Wirtschaftswachstum überraschend stark gebremst
Aktualisiert

Wirtschaftswachstum überraschend stark gebremst

Die Abkühlung des Wirtschaftswachstums im dritten Quartal 2006 hat die Ökonomen überrrascht. Ihre eigenen Schätzungen lagen um einiges höher.

«Die BIP-Zahlen sind enttäuschend», sagte der Chefökonom der Bank Julius Bär, Janwillem Acket, am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Die Bank hatte mit einem Plus von 0,6 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2006 und einem Wachstum von 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal gerechnet.

Rudolf Walser, Chefökonom des Wirtschaftsverbands economiesuisse, hatte ebenfalls ein kräftigeres Wachstum erwartet. Die Verlangsamung sei aber nicht gravierend: «Es gibt keinen Grund zur Beunruhigung», sagte Walser und verwies auf die nach wie vor starken Export-Zahlen.

Am insgesamt positiven Ausblick für die Schweizer Wirtschaft ändere sich kaum etwas, sagte UBS-Ökonom Reto Hünerwadel. Die Schweizer Wirtschaft stehe nicht vor dem Absturz. BIP-Zahlen seien «eine lebendige Sache», relativierte Acket. Sie würden laufend revidiert; erst nach drei Jahren seien die tatsächlichen Daten bekannt.

Privatkonsum bleibt robust

Erstaunt äusserte sich Acket zum Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen. Das sei ein «Schönheitsfehler», wenn auch der einzige. Positiv wertete er die Zunahme des Privatkonsums: «Der Konsum blieb ähnlich robust wie im zweiten Quartal. Das ist die wichtigste Inlandkomponente der Nachfrage», sagte Acket. Auch bei den Warenexporten sei weiterhin eine Aufwärtsdynamik vorhanden.

Vorsichtig müsse man den Rückgang der Wertschöpfung bei den Banken bewerten. Viele Banken hätten den Einbruch am Aktienmarkt zwar bis ins dritte Quartal gespürt. «Wir haben aber von den Märkten her ein sehr gutes viertes Quartal», sagte der Bank-Ökonom.

Auch economiesuisse-Chefökonom Walser zeigte sich wenig beeindruckt: Der Finanzsektor sei schwankungsanfälliger als andere Branchen. Und wegen seiner grossen Bedeutung für die Schweizer Wirtschaft fielen Abschwächungen in diesem Sektor stärker ins Gewicht.

3 Prozent wohl nicht erreichbar

Fürs Gesamtjahr werde die Schweiz vermutlich nicht auf die erhofften 3,0 Prozent BIP-Wachstum kommen, sagte Acket weiter. Das Wachstum werde aber immer noch deutlich über 2,5 Prozent und damit so hoch liegen wie seit sechs Jahren nicht mehr.

Für 2007 werde es hingegen «schwierig, ein Wachstum von über 2 Prozent zu erreichen, weil wir mit einer schwächeren Dynamik ins Jahr starten», sagte Acket. Die erwartete Wachstumsabschwächung dürfte jedoch verhalten ausfallen, sagte Walser.

Keine Zinspause der SNB erwartet

Trotz der BIP-Abkühlung im dritten Quartal geht Acket nicht davon aus, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) eine Zinspause einlegen werde. «Wir erwarten, dass die SNB im Dezember und im kommenden März die Leitzinsen nochmals je um ein Viertel Prozentpunkt erhöhen wird», sagte Acket.

Diese Schritte seien nötig, da die Preise in Bewegung seien. Darauf deutet der BIP-Deflator hin, der im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 1,8 Prozent gestiegen ist. Der BIP- Deflator weist auf Preisveränderungen hin.

(dapd)

Deine Meinung