Insekten-Menü: Wird Dschungel-Essen bald Fastfood?
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Insekten-MenüWird Dschungel-Essen bald Fastfood?

Geht es nach einem holländischen Forscher, sind Insekten schon bald in aller Munde. Seine Mission: der westlichen Welt das Essen so richtig madig zu machen.

von
rre

Augen zu, Mund auf! Glaubt man den Zukunftsvisionen des Entomologen Marcel Dicke, wird das medienwirksame Verzehren von Insekten schon bald an Sensationswirkung verlieren. Anders als die nach Aufmerksamkeit dürstenden C-Promis im RTL-Dschungelcamp weiss der niederländische Insektenforscher die Vorteile einer auf krabbelnder Kost basierenden Nahrung geschmacklich längst zu schätzen. Auch bei den rund 200 insektenvertilgenden Studenten und Arbeitskollegen an der Wageningen Universität ist es durchaus erwünscht, wenn im einen oder anderen Menü buchstäblich der Wurm drin ist.

Die Studentin Walinka van Tol gehört auch dazu. Sie beisst in eine Praline und betrachtet anschliessend einen Wurm, der aus der zerteilten Süssigkeit zwischen ihren Fingern heraushängt. Ein kurzes Schulterzucken, dann schiebt sich die 20-Jährige den Rest der Wurm-Schokolade in den Mund. «Mhhhh, fein», murmelt sie kauend, «schmeckt irgendwie nussig.» Genau wie ihre Kommilitonen hat auch sie den Auftrag, unterschiedlichste Insekten-Gerichte auf ihre «Alltagstauglichkeit» zu testen.

Der Bug Mac – eine gute Alternative?

Für den an der Wageningen Universität lehrenden Wissenschaftler Arnold van Huis liegt der Nutzen zur Integration von Grashüpfern, Maden und Käfern in unseren Speiseplan auf der Hand: «Der Tag wird kommen, an dem ein Big Mac 150 Franken und ein Bug Mac (ein Käferburger) nur 15 Franken kosten wird», ist van Huis überzeugt.

Dass sich das Essen von Insekten in der westlichen Hemisphäre - ganz im Gegensatz zu fernöstlichen Ländern - noch nicht durchsetzen konnte, führt Dicke auf unsere Kultur zurück: «Insekten werden bei uns vielfach mit Hygienemängeln in Verbindung gebracht - das hat abschreckende Wirkung», meint er. Dabei wäre es wichtig, dieses für ihn falsche Ekelempfinden schnellstens über Bord zu werfen. Schon im Jahre 2050 würden rund neun Milliarden Menschen auf der Welt leben. Ohne eine drastische Reduktion des Fleischkonsums und der Öffnung gegenüber anderen Alternativen - zum Beispiel gegenüber dem Verzehr von Insekten - könne die herkömmliche Landwirtschaft mit der Nachfrage nicht mehr mithalten. Zumal sei hinreichend bekannt, dass die Massentierhaltung nicht nur den Tieren selbst schade, sondern in letzter Konsequenz auch dem Menschen: Die für die Fleischindustrie benötigten Ressourcen wie beispielsweise Wasser und Getreide stünden in keinerlei Verhältnis zu den produzierten Fleischmengen. Nicht zuletzt sind die entweichenden Darmgase der Nutztiere an der Entstehung von CO2 und somit an der Klimaerwärmung beteiligt.

So klein und doch so ergiebig!

Wer also künftig nicht auf fleischliche Kost verzichten will, könnte sich mit dem Verzehr von ganz kleinen Tierchen anfreunden. Viele Insekten sind reich an Proteinen, fettarm und lassen sich effizient heranzüchten und halten. Und sie sind äusserst ergiebig: Dicke zufolge liessen sich durch die Verfütterung von zehn Kilogramm Insektennahrung satte sechs bis acht Kilogramm «Insekten-Fleisch» gewinnen. In der herkömmlichen Fleischindustrie gewinne man mit derselben Verfütterungsmenge höchstens ein Kilogramm Fleisch - Wasser und andere Ressourcen nicht mit eingerechnet.

Um den Maden-Burger der Zukunft mundgerecht und ansprechend zu gestalten, bedarf es noch viel (Überzeugungs-)Arbeit. «Wir wollen herausfinden, ob wir die Konsistenz von Insekten-Fleisch so gestalten können, dass es sich mit herkömmlichem Fleisch vergleichen lässt», sagt Marian Peters, Mitarbeiterin einer holländischen Insektenzucht-Organisation im Gespräch mit «Discovery News». Mit dem Soja-Burger habe das ja schliesslich auch funktioniert.

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