Aktualisiert 22.01.2015 11:35

Innertkirchen BE

WK-Soldaten arbeiten gratis für Stromfirma

Empörung im Berner Oberland: Soldaten statt Gewerbler verrichten Arbeiten für ein Schweizer Wasserkraftunternehmen und die Gemeinde Innertkirchen.

von
Gabriel Brönnimann
1 / 3
An diesem Hang auf dem Gebiet der Gemeinde Innertkirchen entsteht die Deponie des neuen Kraftwerks Grund der KWO. Doch nicht Forstarbeiter, sondern, wie das Auto rechts verrät...

An diesem Hang auf dem Gebiet der Gemeinde Innertkirchen entsteht die Deponie des neuen Kraftwerks Grund der KWO. Doch nicht Forstarbeiter, sondern, wie das Auto rechts verrät...

Leser-Reporter/Leser-Reporter
...Angehörige der Schweizer Armee sind hier für einen grossen Konzern und eine Schweizer Gemeinde im Einsatz. Rund 60 Manntage, sagt die Armee. Einige Bürger sind darob nicht erfreut:...

...Angehörige der Schweizer Armee sind hier für einen grossen Konzern und eine Schweizer Gemeinde im Einsatz. Rund 60 Manntage, sagt die Armee. Einige Bürger sind darob nicht erfreut:...

Leser-Reporter/Leser-Reporter
...«Warum arbeiten dort Soldaten und nicht unser lokales Gewerbe?», fragen sich viele.

...«Warum arbeiten dort Soldaten und nicht unser lokales Gewerbe?», fragen sich viele.

Leser-Reporter/Leser-Reporter

«Das ist doch unerhört», sagt ein aufgebrachter Berner Oberländer zu 20 Minuten. Der Mann möchte anonym bleiben – hier, wo die Welt noch in Ordnung ist, kennt jeder jeden. Mit einem der grössten Arbeitgeber der Region möchte es sich niemand verscherzen. Doch manche Leute in und um Innertkirchen sind der Ansicht, ihre Welt sei nicht mehr ganz in Ordnung.

Stein des Anstosses: Am Fuss des Urbachtals roden WK-Soldaten seit dem 8. Januar ein Waldstück. Die Soldaten arbeiten für die Kraftwerke Oberhasli AG (KWO) und die Gemeinde Innertkirchen. Das will bei der Gemeinde zwar erst niemand bestätigen, aber im Dorf sagt man deutlich: «Die roden den Wald für das neue Kraftwerk.» Was niemand verstehen kann: «Warum arbeiten dort Soldaten und nicht das lokale Gewerbe? Den Auftrag würden hier viele gern übernehmen.»

KWO und Gemeinde: Hand in Hand

Ein Blick auf den Geschäftsbericht 2013 zeigt, dass die Firma sich lokale Forstarbeiter leisten könnte: Die KWO erwirtschaftete über sieben Millionen Franken Gewinn bei einem Umsatz von über 167 Millionen und hat ein Eigenkapital von über 165 Millionen Franken. Am 7. Januar traf die schriftliche Baugenehmigung für das geplante neue Kraftwerk Grund ein – die Vorbereitungsarbeiten, «Rodungen für die Deponie», wurden umgehend in Angriff genommen.

«Der Militäreinsatz wurde von der Gemeinde vermittelt und die Rodung wird von der KWO ausgeführt», sagt Ernst Baumberger, der Sprecher des Stromproduzenten. Vom Militäreinsatz profitiere nicht nur die Firma, sondern auch die Gemeinde: «Die Gemeinde war in die Vermittlung involviert, weil sie eine Wasserversorgungsleitung einlegen kann. So gab das eine gemeinsame Beteiligung.» Es seien rund fünf WK-Soldaten im Einsatz. Dieser dauere etwa zwei Wochen. Unter den Armeeangehörigen seien «praktischerweise» auch Forstleute: «Deshalb hat das gepasst, denn so hat der Einsatz auch einen Ausbildungscharakter.» Zur Kritik aus der Bevölkerung wegen der «Gratisarbeit» auf Kosten der Steuerzahler möchten sich die KWO nicht äussern.

Armee: «Gewisse Leistungen für die Allgemeinheit»

Bei den Soldaten handelt es sich laut Laurent Savary, stv. Chef Kommunikation Luftwaffe, um Sappeure, die auf dem Militärflugplatz Meiringen stationiert sind. Es gehe darum, «gewisse Leistungen für die Allgemeinheit» zu erbringen. Vorrang habe dabei «der militärische Auftrag und der Ausbildungseffekt für die Truppe». Diese würde vom aktuellen Auftrag profitieren: Das Flugplatzkommando helfe der Gemeinde Innertkirchen «beim Ausholzen eines Waldstückes, weil die Gemeinde dort in Koordination mit einem Kraftwerksbau der KWO eine Wasserleitung neu verlegen muss». Arbeitsaufwand laut Savary: «rund 60 Manntage».

Die Armee verweist für alles Weitere auf die Gemeinde. Der Innertkirchner Bauverwalter Marcel Guinand sagt zu 20 Minuten: «Ja, wir erhalten von der Armee Anfragen für Projekte. Die Rodung ist eines davon.» Es handle sich um «Ausgleichsleistungen für die Belastungen, die durch den Militärflugplatz entstehen». Guinand kann den Ärger nachvollziehen, beteuert aber: «Das lokale Gewerbe soll natürlich nicht konkurrenziert werden.» Das sehen nicht alle so. Ein aufgebrachter Bürger sagt: «Es kann doch nicht sein, dass man der Privatwirtschaft Konkurrenz macht und ein Grossunternehmen mit Steuergeldern unterstützt, für dessen Strom wir dann wieder teuer bezahlen?!»

Aufruf: Haben Sie im Militärdienst auch schon Aufträge für Firmen oder Gemeinden erledigt? Oder Arbeiten nicht-militärischer Art erledigen müssen? Schreiben Sie uns ein Mail an feedback@20minuten.ch mit dem Betreff «Militär».

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.