Vom Fedpol verhört - Wirt nimmt Stellung zu Wut-Video – «ich bin nicht gefährlich»
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Vom Fedpol verhörtWirt nimmt Stellung zu Wut-Video – «ich bin nicht gefährlich»

Nach der Ankündigung, dass in Innenräumen von Restaurants Zertifikate gefordert werden, reagierte ein Wirt impulsiv und heftig. Nun wurde er vernommen und ist seinen Job los.

von
Philippe Coradi
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Ein Wirt liess in einem Video seiner Wut freien Lauf. Dieses verbreitete sich wie ein Lauffeuer. 

Ein Wirt liess in einem Video seiner Wut freien Lauf. Dieses verbreitete sich wie ein Lauffeuer.

20min
Darauf wurde er von der Bundespolizei Fedpol vernommen. Ob seine Rede rechtliche Konsequenzen haben wird, ist noch offen. 

Darauf wurde er von der Bundespolizei Fedpol vernommen. Ob seine Rede rechtliche Konsequenzen haben wird, ist noch offen.

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

  • Nachdem der Bundesrat beschlossen hatte, dass es für die Innenräume von Restaurants ein Zertifikat braucht, nahm ein Nidwaldner Wirt ein Selfie-Video auf, in dem er Bundesrat Berset hart anging.

  • Das Video verbreitete sich rasant, der Wirt wurde von der Bundespolizei Fedpol verhört. Er selbst bezeichnet sich als harmlos.

  • Er verlor seine Arbeitsstelle, obwohl eine ihm fremde Person sein Video ins Netz hochgeladen hat.

«Komm ja nicht in die Innerschweiz. Du weisst nie, wenn im Tram jemand eine Rakete dabeihat.» Diesen Satz und weitere Drohungen sprach der Pächter des Club-Lokals des SC Buochs in einem Selfie-Video aus. Dieses ging am letzten Freitag viral und sorgte auch in den Medien für grosses Aufsehen.

Fedpol eingeschaltet

Nun wurde der Mann vom Fedpol vernommen, konnte aber nach eigenen Angaben am selben Tag wieder nach Hause. Gegenüber den Zeitungen von «CH-Media» bedauert er sein Verhalten und betont: «Ich habe Berset auch nicht gedroht, dass er wegen mir persönlich aufpassen muss. Ich bin nicht gefährlich.» In seinen Augen sieht auch das Fedpol das so, denn: «Hätten sie mich als Risiko eingestuft, wäre ich sicher nicht auf freiem Fuss.»

Das Video habe er nach dem Aufnehmen allerdings nicht selbst hochgeladen, sondern einfach ein paar Freunden geschickt. Und diese sollen es ihren Freunden geschickt haben. Am Schluss habe eine fremde Person das Video ins Netz geladen.

Von Warnung bis Gefängnis

Nebst der Einvernahme durch die Bundespolizei hatte das Video auch berufliche Konsequenzen. Noch vor dem Wochenende setzten sich die Verantwortlichen des SC Buochs mit ihm zusammen und beide sagen, man habe den Vertrag in gegenseitigem Verständnis aufgelöst.

Das Fedpol hat verschiedene Möglichkeiten, auf einen Vorfall wie diesen zu reagieren. Eine davon ist, dem Verfasser einen Grenzziehungsbrief zu schreiben. In diesem wird klar gemacht, dass sich der Verfasser auf der Schwelle zu einer Straftat befindet. Bei gravierenden Fällen kann es auch zur Eröffnung eines Strafverfahrens kommen. Dann muss damit gerechnet werden, dass man befragt, vorübergehend festgenommen oder in Untersuchungshaft gesetzt wird.

2020 untersuchte die Fedpol 885 Drohungen. 64 davon stufte sie als eine tatsächliche Drohung/potenzielle Fremdgefährdung ein. Gegenüber 2019 (246/18) ist das ein markanter Anstieg. Zahlen zum laufenden Jahr nennt die Fedpol nicht.

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