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Wirf einen Blick in die Schreibstuben berühmter Autoren und Autorinnen

Abgeschiedenheit, Stille, Konzentration: Das bieten die Schreibstuben von Virginia Woolf, Mark Twain und Co., die wir dir hier zeigen.

von
Meret Steiger
20.12.2020

Die meisten berühmten Schriftstellerinnen und Schriftsteller haben oder hatten einen Lieblingsplatz zum Schreiben: Ein möglichst ruhiger Raum, in dem die Kreativität ungehindert fliessen kann. Und während das bei den einen ein privates Zimmer ist, fühlen sich andere in Bibliotheken, Cafés oder Hotelzimmern wohler.

Manche Schreibende brauchen auch die Abgeschiedenheit: Diverse wichtige literarische Werke wurden gar in Gefängnissen geschrieben, darunter zum Beispiel «Don Quijote». Und Victor Hugo, der Autor von «Der Glöckner von Notre Dame», soll sich beim Schreiben selbst unter Hausarrest gestellt haben – und sogar seine Kleidung weggeschlossen haben, damit er nicht in Versuchung kommt, nach draussen zu gehen. Manche Schreibzimmer sind hingegen so herzig, da würde man sowieso nicht mehr rauskommen wollen. Wir zeigen euch eine Auswahl von Schreibstuben berühmter Autorinnen und Autoren.

Die Hütte von Roald Dahl

Die Schreiberhütte von Autor Roald Dahl liegt in Great Missenden, einem Dorf in England.

Die Schreiberhütte von Autor Roald Dahl liegt in Great Missenden, einem Dorf in England.

ZVG
Dahl, der 1990 verstorben ist, schrieb unter anderem Kinderbücher, zum Beispiel «Charlie und die Schokoladenfabrik»

Dahl, der 1990 verstorben ist, schrieb unter anderem Kinderbücher, zum Beispiel «Charlie und die Schokoladenfabrik»

Getty Images
In seiner Schreibstube brauchte Dahl ein bisschen Chaos – zur Inspiration.

In seiner Schreibstube brauchte Dahl ein bisschen Chaos – zur Inspiration.

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Roald Dahl ist ein englischer Schriftsteller, der zwischen 1916 und 1990 gelebt hat. Seine Romane und Kurzgeschichten wurden in 63 Sprachen übersetzt und er verkaufte weltweit mehr als 200 Millionen Bücher. Bekannt ist er zum Beispiel für das Kinderbuch «Charlie und die Schokoladenfabrik», das mit Johnny Depp verfilmt wurde.

Dahl schrieb in einer Hütte in Great Missenden, einem Dorf in Buckinghamshire in England. Beim Schreiben umgab sich der Autor mit inspirierenden Briefen und Fotos von Freunden und Familie. Vor seinem Schreibtisch stand ein Ohrensessel, der einst seiner Mutter gehörte. Ordnung war Dahl nicht wichtig: Sein Schreibtisch war übersäht mit Dingen, die ihn inspirieren sollten. In einem Interview beschreibt Dahl seine Hütte mit folgenden Worten: «Es ist ein Platz zum Träumen und schweben. Es ist so weich und so still wie ein Mutterleib»

Dylan Thomas’ Boothaus

Dieses Bootshhüsli war die Schreibstube von Dylan Thomas.

Dieses Bootshhüsli war die Schreibstube von Dylan Thomas.

© Roy Parkhouse (cc-by-sa/2.0)
Der Engländer war ein literarisches Wunderkind, der bereits mit acht Jahren seine eigenen Gedichte schrieb.

Der Engländer war ein literarisches Wunderkind, der bereits mit acht Jahren seine eigenen Gedichte schrieb.

Wikipedia
Diese Schreibstube hat Roald Dahl übrigens zu seiner eigenen inspiriert.

Diese Schreibstube hat Roald Dahl übrigens zu seiner eigenen inspiriert.

Bryan Ledgard / Flickr

Dylan Thomas war ein literarisches Wunderkind: Mit vier Jahren lernte er Shakespeare auswendig, mit acht Jahren schrieb er seine ersten eigenen Gedichte. Als Dichter und Schriftsteller war Dylan Thomas sehr erfolgreich – er konnte aber so gar nicht mit Geld umgehen. Während es seiner Familie ständig am Nötigsten fehlte, opferte er alles Geld seinem Alkoholismus. Thomas starb noch vor seinem 40. Geburtstag.

Sein bekanntestes Werk, «Unter dem Milchwald», hat er, genau wie viele andere seiner Geschichten und Gedichte, im Bootshaus der Familie in Laugharne, Wales geschrieben. Von dort überblickt man den Fluss Tâf, es ist still und vergleichsweise einsam. Es war dieses Bootshaus, das Roald Dahl zu seiner Gartenhütte inspiriert hat, nachdem er Thomas besuchte.

Mark Twains achteckiges Zimmer

Samuel Langhorne Clemens, besser bekannt unter dem Pseudonym Mark Twain, schrieb in dieser Holzhütte.

Samuel Langhorne Clemens, besser bekannt unter dem Pseudonym Mark Twain, schrieb in dieser Holzhütte.

Wikipedia
Gebaut wurde die Hütte von Twains Schwägerin, die den kettenrauchenden Schriftsteller aus dem Haus haben wollte.

Gebaut wurde die Hütte von Twains Schwägerin, die den kettenrauchenden Schriftsteller aus dem Haus haben wollte.

Pixabay
Laut Mark Twain ist es «das schönste Arbeitszimmer, das er je gesehen hat»

Laut Mark Twain ist es «das schönste Arbeitszimmer, das er je gesehen hat»

Mike Paul

Das Schreibzimmer von Mark Twain hat eine spektakuläre Aussicht über den Fluss Chemung in Elmira, New York. Gebaut hat es seine Schwägerin, Susan Crane, die den kettenrauchenden Twain unbedingt aus ihrem Haus haben wollte. Das Holzhäuschen hat einen Durchmesser von nur gerade 3,6 Metern und Twain bezeichnet es als «das schönste Arbeitszimmer, das er je gesehen hatte»

Besonders gut gefiel es Twain, der eigentlich Samuel Langhorne Clemens hiess, wenn es stürmte: «Es ist so ein gemütliches Nest und es hat nur gerade Platz für ein Sofa, einen Tisch und ein paar Stühle. Wenn die Stürme durch dieses abgelegene Tal toben, die Blitze den Himmel erhellen und der Regen auf das Dach über meinem Kopf trommelt… Stellen Sie sich vor, wie luxuriös sich das anfühlt.» Nach seinem Tod wurde die Hütte an das Elmira College umgesiedelt.

Die Hütte von Virginia Woolf

In einem ehemaligen Werkzeugschuppen in ihrem Garten schrieb Schriftstellerin Virigina Woolf.

In einem ehemaligen Werkzeugschuppen in ihrem Garten schrieb Schriftstellerin Virigina Woolf.

Woolf gilt als eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen und war bereits in den Zwanzigerjahren erfolgreich.

Woolf gilt als eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen und war bereits in den Zwanzigerjahren erfolgreich.

George Charles Beresford / Wikipedia
Im Winter wurde es in der Hütte so kalt, dass Woolf keinen Stift mehr halten konnte. Und doch: Hier schrieb sie grosse Teile ihrer bekannten Bücher.

Im Winter wurde es in der Hütte so kalt, dass Woolf keinen Stift mehr halten konnte. Und doch: Hier schrieb sie grosse Teile ihrer bekannten Bücher.

Virginia Woolf gilt als eine der bedeutendsten Autorinnen des 20. Jahrhunderts. Ende der Zwanzigerjahre war die Engländerin bereits eine erfolgreiche und international bekannte Schriftstellerin. In den Siebzigern wurde Woolf erneut zum Thema: Ihr Essay «Ein Zimmer für sich allein» (1929) wurde zu einem der meistzitierten Texte der neuen Frauenbewegung.

Geschrieben hat Woolf viele ihrer Werke in einem ehemaligen Werkzeugschuppen im Garten des Hauses, das sie mit ihrem Mann bewohnte. Die kleine Holzhütte war dafür aber kaum geeignet: Woolf war ständig abgelenkt, entweder von ihrem Mann, den Kindern der Schule nebenan oder den Kirchenglocken. Im Winter wurde es in der Hütte so kalt, dass Woolf keinen Stift mehr halten konnte. Und doch: Hier schrieb Woolf grosse Teile ihrer bekannten Bücher, zum Beispiel «Mrs. Dalloway».

Das Drehhaus von George Bernard Shaw

Nobel- und Oscarpreisträger George Bernard Shaw hatte eine aussergewöhnliche Schreibstube: Sie konnte sich drehen.

Nobel- und Oscarpreisträger George Bernard Shaw hatte eine aussergewöhnliche Schreibstube: Sie konnte sich drehen.

Popperfoto via Getty Images
Das Magazin «Modern Mechanix» schrieb 1932 über seine Drehhütte: «Mr. Shaw möchte, dass während seiner Arbeit ständig die Sonne auf ihn scheint.»

Das Magazin «Modern Mechanix» schrieb 1932 über seine Drehhütte: «Mr. Shaw möchte, dass während seiner Arbeit ständig die Sonne auf ihn scheint.»

Wikipedia
Übrigens: Der Ire hat seine Schreiberhütte «London» getauft, damit seine Angestellten ungebetenen Gästen sagen können, «er sei in London».

Übrigens: Der Ire hat seine Schreiberhütte «London» getauft, damit seine Angestellten ungebetenen Gästen sagen können, «er sei in London».

Popperfoto via Getty Images

Einen besonders aussergewöhnlichen Platz zum Schreiben hatte der Nobel- und Oscarpreisträger George Bernard Shaw: Seine Schreiberhütte liess sich zur Sonne drehen. 1932 beschrieb das Magazin «Modern Mechanix» die Hütte: «Mr. Shaw möchte, dass während seiner Arbeit ständig die Sonne auf ihn scheint. Dafür hat er ein Haus auf einer Drehscheibe gebaut. Wenn sich die Morgensonne verschiebt, dann kann Shaw mit wenig Aufwand seine Hütte so ausrichten, dass wieder Licht durch die Fenster fällt.»

Das war Shaw besonders wichtig, nicht um Strom zu sparen, sondern aus gesundheitlichen Gründen. Übrigens: Der Ire hat seine Schreiberhütte «London» getauft, damit seine Angestellten ungebetenen Gästen sagen können, «er sei in London». Sie befindet sich immer noch in genau jenem Zustand, in dem sie Shaw vor seinem Tod 1950 verlassen hat.

Die Waldhütte von Henry David Thoreau

Das ist eine Nachbildung der Hütte, in der Henry David Thoreau seinen Erfolgsroman «Walden» geschrieben hat.

Das ist eine Nachbildung der Hütte, in der Henry David Thoreau seinen Erfolgsroman «Walden» geschrieben hat.

MCHLC / Flickr
Im Buch geht es um das Leben in der Hütte: Henry David Thoreau lebte zwei Jahre, zwei Monate und zwei Tage …

Im Buch geht es um das Leben in der Hütte: Henry David Thoreau lebte zwei Jahre, zwei Monate und zwei Tage …

Daniel Hass
… alleine in den Wäldern von Michigan. 

… alleine in den Wäldern von Michigan.

Tom Stohlman / Wikipedia

Im Gegensatz zu den anderen Autoren auf dieser Liste hat Henry David Thoreau nicht nur in einer Hütte geschrieben, er hat sogar ein ganzes Buch über das Leben in dieser Hütte verfasst: Der Amerikaner lebte während zwei Jahren, zwei Monaten und zwei Tagen isoliert in einer selbstgebauten Hütte in der Nähe von Walden Pond, einem kleinen See in Massachusetts und schrieb darüber «Walden oder Leben in den Wäldern», sein erfolgreichstes Buch.

Im Buch beschreibt er auch seine Motivation: «Ich ging in die Wälder, weil ich bewusst leben wollte. Ich wollte das Dasein auskosten. Ich wollte das Mark des Lebens einsaugen! Und alles fortwerfen, das kein Leben barg, um nicht an meinem Todestag Innezuwerden, daß ich nie gelebt hatte.»

Die Hütte gibt es nicht mehr, eine Nachbildung und eine Skulptur von Henry David Thoreau können aber besichtigt werden.

Die Cafés, in denen J. K. Rowling schrieb

Über den «Geburtsort» von Harry Potter gibt es viele Geschichten. Ein Grossteil der Bücher ist aber hier entstanden: Im Nicholson Cafe in Edinburgh, das heute Spoon heisst.

Über den «Geburtsort» von Harry Potter gibt es viele Geschichten. Ein Grossteil der Bücher ist aber hier entstanden: Im Nicholson Cafe in Edinburgh, das heute Spoon heisst.

1march1hare / Wikipedia
Joanne K. Rowling, die Autorin der erfolgreichen Buchreihe, schreibt gerne in Cafés: «Es ist kein Geheimnis: Meiner Meinung nach ist der beste Platz zum Schreiben in einem Café.»

Joanne K. Rowling, die Autorin der erfolgreichen Buchreihe, schreibt gerne in Cafés: «Es ist kein Geheimnis: Meiner Meinung nach ist der beste Platz zum Schreiben in einem Café.»

Bruce Glikas/FilmMagic

Im Gegensatz zu anderen Autoren und Autorinnen hat die Erfinderin von Harry Potter keine Schreibhütte im Garten – braucht sie auch gar nicht. In einem Interview sagt die Engländerin: «Es ist kein Geheimnis: Meiner Meinung nach ist der beste Platz zum Schreiben in einem Café. Dort muss ich mir nicht selbst Kaffee kochen, ich bin nicht völlig isoliert und wenn ich eine Blockade habe, dann spaziere ich einfach zum nächsten Café und probiere es dort wieder.»

Am häufigsten hat Rowling im Nicholson Cafe in Edinburgh geschrieben – und im Blue Elephant. Der «Geburtsort von Harry Potter» sei es aber nicht, wie die Autorin kürzlich auf Twitter verraten hat: Das soll ein Zimmer in einem Mehrfamilienhaus über einem Sportshop gewesen sein.

Hast du auch einen Ort, an den du dich zurückziehst, wenn du Ruhe und Konzentration brauchst? Oder bist du jemand, der sich auch bei Ablenkungen gut konzentrieren kann? Erzähl es uns in den Kommentaren!

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11 Kommentare
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Alexander der Kleine

21.12.2020, 18:55

Diogenes von Sinope schrieb in einem Fass, aber selten. Er philosophierte mehr vor sich hin.

mokawei

20.12.2020, 11:35

Berühmt bin ich nicht, habe aber doch schon 12 Romane geschrieben, alles umfangreichere und alles Krimi. Mein Lieblingsplatz? Mein Balkon, und das noch bei 10° Aussentemperatur. Verrückt, nicht wahr? Im Winter muss es dann halt das Büro sein. Inspirierend ist das nicht. Ich nutze die Gelegenheit halt zum Überarbeiten.

literaturregiertdiewelt

20.12.2020, 11:10

Ich bin zwar noch nicht berühmt habe trotzdem mein 4. Werk 'Das verbotene Apfelbäumchen " vollbracht. Moema Anasbri