«Facebook Files» – Wirds nach den neuesten Enthüllungen eng für Facebook?
Publiziert

«Facebook Files»Wirds nach den neuesten Enthüllungen eng für Facebook?

In veröffentlichten internen Dokumenten wird deutlich, wie wenig Kontrolle das Unternehmen über Inhalte auf der Plattform hat. Nun könnten Regulatoren zum entscheidenden Schlag ansetzen.

von
Patrick McEvily
1 / 4
Internationale Medien haben interne Dokumente aus dem Facebook-Konzern publiziert.

Internationale Medien haben interne Dokumente aus dem Facebook-Konzern publiziert.

REUTERS
Kritikerinnen und Kritiker dürften sich darin bestätigt sehen. Sie werfen Konzernboss Mark Zuckerberg vor, Geld und Profite vor den Schutz der 3,5 Milliarden Nutzerinnen und Nutzer zu stellen.

Kritikerinnen und Kritiker dürften sich darin bestätigt sehen. Sie werfen Konzernboss Mark Zuckerberg vor, Geld und Profite vor den Schutz der 3,5 Milliarden Nutzerinnen und Nutzer zu stellen.

AFP
Vor rund drei Wochen hatte die ehemalige Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen (37) vor dem amerikanischen Kongress ausgesagt.

Vor rund drei Wochen hatte die ehemalige Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen (37) vor dem amerikanischen Kongress ausgesagt.

REUTERS

Darum gehts

  • Öffentlich gewordene interne Dokumente zeigen, wie schwer sich Facebook tut, seine 3,5 Milliarden Nutzerinnen und Nutzern weltweit zu schützen.

  • Die «Facebook Files» lassen Mark Zuckerberg und Co. in keinem guten Licht erscheinen. Das Unternehmen soll ethnische Konflikte anheizen und Kinder und Jugendliche nur ungenügend schützen.

  • In den USA und Europa könnten die Regulatoren nun endgültig genug haben und zu Massnahmen schreiten.

Die Negativ-Schlagzeilen zu Facebook hatten sich in den vergangenen Wochen und Monaten gehäuft: Die Whistleblowerin Frances Haugen sagte vor dem amerikanischen Kongress aus, dass das Unternehmen Profit über Inhalte stellt. Das «Wall Street Journal» hatte zuvor schon enthüllt, dass Facebook nichts gegen schädliche Inhalte für Jugendliche macht und zudem ethnische Konflikte weltweit anheizt.

Im September waren dann sämtliche Dienste des Konzerns für einige Stunden nicht erreichbar. Nun ist eine neue Ladung Enthüllungen einer internationalen Recherche-Koalition erschienen, zu der auch die Tamedia-Zeitungen gehören.

«Wir haben keine Chance mitzuhalten»

Grundlage der «Facebook Files» sind hausinterne Untersuchungen, die Facebook allerdings nie veröffentlichte. Die Abteilung «Civic Integrity Team» ist hausintern damit beauftragt, Hass und Hetze auf der Plattform zu unterbinden. Die Truppe soll 40’000 Personen stark sein. Doch offenbar scheitern die Wächterinnen und Wächter regelmässig an der Aufgabe. Die Tamedia-Zeitungen berichten unter anderem von Testversuchen mit US-Profilen, die belegten, wie viele Hassnachrichten eine Durchschnittsuserin erhält.

Noch viel grösser scheinen die Probleme ausserhalb des Heimatlandes des Konzerns zu sein. Die Plattform gibt es in 70 Sprachen, doch Facebook investiert offenbar zu wenig Ressourcen in die Analyse vieler Fremdsprachen. In den Files sind Warnungen eines beteiligten Ingenieurs enthalten, der warnt, dass die Überwachung in Ländern wie Myanmar oder Äthiopien ungenügend seien. Posts, in denen zu Gewalt aufgerufen wurde, seien zuvor nicht kontrolliert worden. Die Tamedia-Zeitungen führen etwa Beispiele aus Indien auf, in denen Nationalisten Angriffe auf Pakistan feiern, oder Bilder teilen, in denen die Flagge des Nachbarlandes mit Füssen getreten werden.

Mehrere Mitglieder des Civic Integrity Teams haben nach kurzer Zeit erschöpft wieder aufgegeben. Ein Insider schrieb in internen Mails: «Wir haben keine Chance mitzuhalten».

Droht gar die Zerschlagung?

Innerhalb von Facebook macht man sich offenbar Sorgen um die eigene Zukunft. Das Nutzerwachstum ist ins Stocken geraten. Vor allem in westlichen Staaten haben Millionen von Teenagerinnen und Teenagern die Plattform verlassen und sind auf Konkurrenten wie Tiktok ausgewichen. Die Konzernspitze will darum alles daran setzen, eine neue Generation an möglichst jungen Userinnen und Usern für sich zu gewinnen. Vor kurzem hat Facebook zudem angekündigt, eine Virtual-Reality-Welt namens «Metaverse» bauen zu wollen.

Ob es dazu kommt, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar. Denn die neuesten Enthüllungen bringen Facebook noch mehr in Bedrängnis. Die Chefriege des Unternehmens wusste offenbar bereits zuvor von den Enthüllungen der «Facebook Files». Am Sonntag hatte der oberste PR-Chef des Unternehmens und früherer britischer Vize-Premier, Nick Clegg, gewarnt, dass es eine «sehr schwere Woche» werden könnte, wie «Yahoo News» berichtete.

In den USA und Europa beschäftigt sich die Politik seit längerem mit dem Konzern. US-Präsident Joe Biden hatte gegenüber Medien erklärt, dass Facebook wegen der Verbreitung von Fake News auf der Plattform am Tod Tausender während der Corona-Pandemie eine Mitschuld trage. Die mächtige Federal Trade Commission hat zudem eine Kartellbeschwerde gegen den Konzern eingereicht. Und Whistleblowerin Haugen soll gemäss der «New York Times» auch vor Parlamentarierinnen und Parlamentariern in London und Brüssel auftreten.

Wenn Sie in der 20-Minuten-App die Benachrichtigungen des Digital-Kanals abonnieren, werden Sie über News und Gerüchte aus der Welt von Whatsapp, Snapchat, Instagram, Samsung, Apple und Co. informiert. Auch erhalten Sie als Erste Warnungen vor Viren, Trojanern, Phishing-Attacken und Ransomware. Weiter bekommen Sie hilfreiche Tricks, um mehr aus Ihren digitalen Geräten herauszuholen.
Und so gehts: Installieren Sie die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippen Sie rechts oben auf die drei Streifen, dann auf das Zahnrad. Wenn Sie dann nach oben Wischen, können Sie die Benachrichtigungen für den Digital-Kanal aktivieren.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

17 Kommentare