Video aufgetaucht - Wirt fantasiert über Amoklauf gegen Alain Berset
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Video aufgetauchtWirt fantasiert über Amoklauf gegen Alain Berset

«Du weisst nie, wenn im Tram jemand eine Rakete dabei hat»: In einem Video droht ein Wirt dem Gesundheitsminister. Das Bundesamt für Polizei prüft rechtliche Schritte.

von
Pascal Michel
Daniel Krähenbühl
20min/News-Scout

Darum gehts

  • Die Zertifikatspflicht spaltet die Schweiz.

  • Bei einem Wirt sind nun die Sicherungen durchgebrannt.

  • An Berset gerichtet sagt er: «Komm ja nicht in die Innerschweiz. Du weisst nie, wenn im Tram jemand eine Rakete dabei hat.»

  • Der Bund prüft nun rechtliche Schritte.


Der Bundesrat hat im Kampf gegen die Pandemie zur grossen Keule gegriffen: Ab Montag schränkt er das öffentliche Leben stark ein und erhöht mit der Zertifikatspflicht für Restaurants, Kinos und Fitnesscenter den Druck auf Ungeimpfte. Noch am Abend nach der Pressekonferenz des Bundesrats gab es vor dem Bundeshaus Proteste.

Derweil hat sich ein Wirt dermassen radikalisiert, dass er dem Gesundheitsminister in einem Video, das in den sozialen Medien kursiert, den Tod wünscht (siehe oben). «Ich widersetze mich und kontrolliere keinen einzigen Gast», kündigt der Mann an. Es könne nicht sein, dass er Leute kontrollieren müsse, während für Politiker dasselbe nicht gelte. Der Mann nennt die Regierung «Volksverräter», die «vor ein Kriegsgericht gehören».

Polizeischutz nütze nichts

Dem Gesundheitsminister, der eine «Hure der Pharmaindustrie» sei, sagt er: «Du kannst deine Luchs (Polizei-Sondereinheit) um dich haben, das nützt dir einen Scheissdreck (...). Wenn da jetzt wieder einer kommt wie der in Zug...» Damit spielt er auf den Amoklauf in Zug im Jahr 2001 an, als Fritz Leibacher 14 Politikerinnen und Politiker erschoss.

Der Wirt droht Berset: «Komm ja nicht in die Innerschweiz. Du weisst nie, wenn im Tram jemand eine Rakete dabei hat. Oder jemand zwei Kilometer entfernt mit dem Scharfschützengewehr sitzt.» Es sei mittlerweile «sehr, sehr gefährlich» für Berset, so der Mann.

«Das entsprechende Video ist dem Bundesamt für Polizei bekannt, es wurde uns von verschiedener Seite zugestellt», sagt Sprecher Florian Näf. «Es ist klar, dass wir bei solchen Fällen prüfen, ob eine strafrechtlich relevante Handlung vorliegt und welche Massnahmen und Möglichkeiten es gibt, um auf diese zu reagieren. Allgemein geben wir jedoch keine Auskünfte zu einzelnen Fällen.»

Harmloser Fanatiker oder gefährlicher Radikaler?

Forensiker Frank Urbaniok sagt, dass die meisten solcher hasserfüllter Fanatiker harmlos seien. In diesem Fall handle es sich eher um passive Drohungen. Aber: «Es schadet der Demokratie und ist gefährlich, wenn Politiker und andere öffentliche Personen in den sozialen Medien hemmungslos diffamiert, beschimpft, bedroht und damit zur Zielscheibe gemacht werden. Viele «Wutbürger» idealisieren laut Urbaniok bis heute den Attentäter von Zug, Fritz Leibacher. Das zeigt sich auch beim Wirt im Video, der behauptet, die Behörden hätten Leibacher «geplagt». Indirekt legitimiert der Wirt so die Tat Leibachers.

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