Nach der Megafusion: Wird «Glenstrata» der bessere Rohstoffkonzern?

Aktualisiert

Nach der MegafusionWird «Glenstrata» der bessere Rohstoffkonzern?

Die Fusion zwischen Rohstoff-Gigant Glencore und Minenkonzern Xstrata ist beschlossene Sache. Zum Mega-Deal auf Schweizer Boden stellen sich aber noch ein paar Fragen.

von
Sabina Sturzenegger

Wann wird die Fusion Tatsache?

Die Aktionäre von Glencore und Xstrata haben am Dienstag der Fusion zugestimmt. Bereits am Donnerstag kann die EU-Kommission – die Wettbewerbsbehörde der Europäischen Union – entscheiden, ob die Fusion rechtmässig ist. Wettbewerbsrechtler wie auch Analysten gehen davon aus, dass dem Deal unter gewissen Voraussetzungen zugestimmt wird.

Was ist der Vorteil der Fusion?

In der Rohstoffbranche gilt: Je grösser der Konzern, desto erfolgreicher. Der neue Konzern mit dem Namen «Glencore Xstrata plc» wird breit aufgestellt und diversifiziert sein. «Dadurch hat er auch eine grössere Preismacht», sagt Analyst Daniel Benz von der ZKB. Bei der Förderung und im Handel von Kraftwerkskohle, Zink und Chrom wird er die weltweite Nummer eins. Gemeinsam können die beiden Unternehmen rund 700 Millionen Dollar Kosten einsparen.

Ist die Fusion auch besser für die Umwelt?

Auch hier könnte Glencore von Xstrata imagemässig profitieren: Der kleinere Fusions-Partner verfüge «immerhin über Personal, das von einem Nachhaltigkeitsbericht etwas versteht», sagt Andreas Missbach von der globalisierungskritischen Organisation Erklärung von Bern (EvB). Bei Glencore hingegen sei der Nachhaltigkeitsbericht bis anhin eine «Lachnummer» gewesen.

Was bedeutet die Fusion für die Minenarbeiter?

Xstrata gilt als weniger aggressiv und rücksichtslos als Glencore im Umgang mit der lokalen Bevölkerung. Die Bilanz der Todesfälle könnte sich verbessern – wenn auch nur leicht. Laut EvB kamen zwischen 2008 und 2011 in Relation zum Umsatz bei Xstrata zwar doppelt so viele Mitarbeitende ums Leben wie etwa beim Konkurrenten BHP Billiton. «Bei Glencore waren es allerdings sage und schreibe 16 mal mehr», schreibt die EvB. ZKB-Analyst Benz sagt: «Durch die Fusion wird der Anteil an heiklen Ländern im Portfolio von Glencore reduziert.»

Wird der Mega-Konzern transparenter?

Da muss man sich keine Illusionen machen. «Hinsichtlich Transparenz dürfte sich auch in der neuen Struktur nichts Wesentliches ändern», sagt Benz. Für Missbach ist der Fall auch klar: «Eine Transformation hin zu mehr Transparenz im neuen Unternehmen wäre eine Überraschung.» Nur schon die Tatsache, dass Glencore-Chef Ivan Glasenberg künftig das Ruder übernehme, zeige, dass sich die Kultur der Verschwiegenheit im fusionierte Haus durchsetzen werde.

Was bedeutet die Fusion für die Schweiz?

«Die Schweiz wird den gleichen Reputationsschaden erleiden wie bei der Steuerhinterziehung», fürchtet Andreas Missbach. Während die EU und die USA ihre Regeln verschärften, und die Rohstoffkonzerne verpflichteten, ihre Zahlungen an Länder offenzulegen, bleibe die Schweiz untätig. Zudem würden die Regelungen die Zahlungen im Rohstoffhandel nicht abdecken. Unser Land stehe aber als globale Drehscheibe in grosser Verantwortung, schreibt die EvB.

Wer kann den Fusions-Entscheid noch stoppen?

Die EU-Kommission. Gemäss Wettbewerbsrechtlern gibt es für den Entscheid am Donnerstag drei Szenarien: In Szenario 1 entscheidet die EU-Kommission, den Deal ohne Einschränkung abzusegnen. In Szenario 2 stimmt die EU-Behörde dem Deal nur unter Bedingungen zu. In Szenario 3 untersagt die EU den Deal vorerst. In einer zweiten Phase prüft sie die Fusion vertieft, die Parteien können neue Zugeständnisse machen.

Welches ist das wahrscheinlichste Szenario?

Szenario 2: Glencore hat bereits angekündigt, Verträge im europäischen Zinkmarkt zu kündigen sowie eine deutsche Zinkschmelze abzustossen. Das sind Hinweise darauf, dass die EU diese Zugeständnisse verlangt. Szenario 1 gilt laut dem Experten als unwahrscheinlich, Szenario 3 sei aber immer noch möglich.

Was sagt die Wettbewerbskommission in der Schweiz (Weko) dazu?

Es ist nicht sicher, dass die Weko die Fusion durchleuchten wird. Eine Prüfung gibt es nur dann, wenn beide Fusionspartner in der Schweiz jeweils einen Umsatz von mindestens 100 Millionen Franken erzielen. Glencore und Xstrata haben zwar ihre Sitze in Baar und Zug, den grössten Teil ihrer Umsätze erzielen sie jedoch im Ausland.

Gibt es andere Behörden, die den Deal stoppen können?

Es gibt Verfahren in China und Südafrika. Grundsätzlich müssen die Wettbewerbsbehörden aller Länder, in denen die beiden Unternehmen tätig sind, zustimmen. Laut dem Wettbewerbs-Experten haben diese Behörden sich aber bereits abgesprochen; ein widersprüchliches Urteil zur EU aus einem anderen Land ist unwahrscheinlich.

Deine Meinung