Iryna Wenediktowa: Wird geschasste Generalstaatsanwältin Botschafterin in der Schweiz?

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Iryna WenediktowaWird geschasste Generalstaatsanwältin Botschafterin in der Schweiz?

Präsident Wolodimir Selenski hat Generalstaatsanwältin Irina Wenediktowa entlassen. Nun ist die 43-Jährige eine mögliche Kandidatin für den Posten der Botschafterin der Ukraine in der Schweiz.

von
Karin Leuthold
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Kommt Iryna Wenediktowa bald als Botschafterin der Ukraine nach Bern?

Kommt Iryna Wenediktowa bald als Botschafterin der Ukraine nach Bern?

Facebook/VenediktovaIryna
Die Generalstaatsanwältin wurde am 17. Juli von Präsident Wolodimir Selenski entlassen.

Die Generalstaatsanwältin wurde am 17. Juli von Präsident Wolodimir Selenski entlassen.

Facebook/VenediktovaIryna
Einen Tag später berichteten ukrainische Medien, dass Wenediktowa für den Posten der Botschafterin der Ukraine in der Schweiz in Betracht gezogen wird.

Einen Tag später berichteten ukrainische Medien, dass Wenediktowa für den Posten der Botschafterin der Ukraine in der Schweiz in Betracht gezogen wird.

Facebook/VenediktovaIryna

Darum gehts

  • Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski entliess am Sonntag die Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa.

  • Nun schreiben ukrainische Medien, Wenediktowa werde zur Botschafterin in Bern ernannt. 

  • Selenski soll die Juristin wegen unbefriedigender Arbeitsergebnisse entlassen haben.

Verdacht von Landesverrat und Kollaboration mit Russland: Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hat vor wenigen Tagen die Entlassung von Dutzenden ranghohen Beamten des ukrainischen Justiz- und Sicherheitsapparats angekündigt – darunter die Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa. Künftig arbeitslos soll die im ostukrainischen Charkiw geborene Juristin aber nicht sein: Laut ukrainischen Medien wird die 43-Jährige für den Posten der Botschafterin der Ukraine in der Schweiz in Betracht gezogen.

Die offizielle Ankündigung machte am Montag der Vorsitzende der Parlamentsfraktion der Partei Sluha narodu (übersetzt «Diener des Volkes»), David Arakhamia. Präsident Selenski gehört dieser Partei an. «Wir erwarten ihre neue Aufgabe an der diplomatischen Front in ein paar Tagen oder vielleicht in einer Woche. Ihre Erfahrung wird dem Staat an einer neuen Stelle zugutekommen, die mit professionellen Managern und Juristen verstärkt werden muss», sagte Arakhamia dem ukrainischen Nachrichtenportal «Babel» zufolge. Wie der Parlamentarier weiter erklärte, bleibt die ehemalige Generalstaatsanwältin Mitglied der Sluha narodu-Partei.

«Wenige Beschwerden» gegen Wenediktowa

Kurz danach meldete der Abgeordnete Oleksi Goncharenko, dass Wenediktowa als Botschafterin nach Bern geschickt werde. Sie würde den jetzigen Botschafter Artem Rybchenko ablösen, der seit 2018 in der Schweiz ist.

Auf Twitter erklärte Goncharenko, dass es «wenige Beschwerden» über Wenediktowa gebe. «Höchstwahrscheinlich wurde sie wegen der Ernennung eines neuen Leiters der spezialisierten Antikorruptionsstaatsanwaltschaft abgesetzt. Ihre Entlassung hat nichts mit dem russischen Angriff zu tun.»

Iryna Wenediktowa ist eine langjährige Weggefährtin von Präsident Selenski. 2018 wurde sie zu seiner Rechtsberaterin. Wenediktowa, die als erste Frau im Amt der Generalstaatsanwaltschaft war, wurde international für ihren unermüdlichen Einsatz gelobt, Beweise gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin, andere Regierungsvertreter und Militärkommandeure wegen der Zerstörung ukrainischer Städte und der Tötung von Zivilisten zu sammeln.

Während ihrer Amtszeit leitete die frühere Jura-Professorin Tausende strafrechtliche Ermittlungsverfahren ein und identifizierte Hunderte von Verdächtigen. Sie befragte Opfer und koordinierte die Anstrengungen zugleich mit ausländischen Geldgebern und Amtsträgern. Sie war im Jahr 2020 angetreten, um gegen Ineffizienz und Korruption vorzugehen. Für den Polit-Analyst Wolodimir Fessenko von der Denkfabrik Penta Center ist es möglich, dass die westlichen Verbündeten der Ukraine Präsident Selenski auf die unzureichende Leistung der Generalstaatsanwaltschaft hingewiesen hätten.

Beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA will man sich auf Anfrage zu Wenediktowas Ernennung zur Botschafterin nicht äussern und verweist auf die ukrainischen Behörden in Bern. Seitens der Botschaft der Ukraine in der Schweiz ist eine Stellungnahme noch ausstehend.

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