Wirtschaft fordert 5000 Franken fürs Studieren
Aktualisiert

Wirtschaft fordert 5000 Franken fürs Studieren

Der Arbeitskreis Kapital und Wirtschaft, Avenir Suisse und economiesuisse fordern eine Qualitätsoffensive in der Bildung.

Angesichts des Drucks auf die öffentlichen Haushalte stellten sie am Dienstag in Bern ein Modell einer gemischten Studienfinanzierung mit einer Erhöhung der Studiengebühren zur Diskussion. Mit den zusätzlichen Mitteln aus Studiengebühren soll an den Hochschulen eine Qualitätsoffensive eingeleitet werden. Der angelaufene Bologna-Prozess, also die Umstellung auf ein zweigeteiltes Studium mit den international anerkannten Abschlüssen «Bachelor» und «Master» biete eine einmalige Chance für eine umfassende Hochschulreform, hiess es. Gefördert werden solle insbesondere die Lehre. Die am Dienstag in Bern vom Arbeitskreis und Vertretern der Avenir Suisse und economiesuisse vorgestellte Studie schätzt, dass mit den Mitteln aus zusätzlichen Gebühren etwa 800 Professuren geschaffen werden können und so die Betreuungsverhältnisse gerade in den Geistes-, Sozial- und Rechtswissenshaften massiv verbessert werden könnten.

Damit die Umstellung auf höhere Studiengebühren in sozial verträglicher Form geschehen kann, werden verschiedene Finanzierungsmodelle erörtert. Dabei zeigt sich gemäss den Initianten, dass mit einem staatlichen Mitteleinsatz von rund 100 Millionen Franken pro Jahr rund 60.000 Studierende, also rund die Hälfte der heute an Hochschulen und Fachhochschulen eingeschriebenen Studentinnen und Studenten, in den Genuss von teils verzinslichen, teils unverzinslichen Darlehen geraten könnten. Darlehen seien komplementär zu Stipendien und parallen zur Erhöhung von Gebühren.

In der Studie wird darauf hingewiesen, dass die heutigen Studiengebühren im Ausland mit Ausnahme Kontinentaleuropas um fünf- bis 20 Mal höher sind als in der Schweiz. Die momentanen Studiengebühren betragen in der Schweiz weniger als zwei Franken pro Vorlesungs- oder Seminarstunde und deckten ungefähr drei Prozent der Gesamtkosten. Bei 130.000 Studierenden mit angenommenen Gebühren von jährlich 5.000 Franken ergäbe sich ein zusätzlicher persönlicher Beitrag der unmittelbaren Nutzniesser eines Studiums von 500 Franken pro Jahr. Dies würde ungefähr zwölf Prozent der momentanen Hochschulausgaben der öffentlichen Hand entsprechen.

Die Studie geht davon aus, dass mit diesen Instrumenten die Chancengleichheit gegenüber heute vergrössert werden könnte. Gleichzeitig soll die Studienqualität vor allem dank verbesserter Betreuung und effektiver Umsetzung des Bologna-Prozesses spürbar erhöht werden, damit die Schweiz international an der Spitze mithalten könne. Dies sei im Interesse des Wirtschaftsstandorts und damit letztlich auch der Sicherung von sozialer Sicherheit und Wohlstand. (dapd)

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