Rauchverbot: Wirte befürchten Anstieg bei Privat-Partys

Aktualisiert

RauchverbotWirte befürchten Anstieg bei Privat-Partys

Mit dem Rauchverbot bleibt das Party-Publikum zuhause und bestellt den Catering-Service - das zumindest befürchten Wirte. Allerdings völlig zu Unrecht.

von
Othmar Bamert

Seit dem 1. Mai darf landesweit in öffentlichen Räumen nicht mehr geraucht werden. Für viele Restaurantbesitzer und Barbetreiber Anlass zu tiefen Sorgenfalten. Ihre Angst: Mit dem Rauchverbot verdufteten auch die geselligen und konsumfreudigen Raucherinnen und Raucher und hinterlassen ein grosses Loch in der Barkasse. Ernst Bachmann, Wirt und Präsident des Gastgewerbeverbandes Gastro Zürich, nennt die Verlierer der neuen Antirauchergesetzgebung: «Kleinbetriebe, die den Grossteil ihres Umsatzes mit Getränken machen und Landgasthöfe, die kaum Alternativen zum bewährten Geschäftsmodell haben.» Jene Betriebe werden ohne Raucherplätze ums Überleben kämpfen müssen, so Bachmann, das habe die Erfahrung im Bündnerland und Bernbiet gezeigt.

Man holt die Beiz zu sich nach Hause

Manch ein Gast würde seine Krumme nun halt zuhause anzünden. Mehr noch: Der von der Obrigkeit aufgezwungene Rauchverzicht könnte Feierfreudige dazu bewegen, die Geburtstagsparty oder das Konfirmationsfest nicht mehr im Festsääli der Stammbeiz abzuhalten, sondern zuhause oder in der gemieteten Festhütte. Verbandsmitglied Bruno Rast erzählte «Radio 24», er sei am Samstag an eine Privatparty eingeladen gewesen. «Da wird aus vollen Zügen geraucht, das ist eine Sauerei und schadet dem Gastgewerbe», ärgerte sich Rast. Denn für das leibliche Wohl neben dem geliebten blauen Dunst sorge dann ein Partyservice, während die Wirte leer ausgehen.

Tatsächlich wird nicht so heiss gelöffelt wie gekocht. «Wir rechnen nicht mit mehr Catering-Aufträgen», sagt Stephanie Steinmann des Gross-Caterers SV Service. Die gleiche Antwort gibt Bettina Candrian von Candrian Catering in Zürich. Alles andere als hektische Aufregung auch beim vegetarischen Caterer Hiltl: «Wir erwarten keine Verschiebung des Geschäfts Richtung Heimlieferungen», sagt die stellvertretende Geschäftsleiterin Anuschka Gwada.

«Es riecht irgendwie komisch»

Entspannte Caterer

Dass der 1. Mai keine Revolution im Gastgewerbe einläutet, zeigt auch die Erfahrung. Schliesslich gingen 15 Schweizer Kantone bereits letztes Jahr verschärft gegen den blauen Dunst vor. Im Kanton Bern zum Beispiel gelten die strengen Gesetze seit dem 1. Juli 2009, und von einer ausgesprochenen Goldgräberstimmung bei den Lieferdiensten ist im Bernbiet nicht viel zu spüren. Auch wenn das Catering-Geschäft trotz Konjunkturbaisse nicht schlecht laufe, wie die Anbieter versichern. «Gute Aufträge, aber kein sprunghafter Anstieg», meldet beispielsweise die Catering-Abteilung der Migros Aare. Auch kleinere Lieferdienste wie Cultina oder Boss Catering berichten nach dem Rauchstopp in den Beizen einen normalen Geschäftsgang.

Raucher sollten ausserdem bedenken: Dem Schleichweg über den Hauslieferdienst sind enge Grenzen gesetzt. Sobald man eine Person für das professionelle Anrichten von Speis und Trank engagiert, gilt die eigene Wohnung als öffentlicher Raum. Dann greift wiederum das Antirauchergesetz - und die Polizei schreitet von Amtes wegen ein, sobald sie Wind von der Raucherparty kriegt.

Kreativität gefragt

Viel Rauch um nichts also? Bettina Candrian verweist auf die Nachbarländer Italien und Frankreich, traditionell grosse Liebhabernationen des blauen Dunstes: «Die Situation wird sich auch in der Schweiz einpendeln, Raucher und Nichtraucher werden sich arrangieren. Und die Luft wird für alle etwas angenehmer werden.»

Ihre Einschätzung unterstreichen zahlreiche Studien aus dem Ausland. Generelles Fazit: Das Gastgewerbe erleidet im Schnitt kaum Umsatzeinbussen, einzelne Betriebe kann es allerdings hart treffen.

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