Debatte um Abtreibungsgesetz : «Wirkt so, als wäre es kriminell, in den ersten 12 Wochen abzutreiben»
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Debatte um Abtreibungsgesetz «Wirkt so, als wäre es kriminell, in den ersten 12 Wochen abzutreiben»

In einer parlamentarischen Initiative wird gefordert, dass Abtreibungen nicht mehr im Strafgesetzbuch verankert sein sollen. Eine SVP-Politikerin erwägt eine Gegeninitiative. 

von
Michelle Ineichen
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Abtreibungen sollen nicht mehr im Strafgesetzbuch verankert sein. 

Abtreibungen sollen nicht mehr im Strafgesetzbuch verankert sein. 

Tamedia/Franziska Rothenbuehler
Dies fordert Grünen-Nationalrätin Léonore Porchet. 

Dies fordert Grünen-Nationalrätin Léonore Porchet. 

20min/Monika Flueckiger
SVP-Politikerin Camille Lothe unterstützt die Initiative.  

SVP-Politikerin Camille Lothe unterstützt die Initiative.  

Tamedia/Nicole Philipp

Darum gehts 

Seit fast 20 Jahren sind in der Schweiz Abtreibungen bis zur zwölften Schwangerschaftswoche legal. Der Prozess dieser sogenannten Fristenregelung verläuft jedoch bis heute über das Strafgesetzbuch. Dies will die Stiftung «Sexuelle Gesundheit Schweiz» ändern. Léonore Porchet, Präsidentin der Stiftung und Nationalrätin der Grünen, will eine entsprechende parlamentarische Initiative einreichen.

Neu soll ein Schwangerschaftsabbruch als eine medizinische Leistung gelten, die zum Grundkatalog der Krankenversicherung gehört. «Wir rufen die Schweiz auf, Abtreibung in erster Linie als eine Frage der Gesundheit zu betrachten. In einer modernen Gesellschaft passt sie nicht mehr ins Strafgesetzbuch», so Porchet. 

Camille Lothe, Präsidentin der Jungen SVP Kanton Zürich, unterstützt eine solche Änderung: «Durch die derzeitige Regelung wirkt es immer noch so, als würde Frauen gesagt werden, dass sie sich schämen oder kriminell fühlen sollten, wenn sie sich dazu entscheiden, eine Schwangerschaft in den ersten zwölf Wochen abzubrechen.» Das sei nicht mehr zeitgemäss. Auch Ronja Jansen, Präsidentin der JUSO Schweiz, sieht die Initiative als eine positive Entwicklung. Sie hoffe, dass das Stigma um Schwangerschaftsabbrüche dadurch verringert wird. «Abtreibung ist ein gesundheitliches Thema, kein strafrechtliches», sagt Jansen.  

«Herzschlag-Initiative» 

SVP-Nationalrätin Yvette Estermann sieht die Initiative kritisch. «Durch die Verankerung der Abtreibung im Gesundheitswesen wirkt das, als würde der natürliche Zustand einer Schwangerschaft als Krankheit angesehen.» Der Vorstoss sei ein «Rückschritt für die Gesellschaft». Sie sagt: «Die Tötung eines Fötus gehört ins Strafgesetzbuch, ob sie nun legal ist oder nicht.»

Gemeinsam mit SVP-Nationalrat Erich von Siebenthal erwägt Estermann die Lancierung der «Herzschlag-Initiative». Vorbild dafür sei die «Heartbeat Bill» des US-Bundesstaates Texas. Diese verbietet Abtreibungen, sobald der Herzschlag des Fötus hörbar ist, was in der Regel ab der fünften oder sechsten Schwangerschaftswoche der Fall ist. «In dem Moment, in dem ein Fötus einen Herzschlag hat, ist das für mich ein Mensch», so Estermann. In erster Linie wolle sie werdende Mütter wie auch das Gesundheitspersonal, welches Abtreibungen ausführt, vor künftigen Schuldgefühlen schützen. 

Bereits im Dezember haben Estermann und ihre Parteikollegin Andrea Geissbühler zwei Initiativen zum Thema lanciert. Die «Einmal-darüber-schlafen-Initiative» soll laut den Initiantinnen Frauen vor überstürzten Entscheidungen schützen und fordert, dass vor einer Abtreibung ein Tag Bedenkzeit absolviert werden muss. Die zweite Initiative «Lebensfähige-Babys-retten-Initiative» will dem Fötus ab einem bestimmten Zeitpunkt ein absolutes Recht auf Leben zugestehen. Der Zeitpunkt, wann Föten auch ausserhalb des Mutterleibes überleben und atmen könnten, soll noch definiert werden. 

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Hier findest du Hilfe:

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Appella, Telefon- und Onlineberatung

Fachstelle Kindsverlust, Beratung während Schwangerschaft, Geburt und erster Lebenszeit

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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