Corona-Lockdown : Wirtschaftsverbände fordern Exit-Plan und Privilegien für Geimpfte
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Corona-Lockdown Wirtschaftsverbände fordern Exit-Plan und Privilegien für Geimpfte

Wirtschaftsverbände haben dem Bund einen Exit-Plan vorgelegt. Sie fordern die Öffnung der Läden ab März, Grossevents erst deutlich später und nur für Geimpfte.

von
Sven Forster
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Wie lange dauert der Lockdown in der Schweiz noch an?

Wie lange dauert der Lockdown in der Schweiz noch an?

20min/Michael Scherrer
Die Wirtschaftsverbände haben einen Exit-Plan vorgelegt. 

Die Wirtschaftsverbände haben einen Exit-Plan vorgelegt.

20min/Karina Romer
Dieser besteht aus vier Phasen. 

Dieser besteht aus vier Phasen.

20min/Karina Romer

Darum gehts

  • Der Arbeitgeberverband und Economiesuisse haben einen Exit-Plan aus dem Corona-Lockdown erarbeitet.

  • Die Strategie hat vier Phasen.

  • Umstritten ist die Forderung nach Vorteilen für Geimpfte.

Wie lange dauert der Lockdown in der Schweiz noch an? Der Bundesrat will kommenden Mittwoch eine Strategie festlegen und die Beschlüsse am 24. Februar kommunizieren. Die Forderungen nach Lockerungen häufen sich. Nun melden sich auch die grossen Wirtschaftsverbände zu Wort.

Economiesuisse und der Arbeitgeberverband erarbeiteten vergangene Woche ein Konzept. Sie fordern erste Lockerungen ab März und einen klaren Fahrplan, der die Schweiz wieder in die Normalität führen soll, schreibt die «NZZaS». «Die Bevölkerung und die Wirtschaft brauchen dringend eine verlässliche Perspektive», so die Verbände.

Statt auf Ansteckungszahlen und R-Wert soll sich der Bund bei den Lockerungen auf den Fortschritt der Impfungen orientieren. Die Argumentation dabei: Je mehr Menschen geimpft sind, desto geringer die Gefahr, dass die Spitäler überlastet werden.

Öffnung von Restaurants und Fitnesscentern Ende April

Im Konzept der Wirtschaftsverbände ist ein vierstufiger Exit-Plan enthalten. In der ersten Phase ab 1. März fordert die Wirtschaft, dass «Tätigkeiten mit geringem Ansteckungsrisiko» wieder erlaubt werden. Dazu gehören: Die meisten Aktivitäten im Freien und auch das Essen auf einer Beizenterrasse. Ausserdem soll die Home-Office-Pflicht wieder zur Empfehlung zurückgestuft und die Fünf-Personen-Regel gestrichen werden. Läden sollen ausserdem unter Einhaltung des Schutzkonzeptes wieder geöffnet werden.

Die zweite Phase soll laut Rudolf Misch, dem Chefökonom von Economiesuisse, starten, wenn die Risikogruppen geimpft sind. Nach aktuellen Planungen des Bundes soll dies Ende April passiert sein. Unter Schutzkonzepten sollen dann Restaurants, Kinos und Fitnesscenter wieder geöffnet werden.

Den dritten Schritt plant die Wirtschaft, wenn genügend Impfstoff für die ganze Bevölkerung da ist. Alle Aktivitäten sollen wieder erlaubt werden. Ein wichtiger Teil des Plans der Wirtschaftsverbände: Zugang zu Grossevents wie Sportanlässen, Messen, Konzerten oder Partys bekäme nur, wer geimpft ist.

«Wäre ­unfair, das Leben der Geimpften ständig einzuschränken»

Im letzten Schritt, wenn die Herdenimmunität erreicht ist, sollen alle Regeln und Massnahmen fallen. Immer wieder betonen die Verbände, dass ein Erfolg dieser Strategie vom Tempo der Impfungen abhängt. Ausserdem verlangen die Vertreter einen besseren Impfausweis, der digital, sicher und interna­tional anerkannt ist.

Inwiefern der Plan der Verbände umgesetzt werden könnte, ist unklar. Besonders Vorteile von Geimpften sind sehr umstritten. Die Ethikkommision des Bundes hat sich am Freitag dazu geäussert, allerdings sehr zurückhaltend. Für Rudolf Misch ist klar: «Es wäre auch ­unfair, das Leben der Geimpften ständig einzuschränken, nur um die zu schützen, die sich nicht impfen lassen wollen.» Wie die Zeitung schreibt, wird der Bundesrat demnächst über die Frage der Bevor- respektive Benachteiligung diskutieren.

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BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

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Pro Juventute, Tel. 147

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