Freigesprochen: Wirtschaftsanwalt ist kein Geldwäscher
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FreigesprochenWirtschaftsanwalt ist kein Geldwäscher

Aus der Beute eines Millionenbetrugs bei der Dresdner Bank hat ein Zürcher Wirtschaftsanwalt einen Vorschuss von 10 000 Euro bezogen - und diesen kurze Zeit später in Dubai ausgegeben. Klarer Fall von Geldwäscherei? Die Richter am Zürcher Obergericht verneinten dies.

Ein langjähriger Vizedirektor der Dresdner Bank (Dreba) hatte rund 15 Millionen Franken an Kundengeldern für sich abgezweigt und einen beträchtlichen Teil des Deliktsbetrages über Deutschland nach Westafrika verschwinden lassen. Im November 2003 flog der heute 50- jährige Kadermann auf und wurde von der Polizei verhaftet.

Damals wurde auch ein renommierter Zürcher Wirtschaftsanwalt in die Affäre verwickelt. Dieser traf Ende November 2003 auf dem Flughafen Frankfurt am Main einen Mittelsmann des bereits inhaftierten Vizedirektors und nahm zwecks künftiger Verteidigung einen Honorarvorschuss von 10 000 Euro entgegen. Die Summe gab er kurz darauf in Dubai aus.

Laut Staatsanwaltschaft ein klarer Fall von Geldwäscherei. So habe der Anwalt damit rechnen müssen, dass es sich bei den Geldern um Deliktsgut aus den verbrecherischen Handlungen seines Mandanten handeln musste, befand die Anklage und verlangte zunächst eine Strafe in der Form einer Geldbusse von 20 000 Franken.

Schon am Bezirksgericht Zürich freigesprochen

Vor dem Bezirksgericht Zürich beteuerte der heute 55-jährige Wirtschaftsanwalt seine Unschuld, indem er ein Wissen um die Herkunft der schmutzigen Gelder in Abrede stellte. Mit Erfolg: Er wurde vor einem Jahr von der ersten Instanz freigesprochen. Allerdings wurden ihm aufgrund eines fahrlässigen Handelns die Prozesskosten von rund 4000 Franken auferlegt.

Die Staatsanwaltschaft akzeptierte den Freispruch nicht und legte Berufung ein. Sie verlangte kürzlich vor dem Obergericht neu eine bedingte Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu 150 Franken sowie eine Busse von 5000 Franken. Zudem sollte der Anwalt die 10 000 Euro dem Staat abliefern.

Die Verteidigung forderte erneut einen Freispruch, den Verzicht auf Kostenauflagen sowie eine Prozessentschädigung von über 42 000 Franken.

In seinem am Samstag schriftlich eröffneten Urteil hat das Obergericht den Freispruch des Bezirksgerichts Zürich grundsätzlich bestätigt. Es würden zwar gegen den Angeklagten erhebliche Verdachtsmomente bestehen, ein Nachweis sei aber nicht erbracht, steht im schriftlich begründeten Entscheid.

Im Ergebnis habe sich der Angeschuldigte auf Treu und Glauben im Geschäftsverkehr verlassen. Letztlich könne ihm nicht widerlegt werden, dass er darauf vertraut habe, dass das entgegengenommene Geld nicht kontaminiert gewesen sei. Der Anwalt wurde auch von einer Auferlegung der Gerichtskosten befreit.

Er erhält eine Prozessentschädigung von 20 000 Franken. Ein Wermutstropfen verblieb für ihn dennoch. So wurde er vom Obergericht verpflichtet, den unrechtmässig erlangten Vermögensvorteil von 10 000 Euro dem Staat abzuliefern.

(sda)

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