Pjöngjang: Wird «Schweizer Schüler» Machthaber?

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PjöngjangWird «Schweizer Schüler» Machthaber?

In Nordkorea kündigt sich eine wichtige Weichenstellung in der Machtnachfolge an. Näheren Aufschluss könnte das grösste Treffen der kommunistischen Partei seit 30 Jahren geben.

von
Dirk Godder
DPA
Es gibt verschiedene Indizien dafür, dass Kim Jong II seinen jüngsten Sohn zu seinem Nachfolger machen will.

Es gibt verschiedene Indizien dafür, dass Kim Jong II seinen jüngsten Sohn zu seinem Nachfolger machen will.

Nordkorea könnte vor einem Wechsel ganz oben an der Spitze stehen. Es wird vermutet, dass der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il seinen jüngsten Sohn in Position bringt. Dieser ist Ende 20, soll eine Vorliebe für Skifahren und Basketball haben und den Actionfilmstar Jean-Claude Van Damme bewundern. Er soll eine internationale Schule in der Nähe von Bern besucht haben und einige Fremdsprachen beherrschen.

Sehr viel mehr von Kim Jong Un, dem jüngsten Sohn des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il, nicht bekannt. Auch politisch ist Kim junior, von dem nicht einmal ein Foto als Erwachsener bekannt ist, bisher nicht in Erscheinung getreten.

Dennoch haben sich in den vergangenen Monaten die Hinweise verdichtet, dass ihn sein Vater als Nachfolger auserkoren hat. Von einer Tagung der herrschenden Arbeiterpartei am Dienstag, 28. September, in Pjöngjang erhofft man sich nun genaueren Aufschluss über die Nachfolgeregelung in dem weithin abgeschotteten Staat.

Termin verschoben

Die Ankündigung der ursprünglich für Anfang September geplanten und dann aus unbekannten Gründen verschobenen Tagung hat die Spekulationen um die Nachfolge weiter angeheizt. Nicht ausgeschlossen wurde unter anderem, dass interne Abstimmungsprobleme die Verschiebung verschuldetet haben.

Beobachter gehen davon aus, dass es der 68-jährige Kim Jong Il, der vor etwa zwei Jahren vermutlich einen Schlaganfall erlitt, ziemlich eilig hat. Darauf lasse auch die Tatsache schliessen, dass das Politbüro zum ersten Mal seit 44 Jahren eine Versammlung der wichtigsten Parteidelegierten veranstaltet.

Nach offiziellen Angaben steht die Wahl des «höchsten Führungsgremiums» auf der Tagesordnung. In Südkorea wird damit gerechnet, dass Kim mit Blick auf die Zukunft des Regimes wichtige Führungspositionen durch Personen besetzt, denen er vertraut.

Dritte Generation

Kim Jong Un könnten eine oder mehrere Positionen, etwa im Verteidigungskomitee der Partei, zugeschanzt werden, um ihn auf höhere Aufgaben vorzubereiten. Denn um die Erbfolge in dritter Generation zu sichern, bräuchte Kim Unterstützung.

Das Muster ist bekannt: Kim Jong Il selbst ist von seinem - 1994 gestorbenen - Vater, dem «ewigen Präsidenten» Kim Il Sung, systematisch für die Machtübernahme präpariert worden. 1980 war seine Rolle als Erbe auf einem Parteikongress offiziell bestätigt worden. Doch Kim Il Sung hatte für die Nachfolgeregelung Zeit.

Das gilt für seinen Sohn nicht. Auch von der gottgleichen Verehrung des Übervaters Kim Il Sung dürfte für die dritte Generation nicht mehr allzu viel übrigbleiben, vermuten Beobachter. Doch ist man sich einig, dass der politisch unerfahrene Kim Jong Un schon länger Favorit für die Nachfolge ist.

«Steigbügelhalter»

Als weiteres Indiz für eine Familienlösung gilt in Südkorea auch die Beförderung von Kim Jong Ils Schwager Jang Song Thaek. Der Parteifunktionär war im Juni zum Stellvertreter des Machthabers in der Nationalen Verteidigungskommission ernannt worden.

Mit Jang hat Kim damit einen zweiten starken Mann an seiner Seite. Es wird für möglich gehalten, dass die Kommission als mächtigstes Entscheidungsgremium die Kontrolle im Staat übernehmen könnte, wenn Kim plötzlich sterben sollte. Eine wichtige Rolle Jangs könnte somit auch die des «Steigbügelhalters» für Kim Jong Un sein.

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