Schnelle Karriere: Wird Martullo zur heimlichen SVP-Chefin?
Aktualisiert

Schnelle KarriereWird Martullo zur heimlichen SVP-Chefin?

Magdalena Martullo ist in der SVP-Parteileitung angekommen. Parteikollegen trauen ihr eine dominante Rolle zu.

von
D. Krähenbühl

SVP-Nationalrätin Martullo-Blocher auf die Frage, ob sie in Zukunft Parteipräsident Rösti vor der Sonne stehen wird.

Die 48-jährige Ems-Chefin Magdalena Martullo-Blocher wandelt auf den Spuren ihres Vaters: Martullo soll SVP-Vizepräsidentin werden, wie die Partei am Dienstag bekannt gab.

Die schnelle Karriere der Quereinsteigerin beäugen einige SVP-Parlamentarier kritisch. Offen stellt sich aber kaum jemand gegen Martullo. Für einen SVP-Politiker, der nicht genannt werden will, ist klar, wieso: «Martullo hat ein enormes Durchsetzungsvermögen und geniesst darüber hinaus den Rückhalt der Parteispitze.» Mit dieser wolle man es sich nicht verscherzen.

Dass Martullo-Blocher ihren Kopf durchsetzen kann, bestätigt auch SVP-Nationalrat Heinz Brand. Er ist überzeugt, dass sie künftig ein gewichtiges Wörtchen mitreden wird: «Sie hat eine dominante Persönlichkeit, das erzeugt viel Druck bei der Parteileitung.»

Verjüngungsprozess zum Vorteil

Parteipräsident Rösti, der als nett und konsensorientiert gilt, müsse jetzt schauen, dass er «die Hosen auch in Zukunft anhat», meint Brand. Spannungen zwischen Rösti und Martullo erwarte er trotzdem nicht. «Ihre Auswahl zur Vizepräsidentin erlaubt aber die Frage, ob sie ihre Berufung ihrem Verdienst zu verdanken hat oder der momentanen Konstellation der Partei», sagt Brand. Der Verjüngungsprozess komme ihr sicher zugute.

Für politische Gegner ist klar, dass Martullo zur «Schattenpräsidentin» wird: «Es ist anscheinend das Problem der SVP, dass niemand sonst als ein Blocher die Geschicke der Partei übernehmen kann», sagt der Fraktionschef der Grünen, Balthasar Glättli. Für Vater Blocher sei es aber natürlich gut, wenn die Tochter die Zügel in die Hand nehme. «Bei der SVP stellte sich immer nur die Frage, wer hinter einem Blocher die Nummer Zwei ist», sagt Glättli. Das werde sich auch in Zukunft nicht ändern.

Fähig, Bundesrätin zu werden

Klar ist, dass Martullo innerhalb der Parteispitze viel Rückhalt geniesst. «Sie ist innerhalb der Partei sehr geschätzt und hat in kurzer Zeit viele Ressourcen in ihr Nationalratsmandat gesteckt», sagt SVP-Nationalrat Sebastian Frehner. Daher sei sie für die Wahl in die Parteileitung prädestiniert. «Sie ist sehr resolut und weiss, was sie will.» Auch Parteikollege Thomas Matter, der selbst im Parteileitungsausschuss sitzt, ist voll des Lobes: «Sie hat sehr viel Potenzial und wäre auch fähig, Bundesrätin zu werden.»

Martullo selbst denkt nicht, dass sie Präsident Rösti bald vor der Sonne steht: «Ich hoffe, er führt als Parteipräsident selber. Das ist nicht mein Anspruch.» Er habe aber gewünscht, dass sie einen Beitrag leiste und ihren Input – vor allem in Wirtschaftsbelangen – in die Partei einfliessen lasse. Sie kämen gut miteinander zurecht. «Es gibt genug zu tun», sagt Martullo. «Genug für uns beide und für noch viel mehr Leute.»

Deine Meinung