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Substanz aufgetauchtWird Sotschi mit neuem Dopingmittel verseucht?

Vier Tage vor der Eröffnungsfeier in Sotschi sorgen Enthüllungen des deutschen TV-Senders WDR für Entsetzen. In Russland wird eine gefährliche Dopingsubstanz verkauft.

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Der deutsche Fernsehsender WDR ist bei Recherchen in Russland auf eine neue Dopingsubstanz gestossen. Vier Tage vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Sotschi kommen dunkle Geschäfte eines russischen Wissenschaftlers ans Licht.

Ein international renommierter Mitarbeiter der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau bot Reportern des WDR, die verdeckt arbeiteten, eine verbotene Substanz zum Kauf an. Dabei soll es sich um das Molekül Full Size MGF gehandelt haben, das derzeit im staatlichen Labor in Moskau, wo der besagte Wissenschaftler tätig ist, erforscht wird.

«Das Mittel wirkt im Muskel doppelt so stark wie ein herkömmlicher Wachstumsfaktor und kann von keinem Dopingfahnder aufgespürt werden», soll er gegenüber den Reportern gesagt haben, denen er eine Menge von 1 Miligramm zum Test mitgab. Sollte ein Athlet im Hinblick auf die Winterspiele in Sotschi davon Gebrauch machen wollen, muss dieser aber tief in die Tasche greifen: Rund 100'000 Euro will der Wissenschaftler für eine Olympia-Ration.

Nur an Tieren erprobt

Die Substanz wurde in Deutschland untersucht. Dabei handelt es sich um den Wachstumsfaktor Full Size MGF, der bisher nur an Tieren erprobt wurde. Als «hochwirksam» bezeichnete es ein deutscher Dopingexperte. Die Nachfrage in der Szene werde gross sein. «Das gesundheitliche Risiko für einen Menschen ist nicht abschätzbar.» Ein weiterer Experte wurde zur Dosierung befragt und gab eine erschreckende Antwort: «Zwischen Goldmedaille und Tod ist alles drin.»

Kurz vor den Olympischen Spielen ist dies natürlich schlechte Werbung für den Gastgeber Russland. Die Welt-Anti-Doping-Agentur ist entsetzt über die Enthüllungen. Generaldirektor David Howmann glaubt nicht an saubere Spiele in Sotschi. «Es wäre naiv zu glauben, dass alle Athleten in Sotschi sauber sind. Da gibt es viele, die sind überzeugt, dass die Substanz, die sie nehmen, nicht nachweisbar ist.» IOC-Präsident Thomas Bach spricht vom «härtesten Anti-Dopingkampf jemals bei Olympischen Spielen».

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