«Dann griff sie zum Mikrofon»: Wirre Pilotin – Passagiere flüchten vor Start
Aktualisiert

«Dann griff sie zum Mikrofon»Wirre Pilotin – Passagiere flüchten vor Start

Das Auftreten und die Durchsagen einer Pilotin jagten den United-Passagieren von Flug 455 eine solche Angst ein, dass sie die Maschine kurz vor dem Abflug verliessen.

von
gux

Sie kam nicht in ihrer Pilotinnen-Uniform, sondern im verwaschenen T-Shirt und einer Baseball-Kappe. «Erst dachte ich, sie sei eine Passagierin, die sich bei der Crew beklagt», sagte Chris Moore, der mit United Airlines von Texas nach San Francisco fliegen wollte. «Aber dann griff sie zum Mikrofon.»

Dem Fluggast wurde klar, dass es sich hier um die Pilotin des Flugzeugs handelt. Nicht nur sein Unbehagen stieg, als die Frau über Lautsprecher eine Schimpftirade gegen Donald Trump und Hillary Clinton von sich gab, wirre Witze machte und dann verkündete, niemand brauche sich zu beunruhigen, sie lasse den Co-Piloten fliegen. «Der ist schliesslich ein Mann», sagte sie. Einer anderen Passagierin zufolge soll die namentlich nicht genannte Pilotin über das Mikrofon die Passagiere auch dazu aufgefordert haben, darüber abzustimmen, ob sie ihre Uniform anziehen oder in Zivil fliegen solle.

Wer Angst hat, soll die Maschine verlassen

Angesichts der wachsenden Verunsicherung an Bord sagte die Pilotin: «Wer Angst hat, soll die Maschine verlassen. Ansonsten sind wir startklar.» Passagier Randy Reiss twitterte noch aus dem Flugzeug: «Ich zittere gerade. Ich verlasse gerade den United-Flug 455, weil die Pilotin zeigt, dass sie mental nicht mehr auf der Höhe ist.» Die Hälfte der Leute an Bord seien seinem Beispiel gefolgt, schreibt er weiter. Einige Leute hätten geweint, denn die Ankündigung der Pilotin, man stehe kurz vor dem Take-off, verängstigte offenbar viele.

Die Pilotin habe sich bei ihm für die Verzögerung entschuldigt und ihm erklärt, sie mache gerade eine schwere Zeit durch und befinde sich in Scheidung. Zum Abschied soll sie ihn umarmt und ihm weinend vorgeschlagen haben, mit ihr ein Buch zu schreiben. «Ich hoffe, sie erhält die Hilfe, die sie braucht. Das war verdammt beängstigend», twitterte er.

Airline entschuldigt sich

Schliesslich führte verständigtes Sicherheitspersonal die Pilotin aus der Maschine, ein Kollege übernahm den Flug nach San Francisco, 90 Minuten nach dem vorgesehenen Start. Die Airline entschuldigte sich in einer Mitteilung. Medienanfragen, wer die angeschlagene Pilotin sei und was mit ihr weiter geschehen werde, beantwortete United nicht.

Passagier Reiss fotografierte die Pilotin beim Verlassen des Flugzeugs:

(Quelle: Twitter/Randy Reiss)

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