Online-Anarchie: Wirtschaftskriminelle erobern die Cyberwelt
Aktualisiert

Online-AnarchieWirtschaftskriminelle erobern die Cyberwelt

Cyber-Kriminalität ist das häufigste Wirtschaftsdelikt nach der Veruntreuung. Doch Schweizer Firmen seien ungenügend darauf vorbereitet, sagt Wirtschaftsberater Ivo Hoppler.

von
Leo Hug
Cyber-Kriminalität: Laut Experten wird sich die Schweiz schnell dem internationalen Niveau annähern. Foto: colourbox

Cyber-Kriminalität: Laut Experten wird sich die Schweiz schnell dem internationalen Niveau annähern. Foto: colourbox

Herr Hoppler*, inwiefern betrifft Cyber-Wirtschaftskriminalität die Schweiz?

Ivo Hoppler: Eine Attacke auf das Justizdepartement hat vor wenigen Wochen dazu geführt, dass unbescholtene ­Bürger eine Aufforderung zum Bezahlen einer Busse be­kommen haben. Aber auch der Diebstahl von Kundendaten aus Banken betrifft die Schweiz.

Wie steht die Schweiz im internationalen Vergleich da?

Auf den ersten Blick sieht es in der Schweiz besser aus. 20 Prozent der von uns befragten Firmenverantwortlichen geben an, im letzten Jahr Opfer einer Attacke aus der Cyberwelt gewesen zu sein. Weltweit sind es 23 Prozent. Aber wir befürchten eine schnelle Annäherung der Schweiz an das internationale Niveau.

Warum?

Nur 31 Prozent der Unternehmen hierzulande führen jährliche Cyberrisk-Untersuchungen durch. Und selbst das oft mit unprofessionellen Instrumenten. 11 Prozent der Betriebe tun gar nichts.

In den Medien wird nur selten über Cyber-Kriminalität be­richtet.

Die Betriebe regeln zu viele Fälle intern. Sie befürchten bei Anzeigen einen Reputationsverlust.

Wer sind die typischen Cyber-Wirtschaftskriminellen?

Ausländische Geheimdienste, Organisationen mit mafiösen Strukturen und immer wieder die «einsamen Wölfe».

Es gibt aber auch firmeninterne Cyber-Kriminelle.

Das sind oft Männer zwischen 31 und 40 Jahren, die 3 bis 4 Jahre in der Firma arbeiten und eine weiterführende Ausbildung hatten.

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