Aktualisiert 01.06.2010 15:23

KonjunkturWirtschaft um 0,4 Prozent gewachsen

Der Aufschwung der Schweizer Wirtschaft hat im ersten Quartal 2010 etwas an Tempo eingebüsst. Das Bruttoinlandprodukt nahm gegenüber dem Vorquartal um 0,4 Prozent zu.

Den Wert des Vorquartales revidierte das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) von 0,7 auf 0,9 Prozent. Und im Jahresvergleich nahm die Wirtschaftsleistung um 2,2 Prozent zu. Das ist das stärkste Plus seit dem zweiten Quartal 2008, als die Finanzkrise begann, auch die Realwirtschaft in die Tiefe zu reissen.

Ökonomen hatten mit einer Zunahme von 1,7 bis 2,3 Prozent aufs Jahr gerechnet. Im Quartalsvergleich waren sie von 0,6 bis 0,9 Prozent ausgegangen und damit etwas zu optimistisch gewesen.

Tempoverlust erwartet

SECO-Chefökonom Aymo Brunetti sagte der Nachrichtenagentur SDA, es bestätige sich die Erwartung, dass der Aufschwung nach der harten Rezession nicht in klassischer V-Form, sondern mit gewissen Rückschlägen erfolge.

Die Verlangsamung in einem einzelnen Quartal dürfe aber nicht überbewertet werden. Von einem so genannten Double-Dip-Szenario, wonach auf eine kurze Erholung ein zweiter Taucher in die Rezession erfolgt, geht er nicht aus.

Auch die Ökonomin des Westschweizer Konjunkturforschungsinstituts Créa, Délia Nilles, sieht die Schweizer Wirtschaft weiterhin in einem positiven Trend. Insbesondere halte sie sich besser als die EU, wo das Quartalswachstum nur 0,2 Prozent betrug.

Getragen wurde das erste Quartal, der dritte aufeinander folgende Drei-Monats-Abschnitt mit BIP-Wachstum, vom privaten Konsum und vor allem von den Exporten. Diese nahmen gegenüber dem Schlussquartal 2009 um 0,5 respektive 4,8 Prozent zu.

Robuster Privatkonsum

Während der Export sich vom tiefen Fall im Vorjahr erholte, zeigte sich der Privatkonsum bemerkenswert robust, wie Brunetti festhielt. Hintergrund sei, dass der Effekt der Wirtschafts- und Finanzkrise auf den Arbeitsmarkt weniger stark sei als angenommen. Ein Faktor sei die Einwanderung und damit die Personenfreizügigkeit mit der EU.

Demgegenüber sanken die Ausrüstungs- und Bauinvestitionen um 0,8 Prozent. Brunetti verwies darauf, dass die Kapazitäten der Wirtschaft noch nicht voll ausgelastet seien. Abgenommen haben die Investitionen insbesondere bei Metallerzeugnissen und Maschinen.

Während die Wertschöpfung im Industriesektor (+1,1 Prozent), im Baugewerbe (+0,9 Prozent) sowie in Handel, Gastgewerbe, Verkehr und Nachrichtendienste (+0,7 Prozent) erneut deutlich zunahm, kam es bei den Finanzmarktdienstleistungen sowie bei den öffentlichen Dienstleistungen zu leichten Rückgängen von je 0,1 Prozent. Gar um 2,7 Prozent schwächer schnitt die Landwirtschaft ab.

Trotz der konjunkturellen Unsicherheit fuhr der Staat seine Konsumausgaben um 1,4 Prozent zurück. Vorangegangen waren allerdings drei Quartale mit deutlichen Zunahmen.

Wieder Wachstum erwartet

Die Ökonomen werden aufgrund der neuen SECO-Zahlen ihre BIP- Prognosen überprüfen. Die Bandbreite der Erwartungen ist derzeit ziemlich gross und reicht von knapp 1 bis 2,5 Prozent Wachstum im laufenden Jahr.

Am optimistischsten ist die Grossbank UBS und sie sieht sich laut Ökonom Caesar Lack bestätigt: Auch die gegenwärtige Unsicherheit wegen der Staatsschulden und der Euro-Krise werde sich in diesem Jahr kaum auf das Schweizer BIP auswirken.

Hingegen könnten die Exporte längerfristig unter der Euro- Schwäche leiden. So rechnet die UBS mit einem weiteren Euro- Kursrückgang von derzeit rund 1.42 auf 1.35 Franken.

Vorsichtig bleibt die Credit Suisse. Die Aufräumarbeiten nach der Finanzkrise seien noch nicht abgeschlossen. Sie denkt dabei nicht nur an die «explodierenden Staatsschulden», sondern auch an die Immobilienmärkte, Subprime-Märkte oder die Kreditkartenschulden in den USA. (sda)

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