Roman Wick: «Wissen nicht, wem wir was glauben sollen»
Aktualisiert

Roman Wick«Wissen nicht, wem wir was glauben sollen»

Der Kampf um einen Platz im WM-Team und die Unruhen in Kloten: Roman Wick hat trotz Playoff-Out eine bewegte Zeit.

von
Marcel Allemann
Roman Wick blickt in eine ungewisse Zukunft.

Roman Wick blickt in eine ungewisse Zukunft.

Roman Wick, haben Sie das vorzeitige Playoff-Out mit den Kloten Flyers verdaut?

Roman Wick: Mittlerweile schon, es sind in der Zwischenzeit ja auch schon mehr als drei Wochen vergangen. Es ist klar, alle von uns wären nun lieber im Playoff-Final mit von der Partie, aber schlussendlich sind wir auch froh, dass wir in der Nati dabei sind und um einen WM-Platz kämpfen können. Es wäre noch viel zu früh, um schon in die Ferien zu gehen.

Wie haben Sie es geschafft, die Playoff-Enttäuschung zu verdauen, zumal die Erwartungen in Kloten sehr hoch waren?

Schlussendlich galt es auch zu akzeptieren, dass Bern gegen uns sehr stark gespielt hat. Bei uns dagegen waren viele Spieler nicht in Form – und da zähle ich auch mich dazu. Nach dem Out in der Serie kamen parallel dazu noch die Unruhen im Verein ins Rollen, was die ganze Verarbeitung auch nicht einfacher gestaltete. Ich bin dann für ein paar Tage verreist, um den Kopf ein wenig zu lüften.

Haben Sie das Gefühl, dass Sie sich für die WM wieder in Form spielen können?

Ich werde alles daran setzen. Mein grosses Manko ist einfach weiterhin mein linkes Bein. Es ist nach meiner Oberschenkelverletzung noch nicht zu hundert Prozent wieder hergestellt. Der Arzt sagt auch, dass mein Bein nach dieser Verletzung nie mehr so sein wird wie früher, es fehlt ein Stück Muskel. Meine Psyche muss nun begreifen und akzeptieren, dass weniger Muskel vorhanden ist und ich damit auskommen muss, was vor allem auch eine koordinative Aufgabe und Herausforderung ist.

Das hört sich dramatisch an. Können Sie überhaupt jemals wieder so gut Eishockey spielen wie in der Vergangenheit?

Davon bin ich überzeugt. Es ist nun einfach wichtig, dass ich kleine Schritte nehme. Ich habe fast zuviel gewollt und mir so selbst unnötigen Druck auferlegt.

Haben Sie trotzdem das Gefühl, dass Sie gesetzt sind für die WM?

Nein, überhaupt nicht.

Aber Sie sind immerhin Roman Wick...

Ich bin auch Roman Wick, weil ich nie denke, dass ich gesetzt bin. Es kann schnell gehen, auch ein Patrick Fischer und Martin Plüss waren mal an einer WM nicht dabei. Ich glaube nicht, dass jemand in dieser Kabine denkt, er sei gesetzt. Höchstens dieser Knirps da (er lacht und zeigt auf Ligatopskorer Damien Brunner).

Sie haben zuvor die Unruhen bei Ihrem Arbeitgeber Kloten angesprochen. Es wird derzeit viel gesagt und geschrieben. Ist man da im Kopf überhaupt frei für die Nati?

Meiner Meinung nach wurde viel zu viel gesagt und viel zu viel geschrieben. Ich habe keine Ahnung was stimmt, das hat niemand in Kloten, es weiss niemand was da wirklich läuft. Aber was soll ich machen? Soll ich mir den Kopf zerbrechen über die täglich neuen Gerüchte? Wir Spieler wissen nicht mehr, wem wir was glauben sollen. Wir sind nun hier bei der Nati und fokussieren uns darauf. Alles was Kloten betrifft ist dann nach der Nati wieder ein Thema.

Haben Sie Angst, dass Sie aus finanziellen Gründen an einen anderen Klub abgegeben werden?

Angst ist das falsche Wort, ich würde gerne weiterhin in Kloten spielen. Aber es wird so kommen wie es kommen muss.

Stimmt es eigentlich, dass Ihr Salär von privater Seite bezahlt wird?

Ja, ich werde fremdfinanziert.

Dann ist die Gefahr, dass Sie abgeschoben werden relativ gering.

Dazu kann ich wirklich nichts sagen. Wie gesagt: Ich weiss nichts.

Sehen Sie keinen Grund, den aktuellen Boss Jürg Bircher oder den zukünftigen Boss Adrian Fetscherin anzurufen und zu fragen, was da eigentlich läuft?

Es ist doch nicht die Aufgabe von uns Spielern, mit der Klubführung die Diskussion zu suchen. Dieser Ball liegt nicht bei uns, sondern bei ihr.

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