Spitäler am Anschlag: «Wird schwieriger, Schwerverletzte in einem Spital unterzubringen»
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Spitäler am Anschlag«Wird schwieriger, Schwerverletzte in einem Spital unterzubringen»

Die steigende Zahl von Corona-Patienten führt in den Schweizer Spitälern zu Engpässen. Hunderte Operationen werden verschoben.

von
Bettina Zanni
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Mühelos können die Spitäler Patienten nicht mehr aufnehmen.

Mühelos können die Spitäler Patienten nicht mehr aufnehmen.

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«Es wird schwieriger, Patienten mit schwereren Verletzungen problemlos in einem Spital unterzubringen», sagte Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärzte und Kantonsärztinnen der Schweiz (VKS).

«Es wird schwieriger, Patienten mit schwereren Verletzungen problemlos in einem Spital unterzubringen», sagte Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärzte und Kantonsärztinnen der Schweiz (VKS).

Sowohl die Akut- als auch die Intensivbetten waren am Dienstag zu rund 80 Prozent belegt, wie Andreas Stettbacher, Delegierter des Bundesrats für den Koordinierten Sanitätsdienst (KSD) an einer Medienkonferenz sagte.

Sowohl die Akut- als auch die Intensivbetten waren am Dienstag zu rund 80 Prozent belegt, wie Andreas Stettbacher, Delegierter des Bundesrats für den Koordinierten Sanitätsdienst (KSD) an einer Medienkonferenz sagte.

Darum gehts

  • Sowohl die Akut- als auch die Intensivbetten waren am Dienstag in den Schweizer Spitälern zu rund 80 Prozent belegt.

  • «In den Spitälern hat der Kampf um die Spitalbetten schon vor einigen Wochen angefangen», sagt der Präsidentin des Dachverbands der Schweizer Patientenstellen.

Der Platz in den Spitälern wird zusehends enger. Sowohl die Akut- als auch die Intensivbetten waren am Dienstag zu rund 80 Prozent belegt, wie Andreas Stettbacher, Delegierter des Bundesrats für den Koordinierten Sanitätsdienst (KSD) an einer Medienkonferenz sagte. Zehn Kantone hätten zudem gemeldet, dass ihre zertifizierten Intensivplätze ausgelastet seien. Betroffen sind etwa Freiburg, Solothurn, Thurgau oder das Wallis.

Mühelos können die Spitäler Patienten nicht mehr aufnehmen. «Es wird schwieriger, Patienten mit schwereren Verletzungen problemlos in einem Spital unterzubringen», sagte Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärzte und Kantonsärztinnen der Schweiz (VKS). Entspannung sei nicht in Sicht.

Höchstwerte in Zürich

Am Dienstagmorgen schlugen die Zürcher Spitäler Alarm. Mit 535 Hospitalisierten am Montag und 99 Patienten in der Intensivpflege am Sonntag verzeichneten sie neue Höchstwerte. Nur noch drei Intensivbetten waren am Samstag laut dem Verband Zürcher Krankenhäuser (VZK) im Universitätsspital Zürich frei. Erstmals mussten Behandlungen von Patienten mit anderen lebensbedrohlichen Krankheiten verschoben werden. «Wir mussten bereits 100 Operationen verschieben», sagte André Zemp, Direktor des Stadtspitals Waid und Triemli.

Laut den Direktoren des Universitätsspitals Zürich, des Stadtspitals Waid und Triemli und des Kantonsspitals Winterthur ist das Personal «extrem belastet». Die Patienten seien kränker als in der ersten Welle und lägen teilweise länger als 50 Tage auf der Intensivstation, sagte Peter Steiger, Leiter des Instituts für Intensivmedizin am Zürcher Universitätsspital. Gabi Brenner, Direktorin der Pflege am Universitätsspital, sagte: «Wir sind in einem Marathon und wissen nicht, wie lange er noch geht.» USZ-Direktor Gregor Zünds Fazit: «Wir kommen höchstwahrscheinlich nicht um einen Lockdown rum.»

«Gegen 700 verschobene Operationen»

Auch im Kantonsspital Aarau sind die Kapazitäten am Limit. «Die Zahl der verschobenen Operationen bewegt sich diese Woche sicher neu auf gegen 700», sagt Mediensprecher Ralph Schröder. Bei weiterhin steigenden Fallzahlen und damit mehr Covid-Patienten auf den Intensivstationen müsse Personal aus anderen Bereichen abgezogen werden. «Dies bedeutet wiederum, weniger Operationen mit nicht absehbaren Gesundheitsfolgen für die betroffenen Patienten.» Schröder: «Wir unterstützen sämtliche gezielte Massnahmen, die zu einer Senkung der Fallzahlen und damit zu einer Entlastung der Situation in den Spitälern beitragen.»

Ähnlich klingt es am Universitätsspital Basel. Laut Mediensprecher Nicolas Drechsler müssen etwa orthopädische Eingriffe oder bestimmte Tumoroperationen verschoben werden. Als Universitätsspital und Zentrumsspital hätten sie aber ohnehin mehrheitlich schwere Fälle. «Die Möglichkeiten, zu verschieben, sind entsprechend gering.» Sie seien, wie alle anderen Zentrumsspitäler auch, sehr daran interessiert, dass Massnahmen ergriffen würden, die ein Steigen der Fallzahlen verhindern und möglichst sinkende Infektionszahlen erreichen.

«Sofort nötige Operationen werden abgesagt»

Mario Fasshauer, Geschäftsstellenleiter der Zürcher Patientenstelle, beobachtet die Lage mit grosser Besorgnis. «In den Spitälern hat der Kampf um die Spitalbetten schon vor einigen Wochen angefangen», sagt er.

Es bestehe eine hohe Gefahr, dass «stille Triagen» durchgeführt würden, sagt Fasshauer. «Operationen, die man vor einem Jahr sofort durchgeführt hätte, werden plötzlich unter dem Vorwand verschoben, dass keine Dringlichkeit bestehe.» Auch würden teilweise Patienten, die in der Regel nach der Operation auf einer Intensivstation überwacht werden, auf normale Stationen verlegt. Für ihn steht fest: «Es braucht zwingend einen Lockdown, da das Personal bereits heute am Limit läuft.»


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