Car of the Week: Wird neuer Z4 «Ultimate Driving Machine»?
Aktualisiert

Car of the WeekWird neuer Z4 «Ultimate Driving Machine»?

Die Neuauflage des Z4 verspricht eine Rückkehr zu den traditionelleren Werten von BMW, der «Freude am Fahren» und der «Ultimate Driving Machine.» Das kann der Marke nur guttun.

von
Michael Köckritz
Das Design des BMW Z4 Concept, der letztes Jahr beim Concourse dElegance in Pebble Beach vorgestellt wurde, fand begeisterten Anklang bei den Auserwählten, die ihn zu sehen bekamen. Für Viele bedeutete es eine Rückkehr zu den traditionellen Werten von BMW.

Das Design des BMW Z4 Concept, der letztes Jahr beim Concourse dElegance in Pebble Beach vorgestellt wurde, fand begeisterten Anklang bei den Auserwählten, die ihn zu sehen bekamen. Für Viele bedeutete es eine Rückkehr zu den traditionellen Werten von BMW.

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Die Überhänge sind nicht mehr so knackig wie beim Z4 Concept, die Nase und die seitliche Linienführung weniger markant. Die coolen Höcker hinter den Sitzen mussten einem Stoffverdeck weichen, aber die Shark Nose und die breitere BMW-Niere blieben. Die Scheinwerfer bekamen einen neuen Look.

Die Überhänge sind nicht mehr so knackig wie beim Z4 Concept, die Nase und die seitliche Linienführung weniger markant. Die coolen Höcker hinter den Sitzen mussten einem Stoffverdeck weichen, aber die Shark Nose und die breitere BMW-Niere blieben. Die Scheinwerfer bekamen einen neuen Look.

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Der auf der BMW-Teststrecke im französischen Miramas vorgestellte Prototyp ist ein Z4 M40i, die bislang stärkste Variante mit einem 3 Liter 6-Zylinder Reihenmotor, der PS und Newtonmeter liefert.

Der auf der BMW-Teststrecke im französischen Miramas vorgestellte Prototyp ist ein Z4 M40i, die bislang stärkste Variante mit einem 3 Liter 6-Zylinder Reihenmotor, der PS und Newtonmeter liefert.

BMW

BMWs neu aufgelegter Z4 ist nicht nur eine technische, sondern auch eine Image-wirksame Meisterleistung. Das Marketing des bayrischen Autobauers, dessen Image über Jahrzehnte hinweg durch besonders kompakte und sportliche Fahrzeuge geprägt wurde, verlegte sich seit einigen Jahren zunehmend auf grössere – und kleinere – SUVs und auf luxuriöse Sportlimousinen im oberen Marktbereich. Das macht durchaus Sinn, denn erstens verkaufen sich SUVs in jeglicher Grösse ganz prächtig; und zweitens sind die Gewinnspannen bei den grossen Premiumfahrzeugen ja auch nicht übel.

Ein wenig hat dabei das «Ultimate Driving Machine»-Image von BMW gelitten. Die M-Modelle, bislang die Garanten der Sportlichkeit, wurden zwar immer stärker und kompetenter, aber eben auch komplexer und grösser. Und die zunehmend esoterischen Ausflüge in den traditionellen Bereich der kleinen Spassmacher und flotten Wadenbeisser wie dem M2 oder dem 1 M Coupe fanden mehr und mehr an der Verkaufsperipherie der Marke statt, wenn überhaupt.

Die Z-Serie nahm dabei immer eine besondere Rolle ein. Der erste Z1, ein Leichtgewicht und mit seinen versenkbaren Türen ein Ausreisser in der Markenhistorie, war noch ein richtiger Abenteurer. Der Z3 als Letzter seiner Art, gebaut in der Diaspora von South Carolina unter der strengen Auflage der Produktökonomie, war ein überraschender Verkaufserfolg und als M-Modell sowohl als Roadster als auch als (seltenes) Coupé ein wahrer Brüller – und Kult.

Die erste Inkarnation des Z4 hingegen bestach mehr durch extrovertiertes Aussehen als durch enorme Fahrleistungen, und auch die späteren Modellvariationen wurden von den «performance»-bewussten BMW-Puristen lieber übersehen. Vor drei Jahren stellten die Bayern die Baureihe ohne grosses Trara ein.

Zusammen mit Toyota entwickelt

Der Neue soll das jetzt alles richten. BMWs Sportler wurde aus wirtschaftlichen Gründen in enger Zusammenarbeit mit Toyota entwickelt, der Marke, die später ihre Schwester-Version als lange erwartetes Supra-Coupé nachreichen wird. Keine Sorge, alle Motoren stammen von BMW und reichen beim Bayern von einem 2 Liter 4-Zylinder mit 150 PS bis hin zum 6-Köpfer mit 360 PS, der – gezähmt von einer 8-Gang-Automatik – für die Hundert gerade mal 4,4 Sekunden braucht. Später, so im Sommer nächsten Jahres, soll noch eine M-Version mit mehr als 400 PS kommen.

Der erste Eindruck bei der Vorstellung des Concept Z4 beim Concours d'Elegance im vergangenen Jahr beeindruckte die Auserwählten, die nach Pebble Beach eingeladen waren. Das schicke Design des Vorgängers war noch schicker geworden, aber auch um vieles schärfer, mit einer ausgeprägten Haifisch-Nase, kurzen Überhängen und tiefen Seitenlinien bis in die hinteren Radläufe.

Je konkreter die Vorschauen auf den Z4 wurden, desto mehr jubelte die Spassabteilung, denn der Z4 verspricht den Sportfahrern die lang ersehnte Renaissance jener «Ultimativen Fahrmaschine,» die BMW einst geprägt hat. «Unsere Aufgabe war es, einen neuen offenen Sportwagen zu bauen,» sagte Peter Langen, BMWs Chef der Driving Dynamics Abteilung bei ersten Probefahrten auf der BMW-Teststrecke in Miramas, «und nicht eine neue Version des alten Z4. Die beiden Fahrzeuge sind grundsätzlich verschieden. Wir designten den Z4 als eine Marke unserer neuen Sportlichkeit.»

Die coolen Speedster-Höcker fielen dem Serienbau zum Opfer

Der Serien-Z4 hat leider viele der dramatischeren Details des Concept Cars verloren, aber das war voraus zu sehen. Die extrem gezeichneten Sicken wichen zivilerem Design, die filigranen Aussenspiegel und die coolen Speedster-Höcker hinter den Sitzen fielen dem Serienbau zum Opfer, die kurzen Überhänge zogen gegenüber einem effektiven Fussgängerschutz den Kürzeren, aber die breiteren Nieren und die ausgeprägte Nase blieben. Der Einsatz von Karbonteilen soll das Gewicht der Neuauflage – obwohl deutlich grösser als der Vorgänger – signifikant verringern, was sowohl dem Temperament als auch dem Kraftstoffverbrauch zugute kommen soll. Einen Anteil am Gewichtsverlust trägt der Wegfall des schweren und platzraubenden Klappverdecks, das durch eines aus Stoff ersetzt wird.

Die Spurbreite wächst vorne wie hinten, der Radstand schrumpft (die Gesamtlänge hingegen wächst um acht Zentimeter), die Fahrleistungen sind entsprechend. Der «new-and-improved» Z4, offiziell G92 genannt, fährt sich angenehmerweise wie ein BMW aus guten alten Zeiten, in denen noch mit dem rechten Fuss gesteuert wurde und die Fenster bei fescher Kurvenfahrt besser geschlossen blieben. Heute übernimmt zwar High-Tech Elektronik die Spass-Kontrolle der bis zu 500 zur Verfügung stehenden Newtonmeter, aber – wie üblich bei BMW – hat man erst mal die «Sport» Taste aktiviert, wünscht man sich, eine Hand frei zu haben zum Schenkelklatschen oder für High Fives.

Die Wiederauferstehung des Z – und damit die Reaktivierung des alten Mottos der «Freude am Fahren» – mag nicht unbedingt zu Verkaufsrekorden führen, die Zeiten des Z3 sind nun mal vorbei, aber BMW kann und will es sich erlauben, eine Duftmarke in die alte Ecke zu setzen. Selbst wenn es zusammen mit japanischen Geschwistern besser klappt.

ramp begeistert seit mehr als zehn Jahren als stilprägendes, opulentes Coffeetable-Magazin, indem es die Welt des Autos mit der Liebe zum Leben und der Lust auf Mode, Kultur und Design verbindet. So wurde es auch ganz nebenbei zum meist ausgezeichneten Automagazin der Welt. ramp-Herausgeber und Chefredakteur Michael Köckritz stellt wöchentlich seinen «Car of the Week» auf 20min.ch vor. Jeden Freitag.

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