Schuldenmisere: Wird Portugal das nächste Griechenland?

Aktualisiert

SchuldenmisereWird Portugal das nächste Griechenland?

Angesichts der Schuldenkrise in Griechenland befürchten EU-Kreise, dass bald auch Portugal sein Defizit nicht mehr in den Griff bekommen könnte.

von
Barry Hatton
AP

Das südwestlichste Land der Union galt schon immer als der ärmste der 16 Euro-Staaten und ist in letzter Zeit zunehmend in Bedrängnis geraten. Da eine Abwertung der Währung natürlich nicht infrage kommt, muss Lissabon mit einem rigorosen Sparprogramm auf die Krise reagieren. Und wie in Griechenland führt dies zu wachsenden Protesten.

Das portugiesische Haushaltsdefizit hat 2009 bereits eine Quote von 9,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erreicht, die Staatsverschuldung dürfte in diesem Jahr 86 Prozent des BIP erreichen. Dies liegt bei weitem über den Schuldengrenzen des EU-Stabilitätspakts - und die Tendenz ist steigend. Demgegenüber wird lediglich ein Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent in diesem und 0,9 Prozent im kommenden Jahr erwartet.

Noch hat Portugal keine Probleme, sich an den Finanzmärkten neue Kredite zu beschaffen, wie Analysten in der Hauptstadt Lissabon betonen. Erst in der vergangenen Woche wurden Staatsanleihen mit einer Laufzeit von drei und neun Monaten ausgegeben, womit 1,075 Milliarden Euro in die Staatskasse flossen. Dem Haushaltsamt zufolge war die Nachfrage auf dem Markt mehr als doppelt so hoch.

Allerdings forderten die Anleger für ihre Investitionen in die Staatsanleihen deutlich höhere Zinsen als noch vor wenigen Montan. Dies hat unweigerlich Auswirkungen auf die Planung der Staatsausgaben.

Folgenschwere Abstufung bei Rating-Agenturen

Über die Platzierung von Staatsanleihen hat sich Portugal in diesem Jahr bereits 4,5 Milliarden Euro verschafft. Allein zwei Milliarden davon wurden Mitte April bei der bislang grössten Auktion von Schuldscheinen aufgebracht. Auch da war die Nachfrage den Behörden zufolge doppelt so hoch. Denn für eine Anleihe mit zehnjähriger Laufzeit gibt es immerhin eine Rendite von 4,340 Prozent.

Dennoch sind Analysten skeptisch bezüglich der langfristigen Bonität Portugals. Sie sehen die Gefahr, dass die Regierung ihre Schulden letztlich nicht zurückzahlen kann. Dafür seien die Aussichten auf ein gesundes Wirtschaftswachstum viel zu trübe. Und ob die geplanten drastischen Sparmassnahmen wirklich greifen, wird zunehmend infrage gestellt.

Bis zum 20. Mai muss Portugal auslaufende Kredite im Umfang von 5,6 Milliarden Euro ablösen. Im Laufe dieses Jahres werden Schulden von rund 20 Milliarden Euro fällig. Im zweiten Quartal sollen deshalb neue Staatsanleihen im Wert von insgesamt 10 Milliarden ausgegeben werden.

Die Agentur Fitch Ratings hat Portugal bereits herabgestuft. Und die Ratingagentur Standard & Poor's hat am Dienstag die Kreditwürdigkeit Portugals auf A- herabgestuft. Dies hat zum Anstieg der Zinsen beigetragen, der Schuldendienst wird für Portugal immer teurer - was wiederum den Sparzielen entgegensteht. Die Abwärtsspirale scheint damit programmiert.

Die Regierung in Lissabon blickt deshalb mit grosser Sorge, aber auch mit gewisser Hoffnung auf Griechenland. Denn sollte die griechische Schuldenkrise mit internationaler Hilfe beigelegt werden, so meinen die Analysten, dann dürfte auch Portugal davon profitieren.

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