Aktualisiert 24.12.2008 12:52

KriseWirtschaft sieht «deutliche Verschlechterung»

Schweizer Unternehmen haben in den letzten Monaten eine deutliche Verschlechterung der Wirtschaftslage festgestellt. Vor allem die Exportindustrie leidet unter einem rasanten Rückgang der Aufträge. Das hat Folgen für Investitionen und Arbeitsplätze.

Eine Mehrheit der Schweizer Unternehmen rechnet für 2009 mit einem sinkenden Geschäftsgang, wie die Auswertung der Gespräche zeigt, die die Delegierten der Schweizerischen Nationalbank (SNB) mit rund 180 Wirtschaftsvertretern geführt haben. Die Unsicherheit darüber, wie stark dieser Rückgang ausfallen wird, sei jedoch gross.

Anzeichen einer Abschwächung habe es zwar bereits früher gegeben, doch sei die Geschwindigkeit überraschend, mit der der Auftragseingang spätestens seit Ende September nachgelassen habe, hält die SNB in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Bericht fest.

Die SNB-Delegierten für regionale Wirtschaftskontakte führten in den Monaten September bis November Gespräche mit Vertretern aus verschiedenen Branchen und Sektoren.

Exportwirtschaft hart getroffen

Am stärksten mache sich der Stimmungswandel in der Exportwirtschaft bemerkbar, hält die SNB in ihrem Quartalsbericht fest. Dagegen seien weite Teile der Binnenwirtschaft bislang relativ resistent geblieben.

Viele exportorientierte Betriebe sehen sich aufgrund der verschlechterten Aussichten veranlasst, ihre Budgetpläne zu überprüfen und das Ausgabenwachstum zu senken. Die Werbung werde zurückgefahren, Investitionen würden aufgeschoben und frei werdende Stellen nur noch zurückhaltend neu besetzt.

Der Nachfragerückgang im US-Markt war für die Firmen nichts Neues. Aber nun neige auch der europäische und selbst der chinesische Markt zunehmend zur Schwäche. Vielerorts seien die Auftragsbestände zwar noch hoch, doch scheine die Zahl der Betriebe, welche die Produktion zu drosseln beginnen, rasch zu wachsen.

Besonders stark betroffen seien die Zulieferer der Textil-, Elektronik- und Autoindustrie. Aber auch die Uhren- und Schmuckindustrie rechne mit einem schwächeren Geschäftsgang. Einzig Nischenanbieter wie die Energietechnik sowie die traditionell konjunkturresistente Nahrungsmittelindustrie zeigten kaum Veränderungen.

Keine Kreditklemme

Seltener geworden seien Klagen über den ausgetrockneten Arbeitsmarkt und die Entwicklung der Beschaffungspreise. Die Folgen für den Arbeitsmarkt seien bisher verhalten ausgefallen.

Die Firmen nutzten die natürliche Fluktuation aus. Darüber hinaus würden Überzeiten abgebaut und Ferien angeordnet. Dennoch hätten einige Unternehmen bereits Kurzarbeit angekündigt oder beschlossen.

Befürchtungen vor einer Kreditklemme hätten sich nicht bewahrheitet, schreibt die SNB. Sorgen machen den Unternehmen aber der starke Franken gegenüber dem Euro und allgemein die Währungsschwankungen.

Konsum widerstandsfähig

Als widerstandsfähig erwies sich bislang der Konsum. Zwar sei die Konsumentenstimmung gesunken, doch komme dies in den Umsätzen des Detailhandels bislang nicht zum Ausdruck. Allerdings zeige sich eine rückläufige Nachfrage nach dauerhaften Konsumgütern, vorab im mittleren Preissegment.

Noch zufrieden sind Tourismus und Gastgewerbe. Indes sei spürbar, dass Firmen ihre Ausgaben für Firmenanlässe und -reisen zu reduzieren versuchten.

Nach wie vor robust ist die Bautätigkeit, wie dem SNB-Bericht weiter zu entnehmen ist. Die Auftragseingänge hätten zuletzt mehrheitlich unter dem Vorjahresstand gelegen, doch seien die Auftragsbestände weiterhin hoch. Die Krise dürfte deshalb nicht vor dem zweiten Halbjahr 2009 voll auf die Produktion durchschlagen. (sda)

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