Aktualisiert 09.08.2011 09:16

SchuldenkriseWird Frankreich das nächste Sorgenkind?

Erst Griechenland. Dann Irland, Portugal und Spanien. Jetzt Italien. Und demnächst Frankreich? Es spricht einiges dafür, dass die Grande Nation bald herabgestuft wird.

Den Investoren kommen Zweifel auf, ob Frankreich weiter ein «sicherer Hafen» für Geldanlagen ist.

Den Investoren kommen Zweifel auf, ob Frankreich weiter ein «sicherer Hafen» für Geldanlagen ist.

Die Grande Nation könnte wegen ihrer Schulden bald ins Fadenkreuz der Finanzmärkte geraten und zum neuen Sorgenkind der Euro-Zone werden. Frankreich könnte nach den USA der Rauswurf aus dem Elite-Klub der Länder mit der höchsten Bonitätsrate AAA drohen. Für den im kommenden Jahr um seine Wiederwahl kämpfenden Präsidenten Nicolas Sarkozy käme die Herabstufung einer Katastrophe gleich.

In der Euro-Zone tragen ausser Frankreich nur Deutschland, Österreich, die Niederlande, Finnland und Luxemburg das Ehrenzeichen AAA. In der Kette der als ausgezeichnete Schuldner eingestuften Länder gilt Frankreich aber als schwächstes Glied. Das ist auch den Finanzmärkten nicht entgangen.

Warnsignale

So stieg noch vor dem Euro-Krisengipfel zu Griechenland im Juli die Rendite für französische Staatsanleihen innerhalb von Wochen auf mehr als das Doppelte. Das ist ein Hinweis darauf, dass den Investoren Zweifel daran gekommen sind, ob Frankreich weiter ein «sicherer Hafen» für Geldanlagen ist.

Die drei grossen Rating-Agenturen haben Frankreichs Bonitätsnoten in den vergangenen Monaten zwar bestätigt. Die Agentur Standard & Poor's warnte die zweitgrösste Volkswirtschaft der Euro-Zone aber jüngst, dass das Spitzenrating bei mangelndem Reformeifer langfristig in Gefahr geraten könnte.

S&P riet der Regierung in Paris, den Rotstift insbesondere im Gesundheitswesen und im Rentensektor anzusetzen. Sarkozy hat bereits im vorigen Jahr eine unpopuläre Rentenreform eingeleitet.

Angelehnt an das deutsche Modell der Schuldenbremse soll in der französischen Verfassung zudem ein Passus eingefügt werden, der künftige Regierungen zur Festlegung von Zielen für ein ausgeglichenes Budget verpflichtet.

Wichtig für Euro-Rettungsfonds

An den Märkten wird aber davon ausgegangen, dass die USA nicht das einzige Land bleiben werden, dem die Bestnote entzogen wird. «Es ist kaum vorstellbar, dass S&P nicht auch noch mindestens ein weiteres Mitglied des immer kleiner werdenden Klubs von Ländern mit AAA-Rating herabstuft», sagt Pimco-Chef Mohamed El-Erian.

«Wenn das beispielsweise einen Staat wie Frankreich trifft, dann droht das die ohnehin fragilen europäischen Bemühungen noch schwieriger zu machen.» Der Mann hat recht - schliesslich gehört das EU-Gründungsmitglied Frankreich zu den Staaten, die für das Funktionieren des Euro-Rettungsfonds EFSF einstehen.

Unter den Euro-Ländern mit AAA-Rating ist Frankreich das mit dem höchsten Defizit, den meisten Schulden und dem höchstem Primärdefizit, dem Defizit vor Schuldendiensten. Die Regierung geht davon aus, dass die öffentliche Verschuldung bis zum kommenden Jahr 86,9 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) erreichen wird, bevor die Kehrtwende zu schaffen ist.

Auf Sparkurs

Ministerpräsident François Fillon gab jüngst zu bedenken, dass das neue griechische Sparpaket die Schuldenquote noch weiter in die Höhe treiben könnte.

Frankreich ist aber entschlossen, sein Haushaltsdefizit von geschätzten 5,7 Prozent des BIPs in diesem Jahr auf 4,6 Prozent im kommenden Jahr zu senken. 2013 soll dann das von der EU vorgegebene Ziel von drei Prozent erreicht werden. Derzeit gehen viele Ökonomen davon aus, dass es Frankreich 2012 gelingen wird, sein Ziel für das Jahr zu übertreffen.

(sda)

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