Trump sprechen. Am 9. Oktober hörten sie Trump in einer TV-Debatte zu: (von links) Melania, Ivanka, Eric, Donald Jr.

AP/John Locher

Die vier Familienmitglieder sollen dabei helfen, das künftige Regierungsteam zusammenzustellen. Diese Aufgabe ist gewaltig: Neben 15 Kabinettsposten sind insgesamt über 4000 Jobs zu besetzen, von denen rund 1000 vom US-Senat bestätigt werden müssen. Für die Mammut-Aufgabe stehen nicht einmal drei Monate zur Verfügung.

Die Söhne, die Tochter und ihr Mann können Trump entlasten, weil sie ihn am besten kennen. Sie vermögen abzuschätzen, was dem Präsidenten wichtig ist und wie er auf allfällige Kandidaten reagiert, so dass er nicht jede Entscheidung selbst treffen muss.

Am Unternehmen beteiligt

Die drei ältesten Trump-Kinder arbeiten seit Jahren in der Trump Organization mit. Sie tragen den Titel Executive Vice President und sind für unterschiedliche Felder des Immobilienkonzerns zuständig. Ivanka zum Beispiel ist auf das Management von Hotels und Wohngebäuden spezialisiert.

Dass die drei Kinder nach dem 20. Januar offizielle Ämter in der Trump-Regierung besetzen, ist unwahrscheinlich. Eher werden sie die Leitung des väterlichen Unternehmen voll übernehmen, da der Präsident nicht noch nebenbei ein CEO sein kann.

Kein Rückzug der Familie

Diese Struktur könnte zu Interessenkonflikten führen. Gleichwohl sei nicht anzunehmen, dass die Trump-Kinder das Familienunternehmen einem «blinden Trust» übergeben und sich daraus zurückziehen würden, glaubt New Yorks Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani. Falls Donald Trump eine solche Lösung durchsetzen wollte, «würde er die Kinder arbeitslos machen», sagte der Trump-Intimus am Sonntag in einem Fernsehinterview.

Von den wichtigen Spitzenposten der kommenden Regierung hat Trump bisher zwei besetzt. Zum Stabschef machte er am Sonntag Reince Priebus, den republikanischen Parteivorsitzenden. Und den CEO seiner Wahlkampagne, Stephen Bannon, ernannte er zum «Hauptstrategen und Top-Berater».

Justiz- oder Aussenminister Giuliani?

Die weiteren Kabinetts- und Beraterposten sind noch offen. Spekulationen zufolge kommen auch hier bekannte Namen in Frage. So könnte Rudy Giuliani der Justizminister werden. Verschiedene Stimmen sehen den New Yorker Ex-Bürgermeister auch als möglichen Aussenminister. Für diesen Posten wird aber auch Newt Gingrich gehandelt, der Vorsitzende des Repräsentantenhauses unter Präsident Bill Clinton.

Für Trumps Ex-Rivalen Ben Carson könnte die Aufgabe des Landes-Arztes oder Gesundheitsministers vorgesehen sein. Und Pentagon-Chef könnten der Ex-General Michael Flynn oder die eben abgewählte Senatorin Kelly Ayotte aus New Hampshire werden. Die nächsten Ernennungen werden für die kommenden Tagen erwartet.

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