Aktualisiert 05.07.2020 15:17

Grenchen SO «Was der Wirt gemacht hat, ist absolut unverantwortlich»

In der Nacht auf Sonntag kam es in Grenchen SO zu einem Polizeieinsatz. Ein Wirt befand sich trotz seiner Corona-Quarantäne in seiner Bar.

von
Sven Forster, Christian Holzer
1 / 11
In der Nacht auf Sonntag kam es in Grenchen zu einem Polizeieinsatz.

In der Nacht auf Sonntag kam es in Grenchen zu einem Polizeieinsatz.

Der Wirt der Baracoa-Bar befand sich trotz Corona-Quarantäne in seiner Bar.

Der Wirt der Baracoa-Bar befand sich trotz Corona-Quarantäne in seiner Bar.

Der Wirt der Bar ist M.P.

Der Wirt der Bar ist M.P.

Facebook

Darum gehts

  • In Grenchen SO ist eine Bar geschlossen worden, nachdem sich dort eine Person aufhielt, die ihre Quarantäne missachtete.
  • Der Fall steht im Zusammenhang mit zwei Veranstaltungen vom letzten Wochenende.
  • Dabei wurden rund 280 Personen unter Quarantäne gestellt.

Wie ein Leser-Reporter berichtet, kam es in der Nacht auf Sonntag in der Baracoa-Bar in Grenchen zu einem Polizeieinsatz. Mehrere Polizeiautos seien vorgefahren und haben die Bar und Angestellten überprüft. Laut dem Leser sollte der Wirt der Bar eigentlich in Quarantäne sein, war jedoch vor Ort.

Wie die Staatskanzlei des Kantons Solothurn am Sonntag mitteilte, kontrollierte das Amt für Wirtschaft und Arbeit in Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei Solothurn am Samstagabend die Baracoa Bar in Grenchen. Dabei stellten sie fest, dass eine anwesende Person die Quarantänemassnahme missachtete.

Die Bar wurde darauf vorübergehend geschlossen. Die Polizei hatte zuvor einen anonymen Hinweise erhalten, dass in der Bar Anordnungen im Zusammenhang mit Covid-19 missachtet würden. Voraussichtlich wird die Bar am kommenden Dienstag wieder geöffnet, sagte Thomas Jud von der Kommunikationsabteilung des Kantons Solothurn am Sonntag.

Der Fall steht im Zusammenhang mit Veranstaltungen am vergangenen Wochenende. Eine positiv auf das Coronavirus getestete Person hatte die angeordnete Isolation missachtet und zwei Veranstaltungen im Raum Grenchen besucht. Der Kantonsarzt schickte deshalb am Donnerstagabend rund 280 Menschen in Quarantäne. Die Person, die nun mit der Anwesenheit in der Baracoa Bar ihre Quarantäne missachtete, war an einer der Veranstaltungen präsent. Sie wurde erneut unter Quarantäne gestellt. Die Behörden prüfen rechtliche Schritte gegen die Person.

«Ich hätte nicht dort sein dürfen.»

M.P.*, Wirt der Baracoa Bar, bestätigte auf Facebook den Besuch in der Bar. «Ich habe nur die Kasse gemacht und keine Kunden bedient.» Er sei erst spät dort eingetroffen, weil er dachte, es sei niemand mehr vor Ort. P. weiter: «Ich hätte nicht dort sein dürfen.»

«Ich habe den Beamten gesagt, ich mache Büro-Quarantäne, also hatte weder mit dem Personal noch mit Gästen etwas zu tun, sondern war alleine. Aber das hat sie nicht überzeugt», sagt der Wirt zum «Grenchner Tagblatt».

Ein Wirt, der sein Lokal in unmittelbarer Nähe des Baracoas hat, sagt gegenüber 20 Minuten: «Das ist absolut unverantwortlich. So etwas verstehe ich nicht. Das käme mir nie in den Sinn.» Gerade als Wirt müsse man Corona ernst nehmen. Der Berufskollege werde jetzt wohl die Quittung für seinen Leichtsinn bekommen, meint der Wirt. «Die Polizei ist offenbar mit sechs Streifenwagen vorgefahren. Das zeigt den Ernst der Lage.»

Bar bleibt einige Tage geschlossen

M.P. sei am vergangenen Samstag zu einem Fest im Parktheater eingeladen gewesen. Eine positiv auf das Coronavirus getestete Person hatte die Isolation missachtet und war ebenfalls an dieser Veranstaltung. Am Donnerstag schickte der Kantonsarzt deswegen 280 Personen in Quarantäne. Auch der Wirt hatte eine Anweisung per SMS erhalten, dass er sich in Quarantäne begeben soll. Auf Facebook schreibt P.: «Ich war auch an der Party – jedoch nur 5 Minuten. Organisatoren der Veranstaltung sind Kunden von uns. Ich wollte mich nur schnell zeigen. Nach fünf Minuten war ich wieder draussen.»

Er sei nach der Quarantäne-Anordnung am Freitag und Samstag daheim geblieben. Nur für die Abrechnung im Lokal habe er sein Zuhause verlassen.

Bis zum 8. Juli bleibt die Baracoa Bar vorerst geschlossen. Laut Aussagen von P. allerdings nicht wegen seiner nicht erfüllten Quarantäne, sondern weil sich eine positiv getestete Person im Baracoa aufgehalten hat. «Ich muss die Bar zumachen, bis alle Daten überprüft sind. Das dauert ungefähr zwei Tage.»

Ein Missachtung der Quarantänemassnahmen kann gemäss der Staatskanzlei Solothurn rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Laut Epidemiengesetz können Bussen bei Verstössen gegen angeordnete Quarantäne- und Isolationsmassnahmen bei fahrlässigem Verhalten bis zu 5000 Franken und bei vorsätzlichem Verhalten bis zu 10'000 Franken betragen.

* Name der Redaktion bekannt

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.