27.04.2020 02:57

Neue Gewohnheit

Wirst du nach Corona noch Hände schütteln?

Wegen Sars-CoV-2 ändern viele Menschen ihr Leben. So will etwa die Hälfte der Briten auf Handshakes und Begrüssungsküsschen verzichten.

von
Fee Riebeling
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Auch Bruce Aylward, der Leiter der WHO-Mission nach China, begrüsst nur noch selten mit einem Handshake.

Auch Bruce Aylward, der Leiter der WHO-Mission nach China, begrüsst nur noch selten mit einem Handshake.

Keystone/Salvatore di Nolfi
In verschiedenen Firmen und bei Messen wurde das Handshake-Gebot schon früh eingeführt.

In verschiedenen Firmen und bei Messen wurde das Handshake-Gebot schon früh eingeführt.

Keystone/AP/Henning Kaiser
Auch das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt seit Anfang März 2020, auf Händeschütteln zu verzichten.

Auch das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt seit Anfang März 2020, auf Händeschütteln zu verzichten.

Keystone/AP/Marco Ugarte

Bis vor einigen Monaten galt das Zurückweisen einer ausgestreckten Hand noch als unhöflich. Doch dann breitete sich das neuartige Coronavirus immer weiter aus und sogar das Bundesamt für Gesundheit BAG empfahl offiziell, das Händeschütteln zu vermeiden. Dies zumindest so lange, wie Sars-CoV-2 eine Bedrohung darstellt. «Wie die Situation später aussieht, wird man sehen», so Katrin Holenstein vom BAG auf Nachfrage von 20 Minuten.

Deutlich konkreter sind da bereits die Vorstellungen der Briten. Wie Thesun.co.uk schreibt, hat die Befragung von 2000 Erwachsenen im Land ergeben, dass rund die Hälfte niemals wieder Händeschütteln will. Drei von fünf Personen wollen auch darauf verzichten, Freunde mit Umarmungen und Küssen zu begrüssen.

«Nie wieder Hände schütteln»

Anthony Fauci, Direktor des amerikanischen National Institute of Allergy and Infectious Diseases, dürfte dies gutheissen. Bereits Anfang April sagte er während einer Pressekonferenz im Weissen Haus: «Um ehrlich zu sein sollten wir uns nie wieder die Hände schütteln. Es würde nicht nur dabei helfen, das Virus zu verhindern, sondern auch das Risiko, an einer Grippe zu erkranken, drastisch senken.»

Und nicht nur das. Nach Angaben der deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) werden bis zu 80 Prozent der ansteckenden Krankheiten über unsere Hände übertragen.

Heikle Begrüssungsküsschen

Dorothea Herb, Leiterin Spitalhygiene am Stadtspital Waid und Triemli, hält es für möglich, dass auch nach der Covid-19-Pandemie «in Spitälern und anderen medizinischen Einrichtungen generell auf das Händeschütteln verzichtet werden könne.» Sicher sei auf jeden Fall, dass weiterhin auf eine gute Handhygiene Wert gelegt werde: «Gründliches Händewaschen vor oder nach dem Händeschütteln stellt eine sichere Massnahme dar, um eine Übertragung von Krankheitskeimen zu vermeiden.»

Wie die Menschen in der Schweiz künftig mit Begrüssungsritualen umgehen werden, vermag Herb nicht zu sagen. Zwar gäbe es bereits Alternativen wie den Ellenbogengruss. Doch «ob sich diese neuen Begrüssungsformen durchsetzen können, werden wir in spätestens ein paar Jahren sehen.»

Ungeachtet dessen empfiehlt sie bei Begrüssungsküsschen besondere Vorsicht walten zu lassen: «Wenn die andere Person immungeschwächt oder krank ist, sollte man unter Umständen davon absehen.» Dies vor allem, wenn man selbst erkältet sei.

Wie schwierig es ist, alte Gewohnheiten aufzugeben, zeigen folgende Videos:

Berset bittet die Bevölkerung, aufs Händeschütteln zu verzichten. Doch dann unterläuft ihm ein Fehler. (Video: Leserreporter)

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel tat sich am Anfang noch schwer mit der neuen Grussetikette. (Video: Twitter)

Der Handschlag? Ein altes Gut!

Bereits in der Antike gaben sich Menschen die Hand. Darauf lassen zumindest Darstellungen auf Grabplatten, an Tempeln oder auf alten Vasen der Römer schliessen. Die Griechen waren indes davon überzeugt, dass Hades, der Herrscher über die Unterwelt, jeden Neuankömmling persönlich mit Handschlag begrüsste. Wo dieser Brauch seinen Ursprung hat, ist nicht endgültig geklärt. Als am wahrscheinlichsten gilt, dass man seinem Gegenüber durch das Entgegenstrecken der offenen Handflächen zeigte, dass man ungewaffnet sei und entsprechend in Frieden kommt. (Bild: iStock)

Dorothea Herb ist Leiterin Spitalhygiene am Stadtspital Waid und Triemli.

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