«Time-out»: Vor den Playoffs: Wird Doug Shedden zum Naturereignis?
Aktualisiert

«Time-out»: Vor den PlayoffsWird Doug Shedden zum Naturereignis?

Zugs Offensivspiel tritt gegen Servettes starkes Defensivsystem an. EVZ-Coach Doug Shedden will als Roboter funktionieren – doch schafft er das?

von
Klaus Zaugg
Zug gegen Servette: Das Duell zwischen dem 4. und 5. der Qualifikation.

Zug gegen Servette: Das Duell zwischen dem 4. und 5. der Qualifikation.

Im letzten Frühjahr war Chris McSorley im Halbfinale der schlauere Bandengeneral und eliminierte Doug Sheddens Zug 4:2. Die Innerschweizer waren der perfekte Gegner: Ihre offensive Feuerkraft war auf die Angriffsreihe von Josh Holden konzentriert und es fiel McSorley leicht, die Linie um Zugs Topskorer auszucoachen.

Diese Taktik kann diesmal nicht funktionieren: Leitwolf Josh Holden ist nicht mehr isoliert wie einst Noldi Winkelried in Sempach. Zugs Angriffe rollen nun regelmässig in zwei Wellen heran und mit Fabian Sutter ist sogar die dritte Linie dazu in der Lage, hin und wieder ein Tor zu erzielen. Mit Glen Metropolit (1.), Josh Holden (3.) und Damien Brunner (8.) stehen drei Zuger in den Top Ten der Liga-Skorerliste.

Déruns-Verkauf als Zünglein an der Waage?

Servette ist hingegen schwächer geworden. Chris McSorley hat Thomas Déruns für rund 600 000 Franken Ablöse aus einem laufenden Vertrag heraus zum SC Bern transferiert. Hat er damit auch gleich die Halbfinalqualifikation verkauft? Durchaus möglich. Zum Zeitpunkt des Deals schien es noch so, als könne auf die Feuerkraft des Stürmers verzichtet werden (9 Tore in dieser Saison). Aber nun fällt mit Dan Fritsche der beste Torschütze (15 Treffer) mit einer gebrochenen Hand aus. Damit wird aus Servettes Sturm – ohnehin der schwächste aller Playoff-Teams (129 Treffer, Zug 176!) – ein laues Lüftchen.

Servettes Defensive als Knackpunkt

Die taktische Ausgangslage ist damit klar: Erneut muss Servettes Cheftrainer Mittel und Wege finden, Zugs offensive Freibeuter zu stoppen. Das «System McSorley», das in Genf seit 2001 gelehrt wird, ist eines der besten Defensiv-Systeme ausserhalb der NHL. Der Vorteil dieser Philosophie: Das Team kann mehrheitlich aus günstigen Defensivsoldaten zusammengestellt werden. Die Maschinisten der Abwehr sind billiger als die Ingenieure der Offensive. Aber nach dem Verkauf von Déruns und dem Ausfall von Fritsche ist das heikle Gleichgewicht zwischen Angriff und Verteidigung gestört.

Das ist eine gute Nachricht für Zugs Torhüter Jussi Markkanen. Er hat etwas gutzumachen: Er war vor einem Jahr im Halbfinale gegen Servette ein Lottergoalie und einer der Väter des Scheiterns. Nun bekommt er unter erleichterten Verhältnissen die Möglichkeit zur Rehabilitation.

Nervenstärke ist gefragt – auch bei Doug Shedden

Doch am Ende des Tages könnte noch etwas anderes entscheiden: Wer verliert zuerst die Nerven? Der Stier passt als Symbol zum ungestümen Offensivdrang und zur Dynamik, aber auch zur Unberechenbarkeit und Reizbarkeit im Wesen und Wirken der Zuger und zum Temperament des Cheftrainers. Doug Shedden sagt, er werde seine Nerven im Zaume halten und wie ein Roboter an der Bande stehen. So wie es die Liga wünsche.

Das ist vielleicht gut, aber vielleicht auch nicht: Roboter sind in der Tat berechenbar. Aber nicht flexibel. Um Servettes «Maginot-Linie» zu knacken (die Maginot-Linie war einst das berühmteste Festungswerk der Welt) ist Flexibilität im Coaching, das rasche Umgruppieren der Linien noch während des Spiels, ein wichtiger Faktor. Sonst dominiert «Verteidigungsminister» Chris McSorley mit seinem Coaching Ebbe und Flut des Spiels.

Durchaus denkbar, dass diese Serie zum Naturereignis wird: Wenn sich der Fluss des Zuger Angriffsspiels vor Servettes Abwehrmauern stauen sollte, dann treten die Emotionen über die Ufer und der Vulkan Doug Shedden bricht mit Donnerhall aus.

Mein Tipp: Zug - Servette 4:2

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