Doping-Kronzeuge: «Wladimir Putin wusste alles»
Aktualisiert

Doping-Kronzeuge«Wladimir Putin wusste alles»

Der russische Doping-Kronzeuge Grigori Rodschenkow erhob in einer neuen ARD-Dokumentation schwere Vorwürfe gegen Russlands Präsidenten Wladimir Putin.

1 / 8
Alexander Legkow wird in Pyeongchang definitiv nicht am Start sein. Das CAS lehnt seine und diejenige von weiteren 44 russischen Sportlern ab. Das IOK hatte ihnen eine Einladung verwehrt.

Alexander Legkow wird in Pyeongchang definitiv nicht am Start sein. Das CAS lehnt seine und diejenige von weiteren 44 russischen Sportlern ab. Das IOK hatte ihnen eine Einladung verwehrt.

Keystone/Gian Ehrenzeller
Legkow gewann 2014 Gold über 50 km und Silber mit der Staffel. Anfang November 2017 wurden ihm die gewonnenen Medaillen vom Internationalen Olympischen Komitee (IOK) wegen Dopings aberkannt

Legkow gewann 2014 Gold über 50 km und Silber mit der Staffel. Anfang November 2017 wurden ihm die gewonnenen Medaillen vom Internationalen Olympischen Komitee (IOK) wegen Dopings aberkannt

AP/Dmitry Lovetsky
Das IOK sieht es als erwiesen an, dass die betroffenen Sportlerinnen und Sportler bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi gedopt. Sie sollen gar von einem staatlichen Betrugssystem profitiert haben.

Das IOK sieht es als erwiesen an, dass die betroffenen Sportlerinnen und Sportler bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi gedopt. Sie sollen gar von einem staatlichen Betrugssystem profitiert haben.

AP/Pavel Golovkin

Grigori Rodschenkow bezichtigte Wladimir Putin der Mitwisserschaft am Doping-Betrug bei den Winterspielen in Sotschi. Ausserdem sagte der in die USA geflohene Whistleblower in der ARD-Dokumentation «Geheimsache Doping – das Olympia-Komplott» am Montagabend, ein Doping-System habe es schon weit vor 2014 gegeben.

Im Mai 2016 hatte der Leiter des Moskauer Doping-Analyselabors im Interview der «New York Times» über den Doping-Betrug und Proben-Austausch mit Hilfe des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB bei den Spielen in Sotschi berichtet. «Natürlich kam es von ganz oben, vom Präsidenten. Weil nur der Präsident den FSB für eine solch spezielle Aufgabe engagieren könnte», so Rodschenkow.

Rodschenkow erklärte zudem, in welcher Reihenfolge das Wissen zu Putin gelangte. «Es war ja eine ganz einfache Kette», erklärte er: Er selbst habe an den stellvertretenden Sportminister Jurij Nagornych berichtet, dieser an den Sportminister Witalij Mutko, dieser dann an Putin. Ich weiss von Mutko, dass Putin viele Details kannte. Mutko erzählte mir, dass Putin sich an meinen Namen erinnern konnte. Er wusste alles», so der frühere Chef des Moskauer Dopinglabors. «Er kann es nicht leugnen.»

Dopingflaschen-Skandal

Es ist kaum vorstellbar, dass in den zehn Tagen bis zu Start der Spiele noch Ersatz für die fehlerhaften Behälter beschafft werden kann. Video: Tamedia/AFP

Dopingexperte Hajo Seppelt: «Das ist eine Bankrotterklärung des Systems». Video: Tamedia/AFP

Vor 2008 war es ein leichtes Spiel

Knapp zwei Wochen vor der Eröffnungsfeier der Winterspiele in Pyeongchang bestätigte Rodschenkow zudem Dokumente, die der ARD zugespielt wurden und die den Verdacht erhärten, dass Russland schon lange vor Sotschi einen Dopingplan und ein Dopingsystem gehabt hat.

Sepp Blatter und die Grabsch-Affäre

Der Ex-Fifa-Präsident zu Putin, Seferovic und Solo. (Video: Sebastian Rieder)

«Vor Peking war es sehr einfach. Man konnte tun, was man wollte – und alle russischen Athleten des Nationalteams waren gedopt», sagte Rodschenkow. «Zwischen Peking 2008 und London 2012 änderten wir unsere Strategie, wie man Doping vertuschen kann. Wir haben alles kontrolliert.» Für Sotschi hätten die Betrüger das Staatsdoping nahezu perfektioniert. (20 Minuten/sda)

Skandal um neue Doping-Probeflaschen der Wada?

Die Welt-Anti-Doping-Agentur untersucht mögliche Probleme mit den neuen Urin-Probenflaschen und sorgt vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele am 9. Februar in Pyeongchang für Verunsicherung. Wie die Wada mitteilte, wurde sie vom Analyselabor in Köln am 19. Januar informiert, dass die Flaschen beim Einfrieren einer Probe manuell geöffnet werden könnten. Die Behälter waren nach dem Doping-Skandal in Russland neu gestaltet worden.

Bei einer Dopingkontrolle werden jeweils zwei Flaschen benötigt, für eine A- und eine B-Probe. Die B-Probe wird eingefroren und nur genutzt, wenn ein Athlet die Analyse der A-Probe anzweifelt.

Bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi waren Dopingproben russischer Athleten geöffnet und der Inhalt gegen sauberen Urin ausgetauscht worden. Als Konsequenz aus den Manipulationen wurde das Nationale Olympische Komitee Russlands von den Spielen in Pyeongchang suspendiert. Das IOC gewährt jedoch 169 individuell geprüften russische Athleten das Startrecht unter neutraler Flagge. (sda)

Deine Meinung