Aktualisiert 04.02.2013 14:40

Keine weisse Weste

Wirtschaftsbetrüger sind oft Manager

Die Fälle von Wirtschaftskriminalität in der Schweiz sind 2012 zurückgegangen. Zugenommen hat hingegen die Zahl krimineller Manager: Sie ist von 5 auf 24 Verurteilte hochgeschnellt.

von
whr
Als häufigsten Verwendungszweck der kriminell erlangten Vermögenswerte nannten die Täter die Finanzierung ihres Lebenswandels. (colourbox.com)

Als häufigsten Verwendungszweck der kriminell erlangten Vermögenswerte nannten die Täter die Finanzierung ihres Lebenswandels. (colourbox.com)

Die Schweizer Gerichte schlossen im Jahr 2012 insgesamt 64 Fälle von Wirtschaftskriminalität ab. Das entspricht einem Rückgang von 7,3 Prozent, wie das diesjährige «Forensic Fraud Barometer» des Wirtschaftsprüfungsunternehmens KPMG zeigt. Auch die Gesamtschadenshöhe ist gegenüber dem Vorjahr um 4,3 Prozent auf nunmehr 497,5 Millionen Franken leicht gesunken.

Frappant ist hingegen die Zunahme der Zahl von kriminellen Managern. Nachdem die Gerichte 2011 gerade einmal fünf Angestellte mit Kaderfunktion wegen Wirtschaftsstraftaten verurteilten, stieg ihre Anzahl 2012 auf insgesamt 24. Damit wurde auch das Niveau von 2010 (15 Fälle) nochmals übertroffen. Die Schadenssumme der 2012 abgeschlossenen Fälle belief sich gesamthaft auf 273,0 Millionen Franken, was gegenüber dem Vorjahr mit 8,9 Millionen ebenfalls eine deutliche Steigerung ist.

Die Anzahl der für Wirtschaftsdelikte verurteilten Angestellten ohne Kaderfunktion sank demgegenüber deutlich um 45 Prozent. Als häufigsten Verwendungszweck der kriminell erlangten Vermögenswerte nannten die Täter die Finanzierung ihres Lebenswandels - inklusive Beschaffung von Luxusgütern - und die Überbrückung von Finanzierungslücken.

Starke Zunahme der Fälle in Zürich

Die meisten Fälle von Wirtschaftskriminalität wurden vor Gerichten im Kanton Zürich behandelt. Die Anzahl der Fälle der Region stieg im letzten Jahr gegenüber 2011 von 23 auf 30 (+30,4 Prozent). Die Finanzmetropole belegt im Regionen-Vergleich auch bezüglich des Gesamtschadens von 178,7 Millionen Franken den ersten Platz. Die zweithöchste Gesamtschadenssumme (132,5 Millionen Franken) wurde 2012 in der Zentralschweiz registriert, während die Ostschweiz trotz einer hohen Anzahl Fälle die zweitniedrigste Schadenssumme aufweist.

Investoren am meisten geschädigt

Wie schon im Vorjahr waren auch 2012 die Investoren die am häufigsten betroffene Opfergruppe von Wirtschaftskriminalität. In 22 Prozent aller erfassten abgeschlossenen Gerichtsfälle waren sie als Geschädigte vertreten und mussten eine durchschnittliche Schadenssumme von 22,3 Millionen Franken verkraften. Am zweithäufigsten wurden die Finanzinstitute Opfer von Wirtschaftskriminalität. Auf sie entfielen insgesamt 11 Fälle mit einer durchschnittlichen Schadenssumme von 6,4 Millionen Franken. Die öffentliche Hand verzeichnete erneut einen deutlichen Rückgang, was die Schadenshöhe betrifft. Mit insgesamt 3,4 Millionen Franken und einer durchschnittlichen Schadenshöhe von 0,3 Millionen Franken waren sie 2012 die am wenigsten geschädigte Opfergruppe.

Hohe Dunkelziffer

Es zeigt sich in der Praxis, dass die von Wirtschaftskriminalität betroffenen Unternehmen lange nicht alle Fälle vor Gereicht bringen. KPMG geht deshalb von einer hohen Dunkelziffer aus und rechnet damit, dass die Anzahl Fälle insgesamt weiter steigen wird. Dies insbesondere auch deshalb, weil Wirtschaftsdelikte meist erst nach zwei bis drei Jahren aufgedeckt werden und von einer Häufung der Fälle im Zeitraum der Finanz- und Wirtschaftskrise ausgegangen werden kann.

Das «KPMG Forensic Fraud Barometer» beruht auf Wirtschaftskriminalitäts-Fällen mit einem Schadensbetrag von mindestens 50'000 Franken, welche im Berichtsjahr vor einem Schweizer Strafgericht abgeschlossen wurden und über welche in den wichtigsten Schweizer Tages- und Wochenzeitungen berichtet wurde.

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