Aktualisiert 14.06.2004 20:33

Witzige Gedichte aus 400 Jahren

GEDICHTE – Die Deutschen sind humorlos, die deutsche Sprache scheint eckig und witzfeindlich, und vor allem ist die anerkannte deutsche Lyrik verquast und zum Haaröl-Seichen. So heisst es allerorten, was aber nur bedingt stimmt.

Deutsche Dichter können ganz schön lustig sein. Nicht erst seit Robert Gernhardt, auch Lessing, Goethe, Heine und Konsorten waren schon glanzvoll komisch. Das beweist dieser dicke und dennoch handliche Sammelband. Natürlich gibt es in diesem opulenten Buch auch Fussball-Gedichte. Ror Wolf zum Beispiel mit ergreifenden Sonetten, die schliesslich so enden: «Ganz ausgepumpt und das Trikot zerfetzt – Und umgesenst. Da schweigen alle Lieder. – Der Stopper hat ihm wirklich zugesetzt. – Er geht in ihn hinein und sägt ihn nieder. – Die Pfeife schweigt. Kein Pfiff. So viel für jetzt. – Am nächsten Sonntag sehen wir uns wieder.»

Insgesamt handelt es sich hier um genau 878 Gedichte aus 400 Jahren: Gereimt wird über Lust und Liebe, Essen und Trinken, Geschichte und Gesellschaft, Sprache, Natur und Kultur, Wissen und Glaube, Leben und Sterben. Benn, Brecht und Wilhelm Busch, Eich, Enzensberger und Heinz Erhardt, Kurt Marti, Mörike und Morgenstern, Karl Valentin, Robert Walser und viele andere, zumeist männliche Dichter lassen es krachen.

Was für ein Füllhorn, was für eine Quelle des Vergnügens, man blättert, liest und kommt aus dem Staunen und Lachen gar nicht mehr heraus.

Wolfgang Bortlik

Steffen Jacobs «Die komischen Deutschen», Zweitausendeins-Verlag, 940 Seiten, 49 Franken.

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