Aktualisiert 10.04.2014 14:38

Umstrittenes TamifluWirksamkeit umstritten – Bund hält an Lager fest

Trotz Zweifeln an der Wirksamkeit von Tamiflu: Der Bund will an einem Notvorrat des Grippemedikaments festhalten.

Es sei noch zu früh, um zu entscheiden, ob es das Tamiflu-Pflichtlager nicht mehr brauche, teilt das Bundesamt für Gesundheit mit.

Es sei noch zu früh, um zu entscheiden, ob es das Tamiflu-Pflichtlager nicht mehr brauche, teilt das Bundesamt für Gesundheit mit.

Eine neue Studie kommt zum Schluss, dass das Grippemittel Tamiflu praktisch wirkungslos ist. Dennoch will das Bundesamt für Gesundheit (BAG) vorerst an der Pflicht festhalten, ein Notlager für den Pandemie-Fall zu führen.

Weil die Studie des Forschernetzwerks Cochrane Collaboration erst heute veröffentlicht wurde, sei es noch zu früh für Entscheide bezüglich der Pandemie-Massnahmen. Dies sagte BAG-Mediensprecherin Mona Neidhart auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Sollten sich nach einer genauen Prüfung Änderungen bezüglich des Tamiflu-Pflichtlagers aufdrängen, würden diese auch vorgenommen.

Tamiflu für einen Viertel aller Schweizer

Damit bleibt es vorerst bei der Regelung in der aktuellsten Ausgabe des Grippe-Pandemieplans vom Oktober 2013. Gemäss diesen Vorgaben unterhält Roche ein Pflichtlager.

Dieses umfasst ausreichend Tamiflu, um damit bis zu zwei Millionen Kranke oder gut ein Viertel der Bevölkerung behandeln zu können. Hinzu kommt Tamiflu zur prophylaktischen Behandlung des Gesundheitspersonals. Dass bei einer Pandemie ein Viertel der Bevölkerung erkrankt, stellt das Worst-Case-Szenario dar.

Einziges Land mit Pflichtlager

Die Basler Pharmafirma Roche führt das Pflichtlager in Eigenregie. Der Bund muss dafür nichts bezahlen, denn Roche wird aus einem von der Branche alimentierten Fonds entschädigt. Die Schweiz ist das einzige Land mit einem Tamiflu-Pflichtlager.

Die vom Bund angeschaffte Notreserve an Grippemitteln allerdings verschwindet bis im Februar 2016 mit dem Ablauf der Haltbarkeit. Bei der Armeeapotheke sind über 40000 Packungen Tamiflu und Relenza des britischen Konzerns GlaxoSmithKline deponiert. Sie sind nicht mehr nötig, weil das Pflichtlager sehr flexibel reagieren kann und die Versorgungssicherheit seit der Schaffung der Notreserve 2009 stark gestiegen ist.

Für eine Stellungnahme gegenüber 20 Minuten war das Bundesamt für Gesundheit noch nicht erreichbar.

(sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.