Aktualisiert 18.05.2016 15:24

Greifensee

Wirt bietet Gratismenüs für Mittellose an

Der Geschäftsführer des Restaurants Toscana in Greifensee offeriert jenen kostenloses Essen, die es sich nicht leisten können. Im Internet ist er bereits ein Held.

von
ced
1 / 7
Elvira und Gino Ramadani vor ihrem Restaurant Toscana in Greifensee.

Elvira und Gino Ramadani vor ihrem Restaurant Toscana in Greifensee.

som
Jenen Gästen, die sich keinen Restaurantbesuch leisten konnten, boten sie gratis Pizza oder Pasta an.

Jenen Gästen, die sich keinen Restaurantbesuch leisten konnten, boten sie gratis Pizza oder Pasta an.

som
«Wenn Sie Hunger haben, aber kein Geld, können Sie hier trotzdem essen und später bezahlen. Wenn Sie gar nicht bezahlen können, ist das auch nicht schlimm, denn niemand soll hungern müssen», steht auf einem Zettel, der beim Eingang des Lokals hängt.

«Wenn Sie Hunger haben, aber kein Geld, können Sie hier trotzdem essen und später bezahlen. Wenn Sie gar nicht bezahlen können, ist das auch nicht schlimm, denn niemand soll hungern müssen», steht auf einem Zettel, der beim Eingang des Lokals hängt.

som

Ein unscheinbarer Zettel an der Tür des Restaurants Toscana in Greifensee schlägt momentan auf Facebook hohe Wellen: Bereits über 2300-mal wurde ein Foto des Aushangs geteilt, 5400 Personen zeigen mittels Daumen oder Herzen ihre Bewunderung. Grund ist die Botschaft auf dem Zettel. «Wenn Sie Hunger haben, aber kein Geld, können Sie hier trotzdem essen und später bezahlen. Wenn Sie gar nicht bezahlen können, ist das auch nicht schlimm, denn niemand soll hungern müssen», steht darauf geschrieben.

Geschäftsführer Gino Ramadani hat die Aktion am Sonntag zusammen mit seiner Frau Elvira Ramadani ins Leben gerufen. Seither hat er bereits rund 30 Gratismenüs offeriert – zur Auswahl stehen Pasta oder Pizzas. Seine Motivation erklärt er wie folgt: «Täglich sieht man, was in der Welt Schlimmes passiert. Es wird Zeit für etwas Positives.»

«Vor Freude musste sie weinen»

Die Idee ist indes nicht neu: In Berlin hat ein Lokal mit derselben Aktion bereits für Rummel gesorgt. «Dieses Restaurant wird von meinem Onkel geführt», erzählt Ramadani. «Ein persönliches Erlebnis hat dazu geführt, dass ich nun auch in der Schweiz Essen offeriere.» Er spricht damit ein Treffen mit einer Familie an, die aufgrund ihres knappen Budgets seit neun Jahren nicht mehr in einem Restaurant gewesen sei. «Ich habe der Mutter gesagt, sie könne einmal im Monat zu uns kommen. Vor Freude begann sie zu weinen», erzählt Ramadani.

Laut dem Geschäftsführer sind es «ganz normale Leute», die wegen des Gratismenüs vorbeikommen. Ob er nicht Angst habe, dass seine Aktion ausgenutzt werde? Nein, sagt Ramadani: «Ich glaube an das Gute im Menschen.» Er kontrolliert deshalb auch nicht, ob jemand wirklich knapp bei Kasse ist – das sei Gefühlssache. «Man spürt, ob das jemand nötig hat.»

Bereits hätten sich Aussenstehende gemeldet, die seine Aktion unterstützen wollten. Der Geschäftsführer glaub deshalb nicht, dass das Angebot schon bald wieder vorbei sein wird: «Ich werde es weiterführen, bis es finanziell nicht mehr tragbar ist.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.