Hilterfingen BE : Wirre Briefe rauben den Empfängern am Thunersee den Schlaf
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Hilterfingen BE Wirre Briefe rauben den Empfängern am Thunersee den Schlaf

Nachts beginnt der Hund zu bellen, tagsüber schleicht ein älterer Mann ums Haus, im Briefkasten liegen wirre Gedichte: M.* und sein Partner aus Hilterfingen BE sind besorgt. Ein Dorfbewohner scheint sie im Namen des Teufels absichtlich zu tyrannisieren.

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Vor wenigen Wochen erreichte dieses Schreiben ein Paar in Oberhofen. Als sie die spanischen Zeilen durchlasen, dachten sie sich nicht viel und legten es schliesslich zur Seite.

Vor wenigen Wochen erreichte dieses Schreiben ein Paar in Oberhofen. Als sie die spanischen Zeilen durchlasen, dachten sie sich nicht viel und legten es schliesslich zur Seite.

Doch dann flatterte auch schon der nächste Brief herbei.

Doch dann flatterte auch schon der nächste Brief herbei.

Als sie dann vor wenigen Tagen nun ein drittes Schreiben erreichte – und zwar mit der Post des eigenen Gastrobetriebs – wurde ihnen unheimlich. Sprach der Absender eine indirekte Drohung aus? «Brandstiftungsgefahr» hiess es nun nämlich im Titel.

Als sie dann vor wenigen Tagen nun ein drittes Schreiben erreichte – und zwar mit der Post des eigenen Gastrobetriebs – wurde ihnen unheimlich. Sprach der Absender eine indirekte Drohung aus? «Brandstiftungsgefahr» hiess es nun nämlich im Titel.

Darum geht es

  • Am Wochenende erhielt die Kantonspolizei Bern Meldungen zu «wirren Briefen»
  • Die Empfänger der Schreiben sind beunruhigt
  • Seit mehreren Wochen stellt ein Dorfbewohner ihnen unheimliche Nachrichten zu

Erst hätten sie das Ganze belächelt, doch nun haben M.* und sein Partner an ihrem Haus Kameras installiert, sämtliche Türen – sogar das Gartentor – bleiben abgeschlossen. «Die Tyrannei eines Dorfbewohners hat mittlerweile eine Dynamik angenommen, die uns nicht mehr kalt lässt», sagt der Mann aus Hilterfingen BE.

Am Samstag haben er und sein Partner deswegen die Polizei eingeschaltet und den Beamten sämtliche Geschehnisse der letzten Wochen rapportiert: Sie berichteten von dem ums Haus herumschleichenden Herrn, der neuen nächtlichen Unruhe ihres Sennenhundes und den ominösen Briefen, die sie erreicht hatten.

Vor wenigen Wochen erhielten die Empfänger zum ersten Mal ein solches Schreiben. Auf einem A4-Papier standen da gereimte Sätze wie: «D Luzifer-Jönger meine, si seged guet verstekt, samt erem gmeine u bööse Tue em Gheime.» Der Herr im Himmel würde «diesem Geheimbund den wirklichen Meister zeigen».

Damals hätten sie das Ganze auf die leichte Schulter genommen – «wir fühlten uns nicht wirklich bedroht», erinnert sich M.. Vielleicht handelt es sich beim Absender um einen Einsamen, der die Corona-Zeit nicht gut übersteht. Auch an Homophobie hätten sie gedacht – «doch wir liessen uns erst einmal nicht aus der Ruhe bringen», sagt M..

«Brandstiftungsgefahr» – eine Drohung?

Doch nun, als vergangene Woche das inzwischen dritte Schreiben im Briefkasten landete, wurden die beiden langsam, aber sicher nervös. Diesmal kam das Schreiben auf dem Postweg in den örtlichen Gastronomiebetrieb, der vom Partner geführt wird, geflattert. Und: Der Brief enthielt nun gar eine Art Drohung. «Brandstiftungsgefahr» prangerte jetzt nämlich als Titel im Schreiben.

So ist den beiden das Lachen definitiv vergangen: «Wenn plötzlich auch noch eine Art Drohung ausgesprochen wird, die noch dazu das Unternehmen betrifft, dann ist die Sache wirklich nicht mehr zum Spassen», sagt der Betroffene. Auch würde sich der Schwiegervater fürchten: «Wir leben zusammen in einem Bauernhaus aus Holz inmitten des Dorfes – wenn jemand mit Feuer droht, wird man schon unruhig», sagt M.. Zudem seien auch andere Leute aus Hilterfingen besorgt: «Wir sind nicht die Ersten, die von diesem Mann belästigt werden», weiss M..

Polizei über «wirre Briefe» im Bild

Wie die Polizei auf Anfrage mitteilt, gingen am Wochenende Meldungen zu «wirren Briefen» ein. «Diesen Angaben gehe wir nach», sagt Polizeisprecherin Isabelle Wüthrich. Gegenüber 20 Minuten sagt die Polizeisprecherin, es gebe derzeit aber keinen Hinweis für eine Gefahr für die Bevölkerung.

Auf dem Posten soll die Polizei Hilterfingen die Sache ebenfalls ernst genommen haben. «Man versicherte uns, dass man über den Herrn im Bilde sei – Spinnen sei aber nicht strafbar.»

Dass hier also niemand etwas ausrichten kann, besorgt die Hilterfinger. M. möchte die Behörden zum Handeln bringen.

Ein unangenehmes Gespräch mit dem Briefeschreiber

Dass er selber nichts ausrichten kann, hat er in den letzten Wochen bereits feststellen müssen. Den «tyrannisierenden Mitbürger» hatte er nämlich bereits in einem Gespräch zur Vernunft bringen wollen. So schildert M. von einem unangenehmen Zusammentreffen mit dem Briefeschreiber: «Erst kürzlich bellte unser Hund am Nachmittag laut auf. Als ich nach draussen ging, sah ich den Mann wieder vor unserem Haus herumlungern.»

Also habe er allen Mut zusammengenommen und sei auf den Herrn, der stets ein metallenes Herz um den Hals trage, zugegangen. «Er sagte mir, er schaue sich nur unsere Blumen an.» Auf die Frage, weshalb er ihnen Briefe schreibe, sei er schliesslich laut geworden – «er sprach davon, dass hier ein Zentrum Luzifers in Planung sei». Bei diesem Gespräch habe er schnell gemerkt: «Bei diesem Mann stimmt etwas nicht. Er scheint ein religiöser Fanatiker zu sein, der vielleicht eine Gefahr für uns oder auch für sich selbst darstellt.»

*Name geändert

(20min)

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