Knapper Rohstoff: Wird Vanilleglace dieses Jahr teurer?
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Knapper RohstoffWird Vanilleglace dieses Jahr teurer?

Sie ist die beliebteste Glace weit und breit: Vanille. Allerdings sind die Schoten knapp und der Preis für den Rohstoff ist bereits stark gestiegen.

von
Isabel Strassheim

Vanille schmeckt nach Kindheit und nach Frühling. Weltweit schlecken die meisten Menschen am liebsten Vanille-Glace. Coop und Migros bestätigen dies auch für die Schweiz. Das könnte bei der bevorstehenden Glace-Saison allerdings zum Problem werden: Denn echte Vanille ist weltweit knapp, der Preis hat sich im vergangenen Jahr verdreifacht und die Qualität verschlechtert.

Die meistverkaufte Glace bei Migros ist Crème d'or Vanille Bourbon. In der 1-Liter-Dose, in der Vanille aus Madagaskar steckt. Im vergangenen Jahr ist aber die Ernte auf der Insel im Osten Afrikas, von der rund die Hälfte der weltweiten Vanille herkommt, um fast die Hälfte eingebrochen. Im Gegenzug sind die Preise durch die Decke gegangen: Ein Kilo hochwertige Vanille kostet laut der Wirtschaftsagentur Bloomberg derzeit 250 Dollar. Im Vorjahr waren es noch 80 Dollar und vor vier Jahren lediglich 20 Dollar.

Künstliche Vanille ist für Migros kein Thema

Migros verwendet in seinem ganzen Glace-Sortiment grundsätzlich keine künstliche Vanille. Und will dies auch nicht ändern. Dasselbe gilt für Frisco Glace am Stil und Mövenpick, die beide zum Nestlé-Konzern gehören. Wird Eis nun also teurer? «Der Preisaufschlag für echte Vanille wurde nicht an die Kunden weitergegeben und auch das Aroma wurde nicht verändert», sagt Migros-Sprecherin Monika Weibel zu 20 Minuten. Die Mehrkosten durch die Rohstoffpreiserhöhung trage die Migros. Nestlé will auch in Zukunft keine Preisaufschläge durchsetzen. «Es wurden nachhaltige und langjährige Beziehungen mit unseren Lieferanten aufgebaut, welche jetzt nicht wegen Preisschwankungen aufs Spiel gesetzt werden», sagt Philippe Oertle.

Coop verwendet in seinen Eigenmarken bis auf Prix Garantie keine künstliche Vanille. Auch der Detailhändler will laut Sprecher Ramon Gander derzeit nicht die Preise erhöhen. Der Grund:« Entweder haben wir bereits produzierte Artikel an Lager oder können auf eingekaufte Rohware zurückgreifen.»

Die Schote wird nicht nur wegen der schlechten Ernte in Madagaskar knapp, sondern auch, weil in China, Indonesien oder Uganda die Bauern ihren Vanille-Anbau zurückgefahren hatten, als die Preise 2012 im Keller lagen. Die arbeitsintensive Ernte ist in Tiefpreis-Phasen nur in Entwicklungsländern lukrativ, wie in Madagaskar mit einem Stundenlohn von 1,50 Dollar.

Preiserhöhung bei schlechter Ernte denkbar

Fürs laufende Jahr erwartet der Handelsminister Madagaskars, Henri Rabesahala, eine deutlich bessere Ernte. Sie beginnt im Juni/Juli. Wie sich der Ertrag – und damit auch der Preis – tatsächlich entwickelt, bleibt bis dahin noch offen.

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