Corona-Impfungen: Wirtschaftsprofessor schlägt 1000 Franken für Geimpfte vor
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Corona-ImpfungenWirtschaftsprofessor schlägt 1000 Franken für Geimpfte vor

Der Bund will die Menschen mit einer Info-Kampagne von der Corona-Impfung überzeugen. Ein Wirtschaftsprofessor bringt eine Impf-Prämie ins Spiel, um die Herdenimmunität zu erreichen.

von
Daniel Graf

Der Corona-Impfstoff ist angekommen. Längerfristig stellt sich die Frage, ob sich genügend Schweizerinnen und Schweizer impfen lassen wollen.

Darum gehts

  • Um die Herdenimmunität möglichst bald zu erreichen, bringt ein Zürcher Wirtschaftsprofessor die Idee einer Belohnung ins Spiel.

  • Der Vizepräsident der FDP fordert dagegen Bestrafungen für diejenigen, die sich nicht impfen lassen.

  • Der Präsident der Impfkommission hofft, dass beides nicht nötig sein wird.

Am Dienstag hat der Bund den detaillierten Plan vorgestellt, wer den ersten zugelassenen Corona-Impfstoff wann erhalten soll. Die Impfaktion soll landesweit am 4. Januar beginnen, wobei erste Kantone in kleinen Mengen schon diese Woche mit dem Impfen anfangen. Ab Januar sollen dann jeden Monat 250’000 Dosen des zugelassenen Wirkstoffs geliefert werden. Der Plan des Bundes sieht vor, in einem ersten Schritt besonders gefährdete Personen zu impfen, ab Frühling alle anderen (siehe Box unten).

Die Experten des Bundes erläuterten, dass sie die Bevölkerung über eine Aufklärungskampagne sensibilisieren und vom Nutzen und der Ungefährlichkeit einer Impfung überzeugen wollten. «Die Menschen sollen sich über die Impfung informieren und dann selbstständig einen Entscheid fällen», sagte Virginie Masseray, Leiterin der Sektion Infektionskontrolle beim Bundesamt für Gesundheit (BAG).

1000 Franken für jeden Geimpften?

Einen anderen Weg schlägt Helmut Dietl vor, BWL-Professor an der Universität Zürich: «Würde man jeder Person, die sich impfen lässt, 1000 Franken bezahlen, wäre es viel wahrscheinlicher, die notwendige Anzahl an Geimpften zu erreichen, um die Pandemie zu beenden», sagt er. Er bezieht sich dabei auf eine Idee von Robert E. Litan vom Brookings-Institut und berechnet für die Schweiz, dass dies bei einem Wirkungsgrad des Impfstoffes von 90 Prozent einmalig rund 5,3 Milliarden Franken kosten würde. «Ein stolzer Betrag», resümierte Dietl.

1000 Franken Impfgeld – damit würden sich mehr Leute impfen lassen, sagt ein Wirtschaftsprofessor. 

1000 Franken Impfgeld – damit würden sich mehr Leute impfen lassen, sagt ein Wirtschaftsprofessor.

Stevan Bukvic

Im Vergleich zu anderen Massnahmen wäre das Geld gemäss Dietl aber gut investiert: Einerseits, weil Geimpfte wieder ein normales Leben führen könnten. Weil das «Impfgeld» auch die Kaufkraft der Menschen erhöhen würde, könnte der Staat gemäss Dietl zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: «Erstens wird die Pandemie beendet, und zweitens wird die Konjunktur angekurbelt.»

Um sicherzustellen, dass sich ausreichend Menschen impfen, schlägt Dietl vor, nach der Impfung erst einen Teilbetrag auszubezahlen, zum Beispiel 250 Franken. Die restlichen 750 Franken würden erst bezahlt, wenn die notwendige Gesamtzahl an Impfungen erreicht ist. «Dieses Vorgehen würde dazu führen, dass diejenigen, die bereits geimpft sind, versuchen werden, auch diejenigen zu überzeugen, die bislang noch nicht geimpft sind», erläutert Dietl.

«Es sterben jeden Tag Menschen»

Ob finanzielle Anreize der richtige Weg sind, ist für den Walliser Nationalrat und FDP-Vizepräsidenten Philippe Nantermod fraglich. Auch er fordert aber, dass schneller die gesamte Bevölkerung durchgeimpft wird: «Wenn wir ab Januar grosse Mengen an Impfstoffen erhalten, sollte es meines Erachtens möglich sein, innerhalb von ein bis zwei Monaten genug Leute zu impfen, um eine Herdenimmunität zu erreichen.»

Nantermod versteht nicht, weshalb erst am 4. Januar mit den Impfungen begonnen wird, obwohl Swissmedic die Zulassung bereits am Samstag erteilt hat. «Im Kanton Wallis beispielsweise stehen 4000 Impfdosen bereit. Ich verstehe nicht, weshalb bis nach Weihnachten gewartet wird, bis mit dem Impfen begonnen wird. Es sterben jeden Tag Menschen an dieser Krankheit», mahnt Nantermod.

«Es braucht weder Zuckerbrot noch Peitsche»

Für den Fall, dass sich trotz ausreichend vorhandenem Impfstoff nicht genug Personen impfen lassen wollen, schlägt Nantermod Restriktionen für diejenigen vor, die sich nicht impfen lassen wollen: «Man muss den Menschen klarmachen, dass gewisse Dinge nicht mehr möglich sind, wenn sie sich nicht impfen lassen wollen. Beispielsweise könnten der ÖV und Alters- und Pflegeheime nur noch für Menschen zugänglich gemacht werden, die geimpft sind.»

Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen, glaubt, dass es «weder Zuckerbrot noch Peitsche» braucht, damit ausreichend Menschen sich impfen lassen: «Das Wichtigste ist jetzt wirklich die Information. Die Impfempfehlung wurde erst am Dienstag online aufgeschaltet. Jetzt brauchen die Menschen Zeit, um sich damit auseinanderzusetzen und offene Fragen zu klären.» Sollte das tatsächlich nicht reichen, würde Berger eher über Belohnungen Anreize schaffen wollen als über Bestrafungen.

So will der Bund impfen

Das Bundesamt für Gesundheit hat Spielregeln fürs Impfen aufgestellt. «Erst sollen Personen über 75 Jahre geimpft werden», erklärte Christoph Berger, Präsident der Eigenössischen Kommission für Impffragen, am Dienstag. Parallel dazu sollen unabhängig von ihrem Alter auch Personen mit höchstem Risiko geimpft werden. Es folgen dann Personen im Alter von 65 bis 74 Jahren und dann Erwachsene unter 65 Jahren mit chronischen Krankheiten. Sind die besonders gefährdeten Personen durchgeimpft, folgen das Gesundheitspersonal mit Patientenkontakt und das Betreuungspersonal, danach die Mitbewohner von besonders gefährdeten Personen. Und am Schluss Personen in Gemeinschaftseinrichtungen mit erhöhtem Infektions- und Ausbruchsrisiko wie etwa Gefängnisse oder Wohnheime für Menschen mit Behinderung. Erst, wenn all diese Personen geimpft sind, soll der Impfstoff der breiten Bevölkerung zugänglich gemacht werden.

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