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TransplantationsgesetzWird in der Schweiz bald jeder automatisch zum Organspender?

Viele Menschen in der Schweiz warten auf ein passendes Organ, weil die Organspende nicht klar geregelt ist. Das Parlament will das nun ändern: Wer seine Organe nicht spenden möchte, sollte das explizit festhalten.

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Der Bundesrat will mit einem neuen Transplantationsgesetz erreichen: Wer nach dem Tod seine Organe nicht spenden möchte, soll das künftig explizit festhalten müssen. Falls die Angehörigen der Organspende nicht widersprechen, werden diese entnommen.

Der Bundesrat will mit einem neuen Transplantationsgesetz erreichen: Wer nach dem Tod seine Organe nicht spenden möchte, soll das künftig explizit festhalten müssen. Falls die Angehörigen der Organspende nicht widersprechen, werden diese entnommen.

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Wer eine Transplantation benötigt, soll weniger lang auf ein Organ warten müssen. Das will das Schweizer Parlament. Aktuell dürfen Organe ohne Einwilligung der Betroffenen nicht entnommen werden. Viele Menschen, die krank sind, erhalten darum kein passendes Organ. Auch Laura Wunderlin (21) aus dem Kanton Aargau wartete neun Monate auf eine neue Lunge. Wegen Corona hat sich ihre Transplantation gar um fünf Monate verschoben. Für sie ist klar: Nach dem Tod soll jeder seine Organe spenden können. «Wenn mehr Menschen automatisch Spender sind, muss man sich das gar nicht mehr überlegen: Soll ich spenden? Oder soll ich nicht? Auch für die Angehörigen ist es sehr viel einfacher. Sie müssen sich auch nicht mehr fragen: Wollte diese Person jetzt spenden oder wollte sie nicht spenden?»

«Weniger Menschen werden sterben»

Der Bundesrat will solche Fälle mit einem neuen Transplantationsgesetz verhindern: Wer nach dem Tod seine Organe nicht spenden möchte, soll das künftig explizit festhalten müssen. Falls die Angehörigen der Organspende nicht widersprechen, werden diese entnommen. Für die Berner Nationalrätin Flavia Wasserfallen von der SP ist das ein Schritt in die richtige Richtung. «Ich bin überzeugt, dass der Schritt dazu führen wird, dass weniger Menschen sterben, weil sie nicht rechtzeitig das passende Organ erhalten. Es ist unsere Pflicht, Lösungen für die unbefriedigende Situation, die wir haben, zu finden. Wenn dieser Systemwechsel nicht zu einer höheren Spendenbereitschaft führen würde, würde ich das nicht so vehement vertreten.»
Mehr Leben retten: Das ist auch das Ziel von Verena Herzog, Nationalrätin aus dem Thurgau von der SVP. Nur findet sie, dass dem Individuum bei der Entscheidung mehr Freiheiten eingeräumt werden sollen. Die Menschen sollen regelmässig aufgefordert werden, sich mit dem Thema der Organspende zu beschäftigen und allenfalls zu einer Erklärung verpflichtet werden. «Ich weiss von Menschen, die sich an mich gewandt haben, die keine Ahnung haben, wie sich ihr Elternteil, der gestorben ist, entschieden hätte. Diese Menschen mussten in kürzester Zeit entscheiden, ob sich jener Elternteil dafür oder dagegen entschieden hätte. Mit diesem Erklärungsmodell, das Persönlichkeitsrechte und die Freiheit des Bürgers wahrt, wird jeder aufgefordert, sich festzulegen: Will ich meine Organe spenden oder nicht?»

Ob der Vorschlag des Bundes über das neue Transplantationsgesetz in Kraft tritt, entscheidet sich am 5. Mai, wenn das Parlament darüber abstimmt.

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