Biersteuer : Wird ein Grosses bald 13 Rappen billiger?
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Biersteuer Wird ein Grosses bald 13 Rappen billiger?

Die SVP fordert die Abschaffung der Biersteuer. Davon könnten Bierbrauer und Konsumenten profitieren – doch es gibt warnende Stimmen.

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daw/sil
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Zum Wohl: Die Biersteuer soll nach dem Willen der SVP fallen.

Zum Wohl: Die Biersteuer soll nach dem Willen der SVP fallen.

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SVP-Nationalrat Claudio Zanetti sagt: «Die Steuer ist total ungerecht. Nur das Bier wird so besteuert, der Wein oder der Süssmost nicht.»

SVP-Nationalrat Claudio Zanetti sagt: «Die Steuer ist total ungerecht. Nur das Bier wird so besteuert, der Wein oder der Süssmost nicht.»

Keystone/Lukas Lehmann
Bea Heim spricht sich gegen die Abschaffung der Biersteuer aus: «Bereits heute kann man sich doch für wenige Franken betrinken.»

Bea Heim spricht sich gegen die Abschaffung der Biersteuer aus: «Bereits heute kann man sich doch für wenige Franken betrinken.»

Keystone/Gaetan Bally

Der Bierkonsum lässt die Bundeskasse klingeln: Rund 25 Franken werden pro 100 Liter Bier fällig, die hierzulande hergestellt oder in die Schweiz eingeführt werden. Dem Bund flossen 2016 so 112,6 Millionen Franken zu. Von einem Rabatt profitieren einzig kleine Brauereien.

Geht es nach dem Willen der SVP, soll die Steuer auf dem kühlen Blonden nun fallen. Die Fraktion fordert mittels einer parlamentarischen Initiative, dass der Bund die «diskriminierende Biersteuer nicht mehr erhebt».

«Auch die Konsumenten könnten profitieren»

SVP-Nationalrat Claudio Zanetti sagt: «Die Steuer ist total ungerecht. Nur das Bier wird so besteuert, der Wein oder der Süssmost nicht.» Falle die Biersteuer weg, werde die «hochsympathische Branche der Brauereien entlastet». So hätten die über 2000 Brauereien in der Schweiz mehr Mittel für Innovationen.

Auch für den Brauerei-Verband wäre ein Ende der Biersteuer ein Grund, anzustossen: «Die 25,32 Franken pro Hektoliter Bier sind im internationalen Vergleich hoch», sagt Direktor Marcel Kreber. Falle die Abgabe weg, könnten auch die Konsumenten profitieren. «Ein halber Liter Bier wird derzeit mit knapp 13 Rappen besteuert.»

Die Biersteuer sei ein alter Zopf, der laut Kreber auch historisch begründet ist. Tatsächlich wurde die Besteuerung von Wein in den 30er-Jahren nach kurzer Zeit wieder aufgehoben – wegen des Widerstands der Weinbauern.

«Bereits heute kann man sich für wenige Franken betrinken»

Für eine Bier-Idee hält SP-Nationalrätin Bea Heim den Vorstoss: Ausländische Grossbrauereien könnten ihr Bier noch günstiger verkaufen als heute. Billigeres Bier sei aber ein Problem: «Je günstiger das Bier verkauft wird, umso mehr wird konsumiert.» Man habe bei anderen alkoholischen Getränken gesehen, dass bei tieferen Preisen mehr Personen mehr konsumieren, «respektive häufiger über den Durst trinken». Heim: «Bereits heute kann man sich doch für wenige Franken betrinken.»

Ins gleiche Horn stösst Mike Neeser vom Blauen Kreuz: «Schon jetzt kann man einen halben Liter Bier für 45 Rappen kaufen. Man kann sich dann noch günstiger in den Rausch trinken.» Es gebe einen direkten Zusammenhang zwischen dem Preis und dem Konsum.

Wer profitiert?

Laut der Eidgenössischen Zollverwaltung sind die Auswirkungen einer Abschaffung der Steuer auf den Preis unklar: «Ein halber Liter Bier würde rund 13 Rappen günstiger, sofern die Marktteilnehmer auch die Preise anpassen und nicht einfach die Marge erhöhen würden», schreibt eine Sprecherin auf Anfrage.

Brauerei-Verband-Direktor Kreber glaubt ohnehin nicht, dass ein tieferer Preis den Bierkonsum ankurbeln würde. «In der Schweiz wird so wenig Alkohol getrunken wie seit 70 Jahren nicht mehr. Aber aus liberaler Sicht ist die Steuer überflüssig. Sie ist nicht zweckgebunden und fliesst direkt in die Bundeskasse.»

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