EU-Arbeitskräfte : Wirte und Spitäler fürchten Ventilklausel
Aktualisiert

EU-Arbeitskräfte Wirte und Spitäler fürchten Ventilklausel

Die Schweiz schränkt auch die Einwanderung für Personen aus den alten EU-Staaten ein. Das hat Auswirkungen auf das Servicepersonal und auf die Pflege.

von
Sabina Sturzenegger
Serviceangestellte in der Schweiz: Kommt es zu einem Mangel wegen der Ventilklausel?

Serviceangestellte in der Schweiz: Kommt es zu einem Mangel wegen der Ventilklausel?

In den nächsten 12 Monaten dürften insgesamt einige Tausend Personen weniger in die Schweiz einwandern. Die Einführung der Ventilklausel für die EU-17-Staaten hat zur Folge, dass weniger Aufenthaltsbewilligungen für fünf Jahre erteilt werden.

Das tönt eigentlich noch nicht dramatisch. Doch der Entscheid des Bundesrats vom Mittwoch wird insbesondere in der Gastrobranche und im Gesundheitswesen gefürchtet.

Die Schweizer Gastbetriebe können ohne ausländisches Personal «nicht auskommen», wie Hannes Jaisli, Leiter Wirtschaft und Recht beim Verband Gastrosuisse sagt. Kein anderer Geschäftszweig in unserem Land beschäftigt mehr ausländische Fachkräfte und Mitarbeiter als Cafés, Gaststätten und Restaurants: Über 40 Prozent der rund 200'000 Beschäftigten stammen aus dem Ausland. Der Grossteil davon aus der EU.

Ein Problem für die Gastronomie

Diese trifft die Ventilklausel. Viele Wirte und Restaurantbetreiber sehen sich in den nächsten Monaten deshalb mit einem Problem konfrontiert. «Die Ventilklausel wirkt sich frappant auf unser Gewerbe aus», sagt Jaisli. Es gebe zwar die Ausweichmöglichkeit auf die einjährige L-Bewilligung anstelle der fünfjährigen B-Bewilligung. «Doch», so fürchtet Jaisli, «es erhöht die administrative Belastung der Betriebe und dürfte in der Regel eher jüngere und noch weniger erfahrene Mitarbeitende ansprechen.»

Nicht nur die Fluktuation unter dem Servicepersonal wird höher sein. Auch die Motivation, Sprache und Gepflogenheiten des Landes zu lernen, dürfte abnehmen. «Wer die Aussicht auf nur ein Jahr Arbeit in der Schweiz hat, wird sich anders anpassen als ein Auswanderer, der sich auf mindestens fünf Jahre am neuen Arbeitsort einstellt», sagt Jaisli.

Personalprobleme in Spitälern

Auch für die Spitäler wird sich durch die Ventilklausel das Personalproblem verschärfen: «Wir werden vakante Stellen weniger gut besetzen können», warnt Dorit Djelid vom Spitalverband H-Plus.

Beim Pflegepersonal liegt der Ausländeranteil in der Schweiz bei 33 Prozent, bei den Ärzten sogar bei 39 Prozent. Auch hier stammt ein Grossteil aus der EU. «Die Spitäler sind zudem mit einem erhöhten administrativen Aufwand konfrontiert, weil die Prozedur zur Erlangung der Bewilligungen aufwändiger wird», ergänzt Djelid.

Pflege vom Ausländern abhängig

Der Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) schliesst sich dieser Einschätzung an, wie Vize-Präsidentin Barbara Gassmann erklärt. «Unser Berufsstand war schon immer stark von ausländischen Fachkräften abhängig», sagt sie. Die Einführung der Ventilklausel mache die Rekrutierung nicht einfacher. «Sie ist sicher schlecht für uns», sagt sie.

Gassmanns Forderung: Es gelte, den Pflegeberuf für Inländer wieder attraktiv zu machen: «Wir brauchen genügend gute Arbeitsbedingungen an Spitälern und Pflegeeinrichtungen, um den Bedarf an Fachkräften weiterhin decken zu können.»

Welche Bewilligung heisst wie?

Bewilligungen B, eine Aufenthaltsbewilligung mit Arbeitserlaubnis. Dafür müssen Einwanderer aus EU und EFTA-Staaten einen Arbeitsvertrag vorlegen, der 12 Monate oder länger dauert. Die B-Bewilligung ist fünf Jahre gültig.

Kurzaufenthaltsbewilligung L: Diese wird für eine befristete Zeit (in der Regel weniger als ein Jahr) ausgestellt, beispielsweise an Aupairs oder Praktikanten. Die L-Bewilligung kann gemäss dem Bundesamt für Migration nach einem Gesamtaufenthalt von einem Jahr erneuert werden, ohne dass der Ausländer die Schweiz verlassen muss. (egg)

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